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Berufen für den Verdienstorden

Ehrung für Elfriede Köhler Berufen für den Verdienstorden

Aufgrund ihres vielfältigen sozialen Engagements erhält Elfriede Köhler diesen Donnerstag in Berlin die 
höchste Anerkennung 
der Bundesrepublik 
für Verdienste um 
das Gemeinwohl.

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Elfriede Köhler aus Lohra erhält diesen Donnerstag in Berlin vom Bundespräsidenten den Verdienstorden in der Ordensstufe Verdienstkreuz am Bande.

Quelle: Tobias Hirsch

Lohra. Es ist doch nicht, wie im Ort kolportiert wird, der Verdienstorden erster Klasse, den Elfriede Köhler diesen Donnerstag erhält. Es handelt sich „nur“ um die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik in der Ordensstufe Verdienstkreuz am Bande, die sie, so bemerkt Lohras Ortsvorsteherin, auch gerne von Landrätin Kirstin Fründt entgegengenommen hätte. Dennoch fährt sie lieber nach Berlin, denn dort wird ihr Bundespräsident Joachim Gauck die Auszeichnung persönlich übergeben und das „ist schon was Besonderes“.

Gar nicht besonders findet die 68-Jährige dagegen den Anlass für die Auszeichnung. Soziales Engagement ist für die Lohraerin eine Selbstverständlichkeit, in das die Friseurin seit den 1990ern verstärkt hineinwuchs. Schon damals engagierte sie sich in der Gemeindepolitik, erst im Ortsbeirat und 
später auch in der Gemeindevertretung. Und in diesem Gremium fügte sich zusammen, was zusammen gehört.

Es war während einer Debatte um Asylbewerber, als Elfriede Köhler beschloss: „Jetzt musst du Farbe bekennen, und die war Rot.“ Seitdem betreibt sie die Kommunalpolitik als Mitglied der SPD „mit viel Freude“ und kümmert sich um Asylsuchende.

Die Flüchtlinge aus Albanien kamen damals nach Rodenhausen und Köhler erinnert sich an eine der ersten Begegnungen. „Alle saßen um mich herum und ich habe angefangen, diese Menschen mit der deutschen Sprache bekannt zu machen.“ Es wurden tägliche Deutschstunden, die sie zusammen mit Rosemarie Wollny gab. Die jetzige Erste Beigeordnete der Gemeinde Lohra war es auch, die anregte den Verdienstorden ihrer Mitstreiterin zu verleihen, weil sie sich nicht nur vielfältig im Sozialen engagiere, sondern „auch immer mit dem ganzen Herzen dabei ist“.

Einsatz im Hospizdienst hat jetzt Priorität

Ihr Herz wurde besonders berührt, als der erste Albanier, den sie kennengelernt hatte und dessen Familie sie betreute, ausreisen musste. Um dessen Tochter dasselbe Schicksal zu ersparen, adoptierte sie Kleida. Das war 1998 kein leichtes Unterfangen. Sie war nicht gern gesehen auf den Ämtern, bezeichnet die Ausländerbehörde als Kampfgebiet, wo sie viele Widerstände erfuhr.

Aber sie wusste den damaligen Ersten Kreisbeigeordneten Thomas Naumann („Er hat mir die Wege gewiesen“) hinter sich. So gelang es, dass die Familie von Elfriede und Horst Köhler, den sie als Motor ihres Wirkens bezeichnet, neben dem leiblichen und einem Pflegesohn um eine Tochter anwuchs. Diese ist heute Sozialpädagogin mit eigener Familie und hat die Köhlers mit zwei ihrer drei Enkel beschenkt.

Reich beschenkt fühlt sich Elfriede Köhler auch von ihren weiteren Aktivitäten, sei es nun als Vorsitzende des Arbeitskreises für Menschenwürde und Menschenrechte, der seit fünf Jahren das erfolgreiche integrative „Internationale Suppenfest“ organisiert, oder als Ortsvorsteherin. Doch diese Tätigkeiten laufen nun „nebenher“. Elfriede Köhler hat ein neues Betätigungsfeld gefunden. Es ist der Einsatz für den Hospizdienst „Immanuel“, die Begleitung Sterbender, die seit rund fünf Jahren Priorität hat, seitdem sie ihre Schwester verlor.

Da bleibt kaum Zeit für Hobbys. Doch eines lässt sich Elfriede Köhler nicht nehmen, das Singen im Gemischten Chor Lohra, in dem sie auch schon seit mehr als 40 Jahren zu hören ist. Und dann gibt es noch die Ausübung ihres Berufes an Freitagen und Samstagen im Gladenbacher Salon. Noch heute kommen die Stammkundinnen selbst aus Marburg und Dillenburg zu ihr, um sich die 
Haarpracht richten zu lassen. 54 Jahre ging Elfriede Köhler dieser Arbeit nach. „Frisörin war der perfekte Beruf für mich.“ Das andere muss dann wohl Berufung sein.

von Gianfranco Fain

 
 Hintergrund: Verdienstorden

Der Verdienstorden ist die einzige allgemeine und damit die höchste Anerkennung für Verdienste um das Gemeinwohl. Er wird in acht Stufen verliehen: Als Erstauszeichnung gibt es im Allgemeinen die Verdienstmedaille oder das Verdienstkreuz am Bande.

Als weitere Ausführungen folgen das Verdienstkreuz 1. Klasse, das Große Verdienstkreuz, das Große Verdienstkreuz mit Stern, das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband, das Großkreuz und die Sonderstufe des Großkreuzes.

Die Aushändigung übernehmen in den meisten Fällen Ministerpräsidenten oder Minister der Länder und des Bundes, Regierungspräsidenten oder Bürgermeister. Verliehen wird er vom Bundespräsidenten, der den Verdienstorden in wenigen Fällen persönlich überreicht, zum Beispiel aus Anlass des Tages der Deutschen Einheit und des Tages des Ehrenamtes.

Seit der Stiftung durch Bundespräsident Theodor Heuss 1951 wurde der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland 253.565 Mal verliehen.

Quelle: Bundespräsidialamt

 
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