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„Das ist ein Kontrastprogramm“

Kulturspaziergang „Bidkult(o)ur“ „Das ist ein Kontrastprogramm“

Schon am Samstag nutzten mehr Besucher die Möglichkeit, Künstlern über die Schulter zu schauen, als bei der ersten Auflage an beiden Tagen zusammen, berichten die zehn Gastgeber.

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Dimitrij Nastaoskis Bilder wurden in der Stadtkirche ausgestellt.  Kuchen und Bilder von Waffen gab es bei Ursula Cyriax im Haus (unten links). Im Garten plauderte Jasmin Schröder (oben rechts) mit Besuchern über ­ihre Keramikarbeiten.

Quelle: Martina Koelschtzky

Biedenkopf. „Das ist ja das volle Kontrastprogramm“, sagt eine Kulturspaziergängerin ein wenig atemlos. Sie steht in der Halle des Breidhofs vor einem großformatigen Bild von Adnan Abd A-Rahman: dunkle Erdtöne, ein Motiv aus dem syrischen Krieg. „Ich war vorher im Rathaus bei Doris Bönsch mit ihren hellen, farbigen Werken. Und jetzt erschlägt mich die Wucht von Adnans Bildsprache fast.“

Abwechslungs- und kontrastreich geht es bei den zehn Biedenkopfer Künstlern zu, die beim Kulturspaziergang „Bidkult(o)ur“ besucht werden können. Die Vielfalt von Kunst und Kultur in Biedenkopf ist augenfällig.

Am Samstag und am Sonntag standen die Ateliers von zehn Künstlern für ­alle Interessierten offen. Ein kostenloser Shuttle-Bus brachte Besucher vom Marktplatz aus zu den teilnehmenden Künstlern.

Plausch über Hausrenovierung

Voller Kontrast auch bei Ursula Cyriax: Im Garten stellt Jasmin Schröder unter blühenden Bäumen ihre Keramikarbeiten aus, hauchzarte Kreationen, deren Goldauflage und farbige Glasuren an kostbare Schätze­ oder ­eine Sternengalaxie erinnern. Was in einer grauen Schale wie Watteflöckchen wirkt, ist beim Berühren glashart und zerbrechlich.

Drinnen im Haus geht es bei Ursula Cyriax um ernste Themen: Waffen, Krieg, Familie und Fremdheit, Umweltzerstörung und Achtsamkeit sind die Themen ihrer Installation, die das ganze Untergeschoss füllt, während Nenas „99 Luftballons“ aus dem Kellerfenster ertönt und bunte Luftballons auf dem Hausdach die Besucher begrüßen. Aber die Besucher können auch einen gasgefüllten Luftballon mit ihren Wünschen in den Himmel steigen lassen, als versöhnlichen Abschluss. „Wünschen hilft“, ist Ursula Cyriax überzeugt.

„Bei mir ist es ganz einfach“

Bei Dirk Steinhöfel in der Urbanstraße gibt es so viel auf einmal, dass die Besucher kaum wissen, über was sie mit ihm zuerst sprechen möchten. In seinem Haus, das er gerade renoviert, gibt es Fotos von Vulkanen und Gesteinsformationen, die Professor Andreas Pflitsch gemacht hat, Bilder aus Dirk Steinhöfels Büchern und eine Videoinstallation, die er eigens für den Kulturspaziergang installiert hat. Ein wenig bekanntes Gedicht von Edgar Allen Poe, das es nur auf Englisch gibt, befasst sich mit der Gewalttätigkeit von Poes Vater und der Isolation des Jungen, der dieser Gewalt ausgesetzt ist. Dazu zeigt Steinhöfel seine grafischen Bilder, die diese Situation illustrieren.

Auch die Renovierung des ­alten Hauses, dessen halbfertige Türen als Hintergrund für Bilder dienen, sorgt für Gesprächsstoff. Kunstinteresse und Restauration liegen nah beieinander, viele Besucher haben Tipps oder nehmen welche von Dirk Steinhöfel mit.

„Bei mir ist es ganz einfach“, sagt Dimitrije Nastoski, dessen fröhliche, farbstarke Bilder in der Hospitalkirche zu sehen sind. „Was auf meinen Bildern zu sehen ist, weiß man sofort.“ An der Kanzel hängt ein Bild, das ihm seine Enkeltochter zur Ausstellung mitgebracht hat.

Zufrieden sind alle teilnehmenden Künstler mit dem Besucherecho: „So viele wie heute waren im vergangenen Jahr an beiden Tagen nicht da“, sagt Christoph Kaiser, dessen Buchmalerei viel Bewunderung erregt. „Ist das wirklich Gold?“ ist die häufigste Frage seiner Besucher in der Hintergasse 18.

von Martina Koelschtzky

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