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Biedenkopfer Tafel ist gefragter denn je

Ehrenamtliche Essensausgabe Biedenkopfer Tafel ist gefragter denn je

780 Menschen versorgt die Biedenkopfer Tafel 
inzwischen. Die Zahl der Kunden hat sich seit 2007 etwa verdoppelt. 32 Prozent der Bedürftigen sind Kinder.

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Ehrenamtliche Mitarbeiter sortieren bei der Tafel in Biedenkopf die Waren und geben sie aus.

Quelle: Iris Märte

Biedenkopf. Ein Kunde verstaut Brot und Gemüse in seiner Tasche. Eine Frau bittet um Käse. Die Mitarbeiterin hinter der Theke erfüllt Wünsche wie diese gern, so lange das Sortiment es hergibt. Was wie eine Szene im Tante-Emma-Laden wirkt, ist Alltag bei der Tafel.

Bereits 1000 Mal wurden in der Biedenkopfer Tafel Lebensmittel ausgegeben. Lebensmittel retten und Menschen helfen, die an der Armutsgrenze leben – basierend auf diesen Ideen gründeten vor fast elf Jahren engagierte Bürger und Institutionen den Verein Biedenkopfer Tafel. Aus der Kundenstatistik lässt sich ein wachsender Bedarf ablesen. Waren es 2007 noch 400 Tafelkunden, stieg die Zahl bis 2016 auf 780 Personen, darunter 250 Kinder. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum mehr als 116.000 Lebensmittelpakete ausgegeben, deren Größe sich nach der Anzahl der Familienmitglieder richtet.

„Geht man niedrig geschätzt von einem durchschnittlichen Gewicht von fünf Kilogramm pro Paket aus, sind das annähernd 600 Tonnen Lebensmittel“, rechnet der Vereinsvorsitzende Helmut Kretz aus. Ehrenamtliche Fahrer holen die Ware in Lebensmittelmärkten und Bäckereien im Wirkungskreis der Biedenkopfer Tafel ab. Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern, Nahrungsmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft oder abgelaufen ist, und auch Ware, die aus dem Sortiment genommen wird.

Nachfrage steigt stärker als Spenden

„Die Lebensmittel sind qualitativ einwandfrei, genügen aber den Kundenansprüchen nicht mehr und würden daher im Müll landen“, sagt Kretz. Die Tafel bilde eine Brücke zwischen Wegwerfgesellschaft und steigender Armut. Dafür setzen sich in Biedenkopf zurzeit etwa 100 Personen ehrenamtlich ein.

Was die Fahrer abgeholt haben, wird sortiert. „Früher haben wir den Fahrern noch beim Ausladen geholfen“, erinnert sich Ernestine Krug an die bescheidenen Anfänge der Tafel in einer Doppelgarage in der Kottenbachstraße, lange vor dem Umzug in die größeren Räume im Auweg 2. Das sei in Anbetracht der großen Mengen heute nicht mehr möglich. Trotzdem stellen die freiwillig Engagierten fest, dass die Menge der gespendeten Lebensmittel nicht in gleichem Maße steigt wie die Nachfrage.

Kontakt

Wer das Angebot der Tafel nutzen oder sich ehrenamtlich dort einbringen möchte, kann mit dem Tafelbüro im Auweg 2 in Biedenkopf Kontakt aufnehmen. Telefonisch sind die Mitarbeitenden dienstags und donnerstags von 11 bis 13 Uhr erreichbar unter 06461/758824 oder per E-Mail an: biedenkopfer
-tafel@t-online.de
Weitere Informationen zur Biedenkopfer Tafel finden sich auch auf der Webseite www.biedenkopfer-tafel.de

Vor allem durch nach Deutschland geflüchtete Menschen ist der Kundenstamm gewachsen. Aber auch eine wachsende Altersarmut wird bei den Tafeln spürbar. Nach Angaben der bundesdeutschen Tafel sind inzwischen etwa 24 Prozent der Kunden Rentner. Das spiegelt sich auch in dem ARD-Beitrag „Die unsichtbaren Alten“ wider, in 
dem eine Rentnerin dankbar über das Angebot der Tafel sagt: „Das hilft mir über die ganze Woche.“ Vor allem freue sie sich über frisches Obst und Gemüse, das sie sich sonst nicht kaufen könne.

Für die ehrenamtlichen Mitarbeiter bedeuten die wachsenden Kundenzahlen, dass innerhalb der gleichen Öffnungszeiten mehr Menschen bedient werden müssen als früher. Sie hoffen daher auf Freiwillige, die sich mit ihnen einmal alle zwei Wochen im Sortier-, Ausgabe- oder Fahrdienst engagieren möchten.

Dass für die reibungslosen Abläufe in der Tafel neben Planung, Organisation und fachlichem Management auch spontanes Zupacken nötig ist, zeigt ein abschließender Blick in den Sortierraum. Dort geht es auch am 1000. Ausgabetag betriebsam zu.

Kurz vor „Ladenschluss“ kommt noch eine Lieferung. „Eben hatten wir noch zu wenig Lebensmittel, jetzt sind es zu viele“, sagt Jürgen Plöger. Nun müssen Champignons, Salat und Bananen zügig umgepackt werden, um noch in die Ausgabestellen der Tafel in Bad Laasphe, Breidenbach, Dautphe und Steffenberg geliefert zu werden. Denn bis zur nächsten Ausgabe, fünf Tage später, würde die frische Ware verderben.

von Iris Märte

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