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„Die Rolle ist ein Geschenk“

Musical „Die Hatzfeldt“ „Die Rolle ist ein Geschenk“

„Jede moderne Frau, die ihr Leben mit Beruf und Familie meistert, wäre von dieser Rolle begeistert“, sagt Vasiliki Roussi. Die zierliche Hauptdarstellerin spielt die durchsetzungsstarke Gräfin mit Energie und Überzeugung.

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Die beiden Hauptdarsteller Vasiliki Roussi und Gunnar Frietsch sind von dem Musical begeistert.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Biedenkopf. . Sie wird eine starke Gräfin Sophie geben, wenn am morgigen Freitag um 20 Uhr auf dem Biedenkopfer Schloss die Premiere des Musicals „Die Hatzfeldt“ beginnt.

Vasiliki Roussi ist von der Rolle, die Birgit Simmler für die „rote Gräfin“ geschrieben hat, begeistert. „Diese Rolle ist ein Geschenk, und die Musik ist ein Geschenk“, sagt Roussi über die Kompositionen von Paul Graham Brown.

„Ich identifiziere mich voll mit der Rolle, die Gräfin Hatzfeldt ist eine wichtige Figur, eine Vorkämpferin für Frauenrechte. Sie hat trotz allem das Gespür nicht verloren, was richtig und was falsch ist. Sie lehnt sich gegen jede Unterdrückung auf, die der Frauen und die der Arbeiter.“ Sie freue sich, diese Rolle zu spielen, sagt Roussi. „Keine Frau würde heute mehr so leben wollen, wie es von der Gräfin Hatzfeldt verlangt wurde. Mit einem Mann, der sie bevormundet, einsperrt, schlägt, vergewaltigt und betrügt.“

Roussi schwärmt von Regisseurin Simmler

„Die Hatzfeldt ist eine sehr wichtige Figur, aber sie ist auch sehr gut geschrieben“, betont Roussi. „Birgit schreibt ausgezeichnete Dialoge, die den üblichen Rahmen für Musicals weit überschreiten.“ Werde meist in Musicals ein ernstes Thema nur kurz angerissen, bevor die nächste Show-Nummer komme, schreibe Biedenkopfs Kulturreferentin ausreichende­ Dialoge, die der Tiefe der ­Figur tatsächlich gerecht würden. „Aber auch kein Wort zu viel“, findet die Hauptdarstellerin.

„Birgit hat ein tolles Buch ­geschrieben, und sie weiß als Regisseurin, wie wichtig die Haltung ist. Wenn die Haltung stimmt, ist die einzelne Aktion nicht mehr entscheidend, und Birgit kann das sehr gut vermitteln“, schwärmt Roussi. „Der Rahmen für die Szenen ist perfekt, da kann ich kopfüber voll spielen.“

Die Dialoge hätten sie überzeugt, nach Biedenkopf zu kommen und diese Rolle zu übernehmen, sagt Roussi, die sonst um diese Zeit ihre Mutter besucht und in Griechenland am Strand liegt. „Dieses Jahr fahre ich eben später zu ihr“, sagt sie und ist „des Probens keineswegs müde, im Gegenteil.“ Sie würde gerne mehr Zeit haben, vor allem auch für die Musik von Paul Graham Brown, sagt sie. „Die Musik ist großartig, es ist ein Geschenk, sie singen zu dürfen.“ Und sie freut sich ungeheuer auf die Premiere, wenn auch die Besucher das Stück erleben können.

Frietsch: Das Abgründige macht Figur erst spannend

Auch für ihren Bühnenpartner Gunnar Frietsch, der den Vorreiter der deutschen Sozialdemokratie, Ferdinand Lassalle,­ spielt, ist seine Bühnenfigur überzeugend. „Lassalle war seiner Zeit weit voraus. Er war ein messerscharfer Denker, und wenn er sich für etwas entschieden hat, dann zog er das durch. Er ist auch sehr selbstsicher, er fordert die ganze Welt heraus“, beschreibt er den Sozialreformer, der als glänzendster Redner seiner Zeit galt. „Man darf ihn nicht zu Wort kommen lassen, sonst hat man verloren“, sagt Frietsch.

Auch für ihn war es die Zusammenarbeit mit Birgit Simmler und Paul Graham Brown, die ihn an der Rolle zunächst am meisten interessiert hat. „Birgit ist eine Ausnahmeerscheinung, sie kann nicht nur Super-Stücke schreiben, sie ist auch eine Super-Dramaturgin und -Regisseurin“, sagt Frietsch. „Und Pauls Musik ist extrem singbar, ein klassisches Musical. Das liegt mir mehr als Pop, ich komme ja aus der Klassik“, meint der Opern-Bariton. Beim Casting habe er auf Wunsch von Paul das Liebes-Duett „Wundervoll“ aus dem Musical gesungen und „das war super“, sagt der Hauptdarsteller.

Auch mit der Zwiespältigkeit der Figur Lassalles hat Frietsch kein Problem. „Seine­ Promiskuität war für die oberen Schichten damals normal, es gehörte geradezu zum guten Ton“, glaubt er. Außerdem habe er auch schon den Mephisto oder den Franz Mohr gespielt, „da gibt es ja auch das Abgründige. Das macht eine Figur spannend“. Was wünscht er sich für die Premiere? „Dass die Leute in Scharen kommen. Birgit bietet hier wirklich etwas Besonderes, sehr gutes und unterhaltsames Musiktheater mit Tiefgang. Das sollten möglichst viele Menschen erleben“, sagt er.

von Martina Koelschtzky

Wie sich ein OP-Mitarbeiter als Laiendarsteller bei den Proben schlägt, lesen Sie hier.
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Musical „Die Hatzfeldt“
OP-Mitarbeiter Benedikt Bernshausen sammelt auf der Schlossfestbühne in Biedenkopf im Stück „Die Hatzfeldt“ erste Erfahrungen als Musical-Darsteller. Foto: Martina Koelschtzky

OP-Mitarbeiter Benedikt Bernshausen tauscht Block und Stift gegen Mimik und Gestik. Im Musical „Die Hatzfeldt“ schlüpft er in verschiedene Rollen.

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