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Besucher hören im Schloss "lichtscheue Lieder"

Konzert Besucher hören im Schloss "lichtscheue Lieder"

Das Konzert zur Geisterstunde, mit Liedern von Richard Strauss, präsentierten David Schroeder (Gesang) und Silvia Salzbauer (Piano) Samstagnacht im Biedenkopfer Landgrafenschloss.

Biedenkopf. Samstagabend, kurz vor Mitternacht. Die Eingangshalle des Schlosses ist gut gefüllt mit Besuchern, sogar auf der Treppe, die hinauf in den Rittersaal führt, sitzen zahlreiche Zuhörer zu der späten Stunde. „Richard Strauss - Lichtscheue Lieder“: Unter diesem Titel steht das Konzert von David Schroeder (Gesang) und Silvia Salzbauer (Piano).

„Und wir wollen versuchen, diese Lieder für Sie einzufangen“, sagt Schroeder. Für Stücke des deutschen Komponisten, der von 1864 bis 1949 lebte, hatte sich der Berliner Tenor aus einem einzigen, aber sehr überzeugenden Grund entschieden: „Ich mag sie!“

Die Lieder von Strauss seien allesamt wie kleine Opern, Taschenopern sozusagen, seien lyrische Momentaufnahmen, Stimmungsbilder, schwärmerische Betrachtungen und Bekenntnisse zur Liebe und zum Leben, in denen Rausch, Mystik und Ironie auf kürzeste Momente destilliert sind.

„In fast zwei Minuten geschieht so viel“, bewundert Schroeder Strauss. Der Protagonist steht im schlichten Frack vor seinem Publikum, braucht keine Bühne, kein Mikrofon, keine besondere Kulisse, die vom gesungen Ton nur ablenken würde. Einzig zwei farbige Scheinwerfer kreuzen ihre Lichtkegel auf der Wand hinter den beiden Akteuren. Sie beginnen mit Strauss‘ „Heimlicher Aufforderung“ (Op. 27, Nr. 3), spielen und singen danach unter anderem „Traum durch die Dämmerung“ (Op. 29, Nr. 1), „Die Nacht“ (Op. 10, Nr. 3) und „Morgen“ (Op. 27, Nr. 7).

Die Lieder sind sinnlich, manchmal fröhlich. Gekonnt transportiert der Sänger die Emotionen, die Strauss in seinen Lieder versteckte. David Schroeder singt mal forte, mal piano, immer jedoch mit viel Gefühl. Zwischen den Stücken erzählt der Tenor Annekdoten aus dem Leben von Richard Strauss und dessen Frau Pauline: über die frühe Verlobung und die späte Liebe von beiden sowie über die raue Art der Gattin, die die Schaffenskraft ihres Mannes wohl mehr befeuerte als alles andere. Zu Gustav Mahler soll der Komponist gar einmal gesagt haben: „Meine Frau ist oft arg ruppig, aber wissen S‘, i brauch des!“

In seinem Leben komponierte Richard Strauss mehr als 200 Lieder; das jüngste Werk im Konzertprogramm - „Freundliche Vision“ (Op. 48, Nr. 1) - stammt aus dem Jahr 1900. Strauss spielt zuletzt auch im Leben von David Schroeder eine besondere Rolle. Nicht nur, dass sich der Sänger gern mit den Liedern des bayrischen Komponisten beschäftige, vor anderthalb Jahren veranstaltete Schroeder gar seinen ersten, von ihm selbst veranstalteten Liederabend mit Straus Stücken, erinnert der 49-jährige Berliner. Er selbst hatte zunächst eine Schauspielausbildung gemacht, war über ein anschließendes Gesangstudium zum Musiktheater gekommen. Opern, Operetten und Musicals sind sein Geschäft, sein Leben - und die Verbindung nach Biedenkopf. Denn in „Eingefädelt“, dem Musical von Birgit Simmler und Paul Graham Brown, spielt David Schroeder die Rolle des Tuchhändlers Kurt Breidenstein. Dabei lernte er im vergangenen Jahr die Musikerin Silvia Salzbauer, Leiterin des „Eingefädelt“-Chores, kennen. In den vergangenen Monaten entstand die Idee zum gemeinsamen Konzert zur Geisterstunde. Und als dieses nach Mitternacht enden soll, brandet im Publikum begeisterteter Applaus auf. Dafür bedanken sich die Musiker mit einer finalen Zugabe, mit dem Stück „Auch kleine Dinge“ von Hugo Wolf.

von Benedikt Bernshausen

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