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Bewertung des Gutachtens steht aus

Todesfall bei Festnahme Bewertung des Gutachtens steht aus

Das Warten auf die erforderlichen Gutachten ist beendet: Acht Monate nach dem Tod eines 37-jährigen Biedenkopfers bei seiner Festnahme durch vier Polizisten kann die Staatsanwaltschaft nun bewerten, ob es eine Anklage gibt oder nicht.

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Die Geschnisse im Haus Dexbacher Straße 28 in Biedenkopf lösten am 15. April einen Polizeieinsatz aus, bei dem ein 37-Jähriger während der Festnahme durch vier Polizisten erstickte.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Es geht voran. Im Todesfall eines 37-jährigen Biedenkopfers, der am 15. April dieses Jahres während seiner Festnahme am Boden liegend erstickte, ist ein Ende der Ermittlungen in Sicht. Der Staatsanwaltschaft in Marburg liegt das angeforderte Ergänzungsgutachten seit dieser Woche vor, erklärte gestern Annemarie Petri auf Anfrage der OP.

Was in dem umfangreichen Schreiben des Leiters des Gerichtsmedizinischen Instituts in Gießen steht, verrät die Sprecherin der Marburger Staatsanwaltschaft nicht. Das Gutachten werde nun daraufhin überprüft, ob sich aus den Ergebnissen weitere Fragen ergeben. Wenn nicht, könnte Anfang des nächsten Jahres feststehen, ob es eine Anklage gegen die vier an der Festnahme beteiligten Polizisten geben wird oder nicht.

Dann würde ein langwieriges Verfahren enden, bei dem schon zu Beginn gesagt wurde, man werde „kritisch hinsehen“, weil es bei einem Polizeieinsatz einen Toten gab. Neben der Staatsanwaltschaft in Marburg war auch das Landeskriminalamt an den Ermittlungen beteiligt.

Opfer war bereits mehrfach gewalttätig geworden

Gegen die vier an der Festnahme beteiligten Polizisten wird wegen des Verdachts einer fahrlässigen Tötung ermittelt. Wie Staatsanwalt Oliver Rust während einer Pressekonferenz berichtete, wurden die Polizisten in der Nacht zum 16. April von einem Anwohner in die Dexbacher Straße Hausnummer 28 gerufen. Dort hatte der 37-Jährige erst bei ihm geklingelt und fast zeitgleich die Tür zu einer anderen Wohnung eingetreten. Der Randalierer forderte den Familienvater auf, mit in seine Wohnung zu kommen. Der Nachbar fühlte sich bedroht und rief aus Sorge um seine Familie die Polizei.

Der 37-Jährige war psychisch krank, litt an Verfolgungswahn, war durch aggressives Verhalten aufgefallen und schon mehrfach in eine Psychiatrie zwangseingewiesen worden, erklärte Rust.

Weder die Polizisten noch ein Nachbar, der sich mit dem 37-Jährigen gut verstand, konnten diesen beruhigen. Da die Polizisten von einer „Gefahr-in-Verzug“-Situation ausgingen, wollten sie den 37-Jährigen festnehmen. Dieser flüchtete auf die Straße, wo ihn die Polizisten überwältigten. Während er sich heftig zur Wehr setzte, legten sie ihm Handschellen mit den Händen auf dem Rücken an und fixierten ihn am Boden.

Reanimationsversuche halfen nicht

Weil die Gegenwehr des Festgenommenen nicht nachließ, riefen die Polizisten einen Rettungswagen, der den 37-Jährigen in ein Krankenhaus bringen sollte. Den Sanitätern und den Polizisten war es nämlich unmöglich, den Mann auf eine Trage zu bringen - der Mann wog bei einer Größe von 1,88 Meter mehr als 130 Kilogramm.

Um ihm Beruhigungsmittel zu verabreichen, wurde ein Notarzt gerufen. Noch bevor dieser eintraf, setzte die Atmung des 37-Jährigen aus. Da Reanimationsversuche erfolglos blieben, stellte der Notarzt gegen 23 Uhr den Tod des Mannes fest - eineinhalb Stunden nachdem die Polizisten in der Dexbacher Straße eintrafen.

Das Obduktionsergebnis - Tod durch Ersticken - lag eine Woche nach dem Polizeieinsatz vor, das Ergebnis eines weiteren in Auftrag gegebenen Gutachtens zu feingeweblichen und toxikologischen Untersuchungen ließ lange Zeit auf sich warten. Annemarie Petri, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, begründete dies mit der Komplexität der Verfahren und des hohen Arbeitsanfalls in den Laboren des Landeskriminalamtes.

Als dieses Gutachten vorlag und ausgewertet war, forderte die Staatsanwaltschaft ein Ergänzungsgutachten beim Gerichtsmedizinischen Institut in Gießen an. Es soll unter anderem darüber Aufschluss geben, ob der 37-Jährige unter Medikamenten- oder Drogeneinfluss stand. Dieses liegt nun vor und wird ebenfalls „gewissenhaft geprüft werden“, erklärte Petri. Mit einem Ergebnis sei bald zu rechnen.

von Gianfranco Fain

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