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Biedenkopfs Ortsbeirat will Tempo 30

Verkehrsversuch Biedenkopfs Ortsbeirat will Tempo 30

Der Ortsbeirat hat beschlossen, mit einem Verkehrsversuch zu testen, wie sich ein Tempolimit von 30 Stundenkilometer in der Kernstadt auswirkt.

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Der Ortsbeirat hat sich dafür ausgesprochen, in der Biedenkopfer Kernstadt – bis auf wenige Ausnahmen – flächendeckend Tempo 30 einzuführen.

Quelle: Susan Abbe

Biedenkopf. Das Thema Tempo 30 beschäftigt den Ortsbeirat seit Jahren. Daran erinnerte­ Ortsvorsteher Heinz Olbert (BB) in der jüngsten Sitzung. So habe der Ortsbeirat immer wieder über die Anträge von Bürgern entschieden, die in ihren Straßen Tempo 30 ausgewiesen haben wollten.

Entstanden sei dabei ein regelrechter Flickenteppich: Es gebe inzwischen 24 Straßen mit Tempo 30, Anträge für drei weitere Straßen ­lägen vor. Für Verkehrsteilnehmer werde es dadurch immer schwerer, nachzuvollziehen, wo sie wie schnell fahren dürfen.

Der Ortsbeirat hatte deshalb bereits darauf gesetzt, dass die Stadt eine flächendeckende Verkehrsplanung für die Kernstadt entwickelt und dabei auch diskutiert und festlegt, wo Tempo­ 30 Sinn macht und wo nicht. Aus verschiedenen Gründen sei solch ein Konzept bislang nicht gekommen, sagte Olbert.

Ortsvorsteher: 
Kritik gibt es sowieso

Er sei deshalb der Meinung, dass der Ortsbeirat nun Verantwortung übernehmen und ­einen Beschluss fassen müsse,­ entweder für die Einführung einer flächendeckenden Tempo-30-Regelung oder dagegen. Wobei im zweiten Fall überlegt werden müsse, was mit den bereits beschlossenen Tempo-30-Bereichen geschehen sollte.

Der Ortsvorsteher selbst sprach sich für die Einführung von Tempo­ 30 aus. Eckelshausen habe solch eine Regelung bereits und selbst in Großstädten habe sich ­diese Geschwindigkeitsbegrenzung bewährt. Dass Tempo 30 nicht allen Bürgern gefallen werde,­ sei ihm dabei klar, sagte der ­Ortsvorsteher. Aber: „Es wird Kritik geben, egal was wir beschließen.“

Auch Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) warb für ­eine Vereinheitlichung des derzeit „sehr heterogenen Bildes“ durch die weitgehende Einführung von Tempo 30 in der Kernstadt.

Experte: Unfallgefahr sinkt

Als Verkehrsexperte sprach sich zudem Volker Plewka, Zweiter Vorsitzender der Kreisverkehrswacht, für Tempo 30 in weiten Teilen der Kernstadt aus. Das jetzige Durcheinander aus Tempo-50- und Tempo-30-
 Bereichen in Biedenkopf passe hinten und vorne nicht, sagte Plewka.

Werde flächendeckend – soweit rechtlich möglich – Tempo 30 festgelegt, habe das viele Vorteile: Lärm und Abgase würden spürbar reduziert. Und der Verkehr fließe besser, weil das häufige Abbremsen wegfällt. Vor allem aber sinke die Unfallgefahr. Plewka verdeutlichte­ ­
das am Bremsweg. Wenn nur wenige Meter vor einem Auto,­ das 50 fährt, ein Kind auf die Straße läuft, „ist es krankenhausreif“.

Plewka schlug deshalb vor, ganze Bereiche als sogenannte „Tempo-30-Zonen“ auszuweisen. Für solche Zonen seien nur wenige Schilder nötig, die Regelung sei damit für Verkehrsteilnehmer übersichtlich und für die Stadt kostengünstig. Wo „Tempo-30-Zonen“ rechtlich nicht möglich sind, könne die Stadt – wie bisher – für einzelne Straßen Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit festlegen.

Einig waren sich die Anwesenden der Ortsbeiratssitzung, dass es in breiten Durchgangsstraßen Ausnahmen von Tempo 30 geben sollte. Bürgermeister Thiemig schlug vor, dass in ausgewählten Abschnitten der Hain- und Hospitalstraße 50 Kilometer pro Stunde erlaubt sein könnte. Allerdings, so betonte­ neben Thiemig auch Miriam Bernhardt (CDU), sollte in der Nähe der Schulen auf jeden Fall Tempo 30 gelten.

Bürgermeister: Rücksicht auf 
die Schwächsten nehmen

Kritik an einer flächendeckenden Tempo-30-Regelung 
 äußerte Jörg Michel (BB). Er sprach sich dagegen aus, „mit der Gießkanne drüberzugehen“ und alle Fahrer zu bestrafen. Um Raser zu bremsen, seien­ ­Radarfallen und harte Strafen besser geeignet.

Bürgermeister Thiemig hielt entgegen, dass es bei Tempo-30-­Zonen nicht darum gehe, Raser zu bestrafen, sondern insgesamt die Geschwindigkeit, mit der Autos in der Stadt unterwegs sind, zu senken. Das geschehe­ aus guten Gründen, nämlich zum Wohle der schwächsten Verkehrsteilnehmer. „Bei Tempo 30 hat das Kind, das auf die Straße läuft, die Chance zu überleben. Bei Tempo 50 hat es keine Chance“, sagte Thiemig.

Der Bürgermeister schlug vor, das Ganze zunächst als Verkehrsversuch laufen zu lassen. Nach einem Dreivierteljahr könnte geschaut werden, ob sich Tempo 30 bewährt hat.

Dem folgte die Mehrheit des Ortsbeirats: Mit sechs Ja-Stimmen sprachen sich die Mitglieder mehrheitlich für die Einführung von Tempo 30 in weiten Teilen der Kernstadt aus. Dagegen stimmten Jörg Michel und Gabriele Bastian (beide BB). Über die Details zur Umsetzung von Tempo 30 werden sich nun die Fachleute in der Stadtverwaltung Gedanken machen. Gehört wird dazu auch der Verkehrsdienst der Polizei, der laut Bürgermeister Thiemig in der Vergangenheit ebenfalls schon die Ausweisung von Tempo-30-Zonen angeregt hatte.

von Susan Abbe

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