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Bewährungsstrafefür sexuelle Nötigung

Amtsgericht Bewährungsstrafefür sexuelle Nötigung

Gestern musste sich ein Hinterländer wegen sexueller Nötigung von Schutzbefohlenen in 20 Fällen vor Gericht verantworten.

Marburg. Der Angeklagte hatte in den vergangenen Jahren seine jugendliche Stieftochter regelmäßig unsittlich berührt. Das Mädchen lebte zu dieser Zeit noch bei ihm. Angefangen habe es mit Streicheleinheiten. „Sie hat immer gerne gekuschelt“, sagte er stockend vor Gericht. Daraus wurde jedoch mit der Zeit mehr. Er fasste ihr mehrfach zwischen die Beine und drang mit den Fingern in ihre Vagina.

In der Verhandlung ging es um den Zeitraum zwischen den Jahren 2009 bis 2011. Dann vollendete die Geschädigte das 18. Lebensjahr. Das Opfer musste nicht vor Gericht aussagen. Schriftlich stellte sie fest, dass ihr Stiefvater sie bereits seit vier oder fünf Jahren sexuell belästigt hat. „Er nutzte viele Gelegenheiten, mich zu berühren. Immer öfter“, lautete die Aussage. Der Angeklagte sei regelmäßig, teilweise wöchentlich, in den frühen Morgenstunden in ihr Zimmer gekommen und habe sie gegen ihren Willen im Intimbereich berührt. Dies dauerte bis zu 15 Minuten lang. Das letzte Mal geschah es im Mai 2012. Ihr Stiefvater wollte auch Geschlechtsverkehr, den das Opfer ablehnte. Der 41-Jährige wandte bei seinen Handlungen nie Gewalt an. Trotzdem traute sich die Geschädigte lange nicht, sich gegen ihn zu wehren oder anderen davon zu berichten, da sie mit Strafarbeiten im Haushalt oder mit Hausarrest als Bestrafung rechnete. Sie ließ die Taten eventuell auch zum Schutz ihrer beiden Stiefgeschwister über sich ergehen, vermutete das Gericht.

Seit der Anklage hat der Beschuldigte zum Opfer keinen Kontakt mehr. Er wohnt jetzt alleine. Seine beiden jüngeren, leiblichen Kinder darf er nur in Anwesenheit eines Jugendamtvertreters sehen.

Pädophile Tendenzen schließt das Gericht aus. Nach einem psychologischen Gespräch bestätigte ein Therapeut im Vorfeld, dass der Angeklagte kein sexuelles Interesse an Kindern habe. Es fiel ihm sichtlich schwer, vor Gericht über seine Handlungen zu sprechen, er gab sie jedoch zu. Er bedauerte mehrfach und peinlich berührt seine Taten. Richter Thomas Rohner vermutete, er wolle das Geschehene verdrängen.

Er verurteilte den Angeklagten wegen sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen zu einer Haftstrafe von 22 Monaten, die aufgrund einer positiven Sozialprognose zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre. Zudem muss er 2400 Euro an eine Beratungsstelle für sexuelle Gewalt zahlen und eine Therapie machen.

von Ina Tannert

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