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Bereitschaftszentralen stehen vor Schließung

Gesundheitsversorgung Bereitschaftszentralen stehen vor Schließung

Drei ärztliche Notdienststellen im Landkreis gliedern sich der Marburger Zentrale an. Noch ist es ein Plan, der nach OP-Informationen aber schon weit gediehen ist. Wird er umgesetzt, müssen sich Patienten nach Dienstschluss der Praxen auf längere Wege zum Bereitschaftsarzt einstellen.

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Patienten aus dem Kreisgebiet drohen längere Wege nach Marburg, wenn die ärztlichen Bereitschaftszentralen in Biedenkopf, Gladenbach und Stadtallendorf geschlossen werden .

Quelle: Fotomontage: Tobias Hirsch

Gladenbach. Im Durchschnitt suchen 15 bis 30 Patienten an Werktagen, und bis zu 40 an Wochenenden die ärztliche Bereitschaftszentrale am Gladenbacher Marktplatz auf. Diese sichert, wie in Biedenkopf, Marburg und Stadtallendorf auch, die gesetzlich vorgeschriebene Versorgung während der Schließungszeiten der Arztpraxen. Geht es nach einem Plan der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessens und der Ärzteschaft im Landkreis, so müssen sich die Patienten ab dem 1. April 2013 nach Marburg umorientieren. Zu diesem Zeitpunkt sollen die Bereitschaftszentralen in Gladenbach und Biedenkopf geschlossen und mit der in Marburg zusammengelegt werden, Stadtallendorf soll im Juli folgen.

Umorganisation soll Gesamtbetreuung sichern

Diese Umorganisation diene der Sicherstellung der ärztlichen Gesamtbetreuung, erklärt Allgemeinmediziner Amir Baalbaki aus Altenvers, der für die KV als Obmann für Gladenbach zuständig ist. Ursache seien die seit längerer Zeit bestehenden Schwierigkeiten, junge Kollegen zur Übernahme einer Praxis auf dem Lande zu bewegen. Denn in den Verhandlungen seien die Regelungen der Notdienste immer das K.o.-Kriterium.

Zudem gebe es ein weiteres Problem, erklärt Baalbaki: Seit etwa drei Jahren seien die Patientenzahlen im Bereitschaftsdienst rückläufig und zudem sei die Vergütungsstruktur verändert worden. Dadurch sei der Kostendruck im Gladenbacher Bezirk größer geworden.

Die 27 Ärzte des Gladenbacher Bezirks, die gesetzlich zur Sicherstellung einer Dienstbereitschaft verpflichtet sind, chlossen sich vor einigen Jahren zu einer Notdienstgemeinschaft zusammen. In diese zahle jeder Arzt 4000 Euro pro Jahr ein, um die Kosten der Zentrale zu decken. Vorteil für die Ärzte: Die Dienste bleiben ihnen erspart, weil angestellte Mediziner den Bereitschaftsdienst versehen.

In Biedenkopf zahlen die 38 beteiligten Ärzte 2400 Euro pro Jahr ein, um die Bereitschaftszentrale, die im DRK-Krankenhaus angesiedelt ist, aufrechtzuerhalten, erklärt Dr. Hans Schwarz. Diese Zentrale soll voraussichtlich zum 1. April eingestellt werden, so Schwarz. ­Voraussichtlich deshalb, weil die Kassenärztliche Vereinigung der Umstrukturierung noch zustimmen müsse. Neben der Genehmigung der Verbandsversammlung müsse auch noch ein fester Stundenlohn für die Dienste festgelegt werden.

Zur Begründung sagt Schwarz: „Wir müssen eine gewisse Größe haben, um den Bereitschaftsdienst zukunftsträchtig zu gestalten.“ Erst habe man eine Fusion mit Gladenbach ins Auge gefasst, doch dann sei die Entscheidung für die zukunftsträchtigere Möglichkeit mit der Marburger Bereitschaftszentrale gefallen.

KV ist führungslos, Reformbeschluss offen

Dort habe man eine Übergangsfrist favorisiert, weil in Marburg eventuell die Organisation anzupassen ist, zum Beispiel ob mehr Personal benötigt wird, erklärt Obfrau Dr. Susanne Fröhlich. Doch die Hinterländer Ärzte hätten einen baldigen Zusammenschluss bevorzugt, deshalb habe man sich auf den 1. April geeinigt. Bis dahin müsse es aber eine neue Notdienstordnung geben oder aber eine Vorab-Sonderregelung, schränkt Fröhlich ein.

Zuständig für die Reform der Bereitschaftsdienste ist die KV Hessen in Frankfurt. Dort steht das Thema schon lange Zeit auf der Agenda, ist aber von der Vertreterversammlung noch nicht beschlossen worden. Auch während der Sitzung in dieser Woche kam es nicht dazu - der Versammlung gelang es nicht einmal, zwei neue Vorstände zu wählen.

Die beiden bisherigen Amtsinhaber kamen laut einem Bericht der „Ärzte Zeitung“ wenige Tage vor der Versammlung am 7. November durch Rücktritt einem Abwahlantrag zuvor. Dieser wurde gestellt, weil die Staatsanwaltschaft gegen sie wegen Verdachts der Untreue beziehungsweise Betrugs ermittelt.

Entwicklung überrascht DRK-Krankenhaus

Ob es bei der nächsten Versammlung im Dezember eine Entscheidung zur Reform geben wird, ist offen. Bei der KV gehen die Sachbearbeiter aber davon aus, dass zwar ein Zusammenschluss mit Marburg erfolgt, aber zusätzlich in Biedenkopf und Stadtallendorf an Wochenenden und feiertags eine Versorgung aufrechterhalten wird. Das entspreche nicht dem Protokoll, das der KV zugestellt worden sei, sagt Schwarz und bekräftigt, dass die Zentrale in Biedenkopf geschlossen werde. Darüber sei auch der Vermieter, das DRK-Krankenhaus, bereits informiert.

Die dortige Leitung ist über die Information vom Mittwoch verwundert. Man habe mit der KV über eine Zusammenlegung gesprochen, die jetzt eine völlig andere Richtung eingenommen habe, erklärt Reiner Platt von der Stabstelle Vorstand. „Wie die genau aussehen wird, wissen wir noch nicht.“

Sicher sei nur, dass sich für die Patienten einiges ändere. Kam bisher einer in den Bereitschaftsdienst, bei dem sich herausstellte, dass er der stationären Versorgung bedurfte, so „hatte er einen extrem kurzen Weg“, sagt Platt.

Ob die Schließung der Biedenkopfer Bereitschaftszentrale für das DRK-Krankenhaus, das derzeit um den Erhalt der Geburtshilfestation kämpft, ein weiterer Rückschlag sei, vermag Platt nicht abzuschätzen. Sicher sei, dass sich an der stationären Versorgung nichts ändere. Aber: „Wir müssen abwarten, wie sich die Patientenströme entwickeln“, sagt Platt.

Einschätzung der Erkrankung am Telefon

Darauf könnte die Marburger Bereitschaftszentrale einen wesentlichen Einfluss haben. Wie dort hinsichtlich der Hilfesuchenden, die nicht von vornherein direkt dort hinfahren, vorgegangen wird, erklärt Baalbaki. Die Patienten nehmen telefonisch Kontakt mit der Zentrale auf. In einem Gespräch bewertet der diensthabende Arzt, ob ein Patient sich auf den Weg nach Marburg machen kann oder ein Hausbesuch durch den örtlichen Fahrdienst erfolgt.

Mit diesem Verfahren hätten die Marburger schon mehrere Jahre Erfahrung gesammelt, ergänzt Baalbaki und betont: „Diese Veränderung bietet den Vorteil, dass die zentrale Versorgung über Jahre gesichert ist.“

von Gianfranco Fain

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