Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Am Monitor entsteht eine Märchenwelt

Betty Moses Am Monitor entsteht eine Märchenwelt

Wer als Biedenkopfer dieser Tage in einer Filiale der Firma Lebkuchen-Schmidt auf die Waren schaut, wird den Schriftzug „Betty Moses“ entdecken. Eine Biedenkopferin hat sie gestaltet.

Voriger Artikel
Ausflug über Stock und Stein
Nächster Artikel
Fotos erzählen aus der Geschichte

Auf diesem Foto hat Bettina Moses die Ansicht des Nürnberger Schlosses im Bildhintergrund verfremdet. Klein ist eine der Lebkuchen-Dosen abgebildet.

Quelle: privatfoto, Montage: Moses

Biedenkopf. „Zu dem Auftrag bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kinde“, erzählt Bettina Moses. Der Anfang des Geschehens liegt im Grunde im Jahr 2009. Denn seinerzeit beschloss die gebürtige Biedenkopferin aller Heimatverbundenheit und Liebe zur Natur zum Trotz, nach Nürnberg umzusiedeln.

Schon zuvor war sie in Städten wie Frankfurt oder Köln gewesen, aber nie hatte sie es so richtig in die Ferne gezogen. Doch nachdem sie das Lebensgefühl in Nürnberg kennengelernt hatte, war das anders. Ein Jahr später erfolgte der nächste kleine Schritt auf ihrem Weg: Sie begann zu fotografieren. Erst ganz schlicht, mit ihrem Handy. Doch schnell gewann sie den Eindruck: „Die Bilder sind ja gar nicht so schlecht.“ Sie kaufte sich also eine Kamera und steckte mehr Zeit und Leidenschaft in ihr neues Hobby.

Im Jahr 2013 folgte Bettina Moses dem Ratschlag ihres Lebensgefährten, sich Photoshop zu kaufen, ein Computerprogramm, das weitreichende ­Änderungen an Fotografien erlaubt. „Da war ich angefixt“, berichtet sie. Denn mit der Software habe sie sich nach Lust und Laune austoben, die Bilder verändern und verfremden können. Ein Kronleuchter, der über ­einem Marktplatz schwebt? Kein Problem. Fliegenpilze, die sie in der fränkischen Schweiz fotografiert hat, in einem Nürnberger Motiv? Schnell gemacht. Ein kleines Blümlein aus ihrer Mutter Garten in Wallau so groß wie das Albrecht-Dürer-Haus in Nürnberg? Mit einigen Klicks auf der Maus realisierbar.

„Nürnberg ist mir zu plan gewesen“

„Das ist das, was mich an Photoshop fasziniert“, erzählt ­Moses mit leuchtenden Augen, „man kann machen, was man will.“ Ein bisschen fühle sie sich wie Pippi Langstrumpf aus Astrid Lindgrens berühmtem Kinderbuch. Die habe gesagt, sie mache sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Und genau das tue Moses am Computer.

So entstand denn auch eine quietschbunte Bilderserie über Nürnberg. Bekannte Gebäude und Plätze aus Nürnberg, ein Opal aus einem Münchner Museum, eine Blume aus Wallau, ein Fliegenpilz aus Franken, ja, sogar eine Trauerweide, die an der Lahn in Marburg stehen, vereinen sich zu einer Szenerie. Mehr noch: Die Häuser bleiben nicht so, wie sie sind.

„Nürnberg ist mir zu plan gewesen“, sagt die Künstlerin. Auf ihren Bildern recken sich die Häuser und Türme daher nicht immer gerade in die Höhe, sondern stehen schief oder machen sogar eine kleine Kurve. „So ist nach und nach diese Märchenwelt entstanden“, sagt Moses. Als Arbeit empfindet sie das nicht, im Gegenteil. Wenn sie so am Rechner sitzt und die Fotografien nach ihren Vorstellungen umgestaltet, kann sie sich nach eigenen Worten ganz in sich zurückziehen und entspannen. Wie „Wegfliegen“ fühle sich das, beschreibt die gebürtige Biedenkopferin ihr Empfinden.

Sonderedition mit 10.000 Dosen

Die Resonanz in ihrem Umfeld ist mehr als positiv. So schickte sie eine Auswahl der Bilder 2015 beispielsweise an den Künstler Stefan Briel, im Hinterland bekannt als Musiker und Organisator von Konzerten. „Ich war geflasht“, habe er ihr geantwortet. Und trotzdem: Damit sie die Serie von sieben Bildern bei der Kunstausstellung „supermART“ der Öffentlichkeit präsentiert, brauchte es noch einige Überredungskunst.

Dort kam es dann zu der Begegnung, die letztlich dazu führte, dass ihre Bilder in dieser Saison auf 10.000 Dosen von Lebkuchen-Schmidt zu sehen sind: Martina Meissner, die Produktmanagerin der Nürnberger Traditionsfirma sah die Fotos. Schon bald darauf saß die Biedenkopferin mit dem Firmenchef zusammen. Schnell war es beschlossene Sache, dass die Fotografien die „Nürnberger Traum-Dose“ zieren werden.

Erst sollte sie 2018 auf den Markt kommen, dann wurde die Produktion doch um ein Jahr vorgezogen. Und für den Fall, dass sich die Dose gut verkaufe, so verrät Moses, sei bereits eine Folgearbeit im Gespräch.

„Ich plane nichts“

Kürzlich ist sie in die Region­ zurückgekehrt, hat in Bad Laasphe eine Wohnung gefunden. „Es hat mich wieder hierher gezogen“, erklärt sie, die Landschaft sei einfach „superschön“ und in einer Stadt wie Nürnberg auf Dauer für ihren Geschmack dann doch „zu wenig Grünes“. Feste Pläne für neue Arbeiten hat die Künstlerin noch nicht.

Vielleicht wird sie sich Biedenkopf widmen, vielleicht auch erst Bad Laasphe. Überhaupt ist es nicht ihre Art, sich selbst Vorgaben zu machen. „Ich kann nicht sagen, was als Nächstes passiert“, erklärt sie, „ich plane nichts.“ In aller Regel fotografiere sie – und wenn sie „dann in den Flow“ komme, mache sie etwas daraus.

Völlig überraschend ist es nicht, dass Moses‘ Bilder ihren Weg auf diese Lebkuchen-Dosen gefunden haben. Seit ihrer Kindheit würden sie die Gefäße begleiten, erzählt die gebürtige Biedenkopferin. Ihr Vater habe den Elisen-Lebkuchen aus Nürnberg gerne gekauft, und sie habe die Dosen gesammelt. Sie habe sich sogar mehr für die Dosen interessiert als für den Inhalt. „Mein Vater würde sich freuen“, sagt sie, „wenn er das noch erlebt hätte.“

von Hartmut Bünger

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr