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Dexbacher kritisieren Windparkpläne

Krug Energie GmbH informiert Dexbacher kritisieren Windparkpläne

Bis zu vier Windräder könnten nahe Dexbach und Engelbach entstehen. Das haben Vertreter der Krug Energie GmbH in Dexbach erklärt. Ob der Windpark wirklich kommt, ist aber offen.

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An die 60 Bürger – vor allem aus Dexbach und Engelbach – haben sich über die Windparkpläne der Firma Krug informiert. Zahlreiche Anwohner äußerten sich kritisch.

Quelle: Susan Abbe

Dexbach. „3101a“ – so heißt das Gebiet bei Engelbach und Dexbach, das laut Beschluss der Regionalversammlung als Windkraft-Vorranggebiet eingestuft werden soll. Auf diesem Dorf möchte die Krug Energie GmbH einen Windpark bauen, wie die Firmenvertreter Sven Kunze und Nicole Kapaun vor etwa 60 Bürgern während einer Info­veranstaltung im Dexbacher Dorfgemeinschaftshaus erläuterten.

Auf der Fläche wäre Kunze zufolge Platz für vier bis sechs Windräder. Wirtschaftlich ließen sich dort aber nur drei bis vier Anlagen betreiben. Diese Zahl strebe Krug auch an. Ob das möglich ist, stehe aber nicht fest, da das Gelände noch nicht genau untersucht sei.

Planerin: Wollen die Anwohner einbinden

Wenn die Firma tatsächlich baut, dann würden – rund zwei Kilometer von Dexbach entfernt – bis zu vier Windräder mit einer Gesamthöhe von rund 230 Metern entstehen. „Von Ihren Dörfern aus ist das hinter der ersten Anhöhe“, erklärte Kunze.

Der Flächenbedarf würde pro Anlage bei einem halben Hektar liegen, wobei das auch Flächen beinhalte, die nur in der Bauphase benötigt würden. Hinzu kämen noch Zufahrtswege und die Kabeltrasse. Wichtig sei der Firma Krug, bei ihren Projekten die Anwohner einzubinden, betonte Projektberaterin Kapaun. Sie erklärte, dass es sich bei der Krug Energie um ein kleines in der Region verwurzeltes Unternehmen handele. Es hat seinen Sitz in Münchhausen-Wollmar und beschäftigt sechs Mitarbeiter. Die Firma hat die Photovoltaikparks in Oberasphe und Laisa errichtet und baut gerade ­einen Windpark bei Münchhausen-Rauschenberg. Zur Firmenphilosophie gehöre es, dass die Bürger über Energiegenossenschaften an den Projekten beteiligt werden.

Ob der Windpark bei Engelbach und Dexbach Realität wird, hängt laut Kapaun zunächst vom Erfolg der Flächenakquise ab. Die Krug Energie spricht demnach im Moment die Flächeneigentümer an, um Pachtverträge abzuschließen. Da es im Bereich „3101a“ viele Eigentümer – darunter die Stadt Biedenkopf – gibt, muss die Firma sich mit entsprechend vielen Partnern einigen.

Gutachten steht noch aus

Erst wenn die Krug Energie sich den Zugriff auf die Flächen gesichert hat, könne sie die kostenintensiven naturschutzrechtlichen Gutachten, die der Gesetzgeber vorschreibt, in Auftrag geben. Während dieser Prüfung werde das Gebiet zwei Jahre lang genauestens kartiert und untersucht.

Nur wenn die Gutachten positiv ausfallen, werde die Firma überhaupt eine Genehmigung für den Windpark erhalten, sagte Kapaun. Und auch dann ­gebe es strenge Auflagen, damit die Natur möglichst wenig beeinträchtigt wird.

Dass die Windräder die Landschaft verändern, sei nicht vermeidbar, räumte Planer Kunze­ ein. Im Vergleich zu anderen Formen der Energiegewinnung sei die Windkraft aber immer noch naturverträglich.

Zahlreiche Bürger – darunter Vertreter des Nabu – nahmen den Vortrag der Firmenvertreter kritisch auf. Windräder störten nicht nur das Landschaftsbild, sondern auch Tierarten wie Rotmilan, Schwarzstorch und ­Fledermaus. Dass naturschutzrechtliche Prüfungen einen ausreichenden Schutz der Natur ­sicherstellen, bezweifelten viele­ Besucher. Mehrere von ihnen stellten infrage, dass Gutachter unvoreingenommen prüfen.

Bürger fragten auch, ob die Fläche „3101a“ im FFH-Gebiet liegt, wie es mit Lärmbelästigung, Schattenwurf und späterem Rückbau der Anlagen aussieht, und ob die Firma Krug für die benachbarte Vorrangfläche „3102“ auch Pläne hat.

Die Fläche „3101a“ liege nicht im FFH-Gebiet, sondern daneben, erklärte Planer Kunze. Für Schattenwurf und Lärm gebe es Vorschriften und Grenzwerte. Dass die Anwohner die Windräder hören, sei nicht auszuschließen. Nachts liege der erlaubte Grenzwert im Dorf bei 40 Dezibel; das entspreche ungefähr dem Brummen eines Kühlschranks. Den späteren Rückbau der Windräder müsse die Firma durch Rücklagen absichern.

Bürgermeister: Können 
Bau dort nicht verhindern

Für die Fläche „3102“ habe die Firma Krug derzeit keine Pläne. Wenn ein Investor dort bauen wollte, seien schätzungsweise fünf Anlagen denkbar, beantwortete Kunze die Frage eines Bürgers. Das Publikum schloss daraus, dass langfristig bis zu neun Anlagen bei Dexbach und Engelbach entstehen könnten – vier auf der einen und fünf auf der zweiten Vorrangfläche.

Die Stadt Biedenkopf selbst könnte den Bau von Windrädern auf diesen Flächen nicht verhindern, erklärte zuletzt Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD). Wenn ein Investor sich die Flächen sichert und eine Windpark-Genehmigung erhält, könne die Kommune nichts dagegen tun.

Seine persönliche Meinung ist, dass die Stadt Biedenkopf bereits ihren Teil zur Energiewende beigetragen habe. Weitere Windparks lehne er deshalb ab. Verhindern könnten den Park auf der Fläche „3101a“ aber nur die Flächeneigentümer, und zwar, indem sie ihre Flächen nicht an den Investor verpachten. Ob die Stadt Biedenkopf ihre Flächen an die Firma Krug verpachten wird, entscheide aber nicht er, sondern das Parlament, sagte Bürgermeister Thiemig.

von Susan Abbe

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