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In Eckelshausen aus- und abgebrannt

Autowerkstatt In Eckelshausen aus- und abgebrannt

Abgebrannt. Das gilt für Gregor Harbers nicht nur für seine Autowerkstatt. Das Warten auf den 
Startschuss für einen 
Neuanfang zehrt an 
seinen Nerven.

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Nach dem Brand in der Nacht zum 11. August ist Gregor Harbers Autowerkstatt in Eckels­hausen wegen Einsturzgefahr gesperrt.

Quelle: Gianfranco Fain

Eckelshausen. Wenn Gregor Harbers morgens zur Arbeit geht, fühlt er sich so, als ob er „im falschen Film ist“. Für den 59-jährigen Kraftfahrzeugmeister ist seit der Nacht zum 11. August nichts mehr so, wie es war, bevor er zum Familienurlaub nach Ungarn aufbrach. Am Morgen des 11. August ­informierte ihn seine Tochter darüber, dass seine Werkstatt brannte.

Es hörte sich an, als ob es ein kleines Feuer gegeben hat, bei dem ­etwas Einrichtung und eine Fensterscheibe zerstört wurden, berichtet Harbers (Foto: Fain) seine Eindrücke von der ersten Schilderung. Dennoch brach er den Urlaub ab, machte sich auf den Heimweg ins Hinterland, wo er im Biedenkopfer Stadtteil Eckelshausen angekommen, das wahre Ausmaß des Schadens sah.

Direkt neben dem Gerätehaus der örtlichen Feuerwehr, ist dort, wo seine Autowerkstatt einmal stand, nur noch eine Brandruine zu sehen. Ein Bauzaun verwehrt wegen Einsturzgefahr den Zutritt, das Dach ist an mehreren Stellen abgehoben, statt Fensterscheiben gibt es nur noch schwarze Löcher und jede Menge zusammengeschmolzenes Material im Inneren der ehemaligen Werkstatt.

Aus einem Schwelbrand im Inneren der Werkstatt entwickelte sich ein Höllenfeuer. Wie Stadtbrandinspektor Kai-Michael Koch damals die Lage beschrieb, hinderte die starke Rauchentwicklung in einem Hallenteil die Feuerwehrleute daran, in das Gebäude hineinzugelangen, um das Feuer zu löschen. Als die Brandschützer durch Einschlagen von Fensterscheiben eine „Abluftöffnung“ schaffen wollten, um den Atemschutzträgern eine bessere Sicht zu ermöglichen, kam es zu einer sogenannten Durchzündung, in deren Folge die Flammen aus dem Gebäude schossen und die Nacht erhellten.

Gesellen reparieren Fahrzeuge im Freien

Den zuerst auf mehrere 100.000 Euro geschätzten Schaden beziffert Harbers nun mit 400.000 Euro für die Halle und rund 150.000 Euro Inventar. Das Feuer vernichtete auch vier Oldtimer, auf dessen Restaurierung der Betrieb neben den üblichen Autoreparaturen spezialisiert ist. Während ein alter BMW und ein VW-Bully noch über die Besitzer versichert waren, gehören zum Schaden ein weiterer BMW und ein historischer Mercedes-Benz, der nicht wieder hergerichtet werden kann. „Ich stehe hier vor dem Nichts“, sagt der 59-jährige Kfz-Meister an den Überresten seines Lebenswerks, das er 1989 mit dem Kauf der Halle zu errichten begann.

Weil die nicht mehr zu nutzen ist, führen zwei Gesellen kleine Reparaturen an Fahrzeugen im Freien durch. „Noch geht das“, sagt Harbers, aber im Winter sei dies auch nicht mehr möglich. Wie es dann weitergehen soll, weiß der Eckelshäuser heute noch nicht. Er dachte, der Schaden werde schnell reguliert, schließlich stand die Brandursache „technischer ­Defekt“, ermittelt durch Brandsachverständige der Polizei und der ­Versicherung, schon wenige Tage später fest.

„Es geht nicht voran“

Deshalb nahm er den Hinweis eines Bankmitarbeiters nicht so ernst. Bis zu anderthalb Jahren würde es dauern, bevor er wieder mit den Autoreparaturen beginnen könne, und dann wahrscheinlich keine Kunden mehr habe. Doch allmählich beschleicht ihn das Gefühl, dass es wirklich so lange dauern könne.

„Es geht nicht voran“, sagt Harbers. Der Staatsanwaltschaft liege noch kein Abschlussbericht der Polizei vor, deshalb zahle­ auch die Versicherung nicht – weder den Schaden noch den Betriebsausfall, bereits zugesicherte 25.000 Euro habe er noch nicht erhalten. Er sei froh, dass ihm sein Geldinstitut erlaube, das Geschäftskonto zu überziehen. „Damit kann ich wenigsten die Mitarbeiter bezahlen“, ist Harbers erleichtert. Einschließlich ihm, ernährte der Betrieb sechs Mitarbeiter.

Ob das in Zukunft auch so sein wird, scheint offen. Lichtblicke gibt es aber. Auf Anfrage der OP erklärte ein Polizeisprecher, dass 
der Bericht der Brandexperten am Montag der Staatsanwaltschaft zuging. Dr. Michael Kuhn, stellvertretender Pressesprecher der Sparkassenversicherung, erklärte, dass es sich bei der Bearbeitung des Schadenfalles um eine übliche Verfahrensweise handelt und in den nächsten Tagen mit einem Geldfluss zu rechnen sei. Darüber sei die Anwältin des Versicherungsnehmers auch schon informiert.

von Gianfranco Fain

Artikel aus dem August zum Brand lesen Sie hier und hier.
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