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Bürgerbus macht Wege kürzer

Mobilität in Biedenkopf Bürgerbus macht Wege kürzer

Ein bunter Kleinbus rollt seit eineinhalb Jahren an fünf Tagen pro Woche durch Biedenkopf. Am Steuer sitzen ehrenamtliche Fahrer, die allein vergangenes Jahr 1250 Fahrgäste transportierten.

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Der Bürgerbus startet seine Tour nach Engelbach und Dexbach an der Haltestelle in der Georg-Kramer-Straße.

Quelle: Susan Abbe

Biedenkopf. „Der Bürgerbus ist ein Erfolg.“ Das sagt nicht nur Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD). Auch Gerhard Kunze – einer der elf ehrenamtlichen Fahrer – findet, dass das Bürgerbus-Projekt, das die Stadt Biedenkopf im September 2015 mit dem Diakonischen Werk Marburg-Biedenkopf startete, eine gute Sache ist.

Der 64-Jährige ist von Anfang an dabei, fährt im Schnitt an drei Tagen im Monat. Heute ist er auf der Route R3, die Dexbach und Engelbach mit der Kernstadt verbindet, unterwegs. Am Morgen hat bereits ein Kollege die Bürger aus den Ortsteilen in die Stadt gefahren. Jetzt, um 12.30 Uhr, holt Kunze die Dexbacher und Engelbacher an den Haltestellen der Kernstadt ab, um sie nach Hause zu fahren.

 
Gerhard Kunze bringt Menschen aus den Biedenkopfer Stadtteilen in die Kernstadt und zurück. Foto: Susan Abbe

Am Startpunkt in der Georg-Kramer-Straße warten schon drei Fahrgäste. „Das sind alles Stammgäste aus Dexbach“, erzählt Kunze, nachdem die beiden Frauen und der Mann eingestiegen sind. Schnell kommen die Fahrgäste ins Gespräch. Man kennt sich ja. „Gleich steigt noch eine Dexbacherin zu“, erzählt die 74-jährige Seniorin.

Tatsächlich steigt am Bahnhof noch eine 48-Jährige ein. Sie nutzt – genau wie die anderen drei Fahrgäste – mindestens einmal pro Woche den Bürgerbus. „Der Bus ist für mich ideal, ich habe kein eigenes Auto“, erzählt die Frau. Nun sei es für sie einfacher geworden, Einkäufe in Biedenkopf zu erledigen. „Meine Arzttermine lege ich mir nach dem Fahrplan“, berichtet auch die 74-Jährige. Und wenn sie doch mal zu früh in Biedenkopf ankommt, bleibt die Seniorin einfach im Bus sitzen, dreht noch die Anschlusstour nach Wallau mit und ist eine knappe Stunde später wieder pünktlich für ihren Arzttermin in der Kernstadt. So einfach ist das.

Dexbacher und Engelbacher nutzen Angebot am meisten

Die vier Dexbacher sind froh, nicht mehr auf den Linienbus angewiesen zu sein, der ungünstigere Zeiten und Haltestellen habe. Auch auf die Bürgerbus-Fahrer lassen sie nichts kommen. „Die Fahrer sind freundlich; sie kennen sich aus und wissen, wo wir hinwollen“, sagt die 48-jährige Frau.

Dass sie recht hat, zeigt sich bei der Ankunft in Dexbach: Fahrer Kunze lässt zunächst die 74-jährige Seniorin direkt an ihrem Haus aussteigen, fährt dann an der Bürgerbus-Haltestelle vorbei, den Berg hinauf. „Die Leute wohnen dort oben“, erklärt er mit Blick auf die verbliebenen Fahrgäste und ihre vollen Einkaufstaschen. Den weiten Fußweg erspart er ihnen – ein kleiner Service, den der nicht zu eng getaktete Bürgerbus-Fahrplan zulässt. Oben angekommen achtet Kunze dann auch noch darauf, dass er Kater Carlo – „der liegt hier oft mitten auf dem Weg“ – nicht überfährt.

Routen

Der Biedenkopfer Bürgerbus fährt auf sechs Routen:
R1:  Weifenbach – Wallau, Bahnhof (montags, donnerstags)

R2:  Wallau – Weifenbach – Ludwigshütte – Biedenkopf (mittwochs, freitags)

R3:  Engelbach – Dexbach – Ludwigshütte – Biedenkopf (dienstags, freitags)

R4:  Breidenstein – Wallau – Ludwigshütte – Biedenkopf (montags, donnerstags)

R5:  Biedenkopf, Freiherr-vom-Stein-Straße – Georg-Kramer-Straße – Schulzentrum (montags, mittwochs)

R6:  Biedenkopf, Lindenstraße/Urbannstraße – Am Hasenlauf – Georg-Kramer-Straße (dienstags und donnerstags)
Den genauen Fahrplan gibt es auf www.biedenkopf.de unter der Rubrik „Rathaus“.

Der 64-Jährige berichtet, dass die Fahrer sich regelmäßig mit Vertretern der Stadt und des Diakonischen Werks treffen, um über Verbesserungen des Fahrplans zu sprechen. Auch Bürgermeister Thiemig betont, dass am Fahrplan gefeilt werde. Er bittet aber auch um Verständnis, dass es dauere, bis Verbesserungen umgesetzt werden. Denn der Fahrplan müsse mit dem Regionalen Nahverkehrsverbund abgestimmt werden.

Um nachzuvollziehen, wo es Bedarf für den Bürgerbus gibt, führen die Fahrer Buch über die Fahrgastzahlen. Aus der so erhobenen Statistik geht hervor, dass die am stärksten genutzte­ Route die R3 (Dexbach, Engelbach) ist. Der geringste Bedarf besteht in Weifenbach und Biedenkopf. Letzteres verwundert Fahrer Kunze, der darauf verweist, dass der Bürgerbus in der Kernstadt mehr als zehn Haltestellen anfährt und somit für Bürger, die nicht gut zu Fuß sind, auch dort ein praktisches Transportmittel sei.

Zudem müssen die Bürger für die Fahrt mit dem Bus nichts bezahlen. Den Kauf des Fahrzeuges, in das acht Passagiere passen, haben heimische Firmen ermöglicht, Benzin und Wartung übernimmt die Stadt. Und die ehrenamtlichen Fahrer erhalten keine Aufwandsentschädigung. „Wenn man helfen will, macht man das ganz oder gar nicht“, sagt Fahrer Gerhard Kunze.

Dem Pensionär macht sein Ehrenamt Spaß. Er hilft gern: „Weil es viele Menschen gibt, die nicht mobil sind.“ Außerdem sei es schön, mit den Fahrgästen ins Gespräch zu kommen. „Und“, ergänzt er augenzwinkernd, „man erfährt auch eine ganze Menge Neuigkeiten.“

von Susan Abbe

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