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Beim Unfall haben alle Glück gehabt

Gericht Beim Unfall haben alle Glück gehabt

Weil seine Trunkenheitsfahrt in einem Verkehrsunfall gipfelte, musste sich ein Steffenberger vor Gericht verantworten.

Marburg. Der geständige Angeklagte räumte ein: „Es gibt nichts zu beschönigen: Alkohol ist im Straßenverkehr ein No-Go!“

Vier Jack Daniels und drei Wodka-O habe er „relativ schnell“ in Dillenburg getrunken und sich danach auf den Heimweg gemacht. Doch kurz vor der Ankunft kam es in Angelburg zum Unfall: Mit seinem Wagen verließ der Angeklagte seinen Fahrstreifen nach links auf die Gegenfahrbahn, wo er ein entgegenkommendes Fahrzeug streifte.

Beim Versuch, auf seine Spur zurückzukehren stieß er mit einem zweiten Fahrzeug frontal zusammen, das dem zunächst vom Weg abgekommenen Angeklagten ausweichen wollte. Die spätere Untersuchung ergab eine Blutalkoholkonzentration beim Unfallverursacher von 1,96 Promille.

Es blieb beim Sachschaden. Menschen wurden nicht verletzt. Dem Tatvorwurf widersprach der Angeklagte nicht. Warum er nach dem Konsum noch ins Auto stieg, konnte er nicht erklären. „Ich war nicht Herr meiner Sinne“, sagte er und gab zu: „Ich kann mit Alkohol nicht umgehen.“

Angeklagter hat eineTherapie begonnen

Nach dem Unfall sei in ihm die Erkenntnis gereift, etwas tun zu müssen. Deshalb habe er aus freien Stücken eine stationäre Therapie begonnen und erfolgreich abgeschlossen. Derzeit befinde er sich für weitere 26 Wochen in der ambulanten Nachsorge. Nie war er Gewohnheitstrinker, sondern habe nur bei Stress oder zu emotionalen Hochzeiten getrunken. Seit Ende der Therapie sei er trocken und stelle fest: „Sie hat mir absolut etwas gebracht!“

Doch war es nicht die erste Trunkenheitsfahrt des Angeklagten, die vor Gericht landete. Schon Ende 2010 war seine Fahrerlaubnis wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss eingezogen worden. Erst im Januar 2012, ein halbes Jahr vor der nun verhandelten Tat, hatte er den Führerschein zurückbekommen.

Die Amtsanwältin als Repräsentantin der Staatsanwaltschaft konfrontierte den in sich gekehrten und nachdenklich wirkenden Angeklagten auch mit seinem Verhalten nach der Tat. „Massiv beleidigt“ habe er die Polizisten und die Ärztin, die er unter anderem als „dumme Arbeiterkinder“ titulierte. Einer der Polizeibeamten, der als Zeuge aussagte, beschrieb das Verhalten des Angeklagten, der sich damals kaum noch auf den Beinen halten konnte, als „überheblich“.

In Folge der Tat trennten sich der einschlägig Vorbestrafte und sein Arbeitgeber voneinander. Eine neue Stelle habe er nicht in Aussicht, sei dafür ohnehin auf seinen Führerschein angewiesen, den die Polizei am Tattag einzog.

In ihrem Plädoyer betonte die Amtsanwältin, dass diesmal eine Geldstrafe noch ausreiche: „Wir wollen nicht, dass es wieder passiert! Beim nächsten Mal winkt die JVA.“

Hinterländer muss7200 Euro zahlen

Der Verteidiger bat, die schweren persönlichen und wirtschaftlichen Folgen des Angeklagten im Urteil zu berücksichtigen und ebenso den erfolgreichen Therapieverlauf: „Ich denke, dass wir uns hier nicht wiedersehen“, erklärte der Anwalt.

Schließlich verhängte Richterin Isabel Rojahn gegen den Steffenberger eine Geldstrafe in Höhe von 7200 Euro.

Seine Fahrerlaubnis wird für weitere zwölf Monate einbehalten. „Ich habe mich im Vorfeld gefragt, ob eine Geldstrafe ausreicht“, sagte Rojahn, die von einer Haftstrafe absah, da der Angeklagte sein Alkoholproblem erkannt habe und beim Unfall keine Personen geschädigt wurden. Das aber war kein Verdienst des Angeklagten: „Alle Beteiligten haben einfach großes Glück gehabt“, so Rojahn abschließend.

von Benedikt Bernshausen

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