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64-Jähriger muss wegen Missbrauchs in Haft

Aus dem Amtsgricht Marburg 64-Jähriger muss wegen Missbrauchs in Haft

Drei Jahre Haft wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes lautet das Urteil gegen einen 64-jährigen Biedenkopfer.

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Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe bis zuletzt. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, muss er dennoch ins Gefängnis.

Quelle: Peter Reinäcker / pixelio.de

Marburg. Das Amtsgericht Marburg sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der Hinterländer sich 2014 mindestens zweimal an einem elfjährigen Nachbarsjungen verging.

Im Gegensatz zu Staatsanwalt Jonathan Poppe forderte Verteidiger Gerhard Rohm Freispruch. „Es passt überhaupt nicht zu seinem Lebenslauf, er war 61 Jahre alt und hatte sich in seinem Leben noch nichts zu Schulden kommen lassen“, so der Anwalt. „Und die Aussagen der Kinder sind so widersprüchlich, dass man sie für eine Verurteilung nicht nutzen kann.“ Zumal, wie mehrere Polizisten berichteten, der Junge die angeblichen Taten sehr emotionslos geschildert habe.

Gehört wurden der heute 13-Jährige und seine Schwester vor Gericht nicht. Nur die Prozessbeteiligten sahen ein Video ihrer Aussagen vor der Ermittlungsrichterin. Sowohl Poppe, als auch später das Gericht, sind der Auffassung, dass der Elfjährige sich die Details der Vorwürfe nicht habe ausdenken können.

Eine psychiatrische Sachverständige berichtete, dass ein oder mehrere Vorfälle, zu denen das mutmaßliche Opfer das Eindringen in den Körper beschrieb, erlebnisbasiert sein müsse. Intellektuell sei der Junge kaum in der Lage, zum Beispiel den erlebten Schmerz aufgrund des Anschauens von Pornos zu erfinden. Widersprüche, so die Sachverständige, könnten auch dadurch begründet sein, dass es mehrere ähnliche Vorfälle gab.

Schwester des Jungen brachte Stein ins Rollen

Laut Anklage soll er Sexfilme beim Angeklagten angeschaut haben, gefunden hat die Polizei bei ihm jedoch keine. Rohm kam aufgrund der Aussage eines Familienhelfers des Jugendamtes zu der Auffassung, dass auch die Mutter Pornos besaß, auch wenn diese das bestritt.

Obwohl an der Unterhose des Kindes seine Spermaspuren nachgewiesen wurden, bestritt der Biedenkopfer alle Vorwürfe bis zuletzt. Die könnten bei der Toilettennutzung des Kindes daran gekommen sein. Das an sich sei schon sehr unwahrscheinlich, so der Vorsitzende, Richter Dirk Schauß. „Und zu diesem kuriosem Zufall müsste der Junge sich dann die detailreichen Angaben noch ausgedacht und zudem sich mit seiner Schwester abgesprochen haben“, so Schauß.

Das Mädchen hatte den Stein ins Rollen gebracht, weil sie dem Vater von einem Kuss zwischen dem Angeklagten und ihrem Bruder berichtete. Als der seinen Sohn angesprochen habe, so der Vater, habe er sich ihm offenbart und er habe die Polizei eingeschaltet.

Mit dem Strafmaß blieb das Gericht sechs Monate unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Poppe ging von Vergewaltigung aus. Laut Schauß ergaben die Aussagen des Jungen dies jedoch nicht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Heiko Krause

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Aus dem Amtsgericht Marburg
Ein Biedenkopfer soll einen Nachbarsjungen sexuell missbraucht haben. Foto: lillysmum / pixelio.de

Obwohl an der Unterhose des Kindes seine Spermaspuren nachgewiesen wurden, bestreitet ein 64-jähriger Biedenkopfer vor dem Amtsgericht Marburg, einen Nachbarsjungen sexuell missbraucht zu haben.

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