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Bewährung für Jonglierkeulen-Schläger

Aus dem Landgericht Bewährung für Jonglierkeulen-Schläger

Weil ein 26-jähriger Bad Endbacher seine ­Mutter und ihren Lebensgefährten mit einer ­Jonglierkeule geschlagen hat, verurteilte ihn das Landgericht zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung.

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Vor dem Landgericht in Marburg wurde die zuerst verhängte Gefängnisstrafe gegen einen 26-Jährigen in eine Bewährungsstrafe umgewandelt.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Das Amtsgericht Marburg hatte den 26-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen, Sachbeschädigung, versuchte Nötigung, Beleidigung und Bedrohung für Taten am 16. und 18 Oktober 2012 zu einem Jahr und zwei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Im Berufungsverfahren wurden die Taten erneut bewertet.

Da die Mutter den betrunkenen Sohn nicht hereinlassen wollte, ging er in den Keller, holte sich eine Jonglierkeule und schlug damit die Tür kaputt und dann auf seine Mutter ein. Als er sie gegen einen Heizkörper stieß, ging ihr Lebensgefährte dazwischen und wurde selbst angegriffen, bis er bewusstlos am Boden lag. Obwohl es dem Sohn untersagt war, kehrte er zum Haus seiner Mutter zurück und drohte damit, sie umzubringen und das Gebäude anzuzünden.

Mutter will Sohn in Haft sehen

Seit der Tat im Oktober 2012 möchte die heute 52-Jährige nichts mehr mit ihrem Sohn zu tun haben. Auch er betonte mehrfach: „Ich möchte keinen Kontakt mehr zu ihr, nie wieder. Es hat die ganze Zeit nichts gebracht.“ Dabei brach er in Tränen aus. Sein Verteidiger erklärte: „Das tut weh, keinen Kontakt zu haben.“ Daraufhin unterbricht der Vorsitzende Richter Dr. Frank Oehm kurzzeitig die Verhandlung.

Die Frau aus Bad Endbach möchte ihren Sohn jedoch hinter Gittern sehen. Mit bewegter Stimme sagte sie: „Er ist immer wieder davongekommen. Es geht so nicht weiter. Er lernt es nicht anders.“ Sie schilderte, wie sie ihren Sohn immer wieder aufgenommen habe und für ihn da gewesen sei.

Daraufhin empörte sich der Verteidiger: „Aufnehmen reicht nicht. Er ist doch kein Kaninchen, das in seinen Stall kommt.“ Ihre Aussagen stünden der „verkorksten Erziehung“ entgegen. Er beschrieb, wie lebensuntauglich der 26-jährige Mann war, als er ihn zum ersten Mal traf. „Er wusste nicht einmal, was ein Konto ist.“ Der Rechtsanwalt erklärte zur Tat: „Die mildernden Umstände liegen in der Kindheit begründet.“ Bereits im Alter von sieben Jahren hatte der Angeklagte eine Alkoholvergiftung, weil er unbeaufsichtigt auf einer Kirmes war.

Richter stellt gute Sozialprognose

Als er acht Jahre alt war, musste er zum ersten Mal in ein Heim und als er zwölf war, starb sein Vater. Mit 13 begann er, regelmäßig Alkohol zu trinken und als 15-Jähriger musste er wieder in ein Heim. „Da hat die Drogenkarriere angefangen“, beschrieb der Angeklagte. Mittlerweile hat er Schulden und eine fünfjährige Tochter, zu der er keinen Kontakt hat. Im Gerichtssaal wirft er seiner Mutter vor: „Ich wurde nie auf das Leben vorbereitet.“ Auch sie ist sauer: „Erklär mir, warum du in deiner Lügenwelt lebst.“

Während des Berufungsverfahrens beging der Angeklagte noch eine weitere Tat, weshalb die Strafe mit der noch aktuellen Bewährungsstrafe verknüpft wurde. „Es war eine unglaublich schwierige Entscheidung. So etwas haben wir noch nicht erlebt in den langen Jahren“, erklärte Richter Oehm.

„Er ist zwar 26 Jahre alt, aber mit seiner Reife wäre ein Jugendgericht angemessen.“ Die zweite Strafkammer verurteilte den 26-Jährigen zu einem Jahr und drei Monaten Haft, die Strafe ist auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außer dem Schmerzensgeld in Höhe von 2500 Euro muss er 300 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Der Richter blickt positiv in die Zukunft: „Es ist möglich, ihn in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Man ist dabei, ihm beizubringen, wie das Leben läuft.“ Richter Oehm begründete außerdem: „Unter den besonderen Umständen macht ein Jahr Haft keinen Sinn.“

von Lisa Scholz

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