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Beim Training im Garten fließt Schweiß

Personaltraining Beim Training im Garten fließt Schweiß

Das Thermometer im Garten zeigt 34 Grad, Personaltrainer Volker Kleinert lässt keine Ausreden gelten: Training im Freien steht auf dem Programm.

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OP-Redakteurin Silke Pfeifer-Sternke trainiert mit Volker Kleinert.

Quelle: Tobias Hirsch

Niederwald. Es ist 13 Uhr, die Sonne brennt am wolkenlosen Himmel, gekühltes Wasser steht bereit, das Training kann beginnen. In seinem Gepäck hat Volker Kleinert seine große Trainertasche, deren Inhalt vor allem eines verspricht: Schweiß. Die Motivation befindet sich im Keller, während beim Gedanke an die Gluthitze der Blutdruck steigt. Doch egal wie lange meine Ausredenliste ist, Kleinert sorgt dafür, dass an deren Ende das Training steht. Trainer Kleinert: Ein wenig Geduld führt zum Ziel Mit einem Lächeln lädt er zum Gehirntraining ein. Schnelles Umschalten in Schule, Sport und Beruf soll gefördert werden. Kleinert demonstriert, wie einfach es gehen kann: Er wirft kleine mit Sand gefüllte Bällchen in die Luft, während ihres Fluges überkreuzt er die Hände und fängt die Bällchen wieder auf. Für ihn kein Problem, für mich eine Herausforderung. Es will einfach nicht gelingen. Auf meine Frage: „So, oder?“, schüttelt Kleinert mit einem Augenzwinkern nur den Kopf. Er zeigt‘s nochmal, aber trotzdem misslingt‘s bei mir. „Es muss nicht gleich klappen. Regelmäßiges Training und ein wenig Geduld führen zum Ziel“, tröstet er. „Wichtig ist, dass wir einen trainingswirksamen Reiz setzen und nicht immer das tun, was wir bereits können. Bei bestimmten Übungen ist es besser aufzuhören, bevor wir es perfekt können.“Damit das Gehirn wieder neu gefordert wird, wechselt Kleinert die Übung. Wenn er „rechts“ sagt, muss die rechte Hand das Bällchen fangen, bei „links“ die linke. Jetzt wird´s schon einfacher, deshalb erhöht Kleinert den Schwierigkeitsgrad: Bei „rechts“ tritt der linke Fuß vor und die rechte Hand fängt das Bällchen, dann das Ganze wieder seitenverkehrt. Die Bilanz nach 15 Minuten geistiger Anstrengung: Herausforderungen kennengelernt und Kleinert sagt: „Da ist noch Potenzial.“ Dann ist an der Zeit für‘s Trainingsprogramm. Es richtet sich nach meinen Defiziten, die bereits im März ermittelt wurden: mangelnde Mobilität in den Sprunggelenken und der Schulter, Einschränkungen in der Brustwirbelsäule, Probleme mit der Hüfte und in der Rumpfmuskulatur. Beim „Functional Movement Screen“ erreichte ich 9 von 21 Punkten. „Viele schaffen das gar nicht“, hatte Kleinert damals versichert. Dennoch will er, dass ich die „magische“ 14 Punkteschwelle erreiche. Denn darunter sei die Verletzungsanfälligkeit und der Verschleiß im Alltag und Sport deutlich erhöht. „Jeder weiß, dass ein Auto dessen Bremse schleift, zwar fährt, aber eben nicht optimal. So ist es auch bei unserem Körper. Man kann mit einer schleifenden Bremse weiterfahren, doch irgendwann passiert etwas“, erklärt der Schweinsberger. Der Test wurde 1997 entwickelt, getreu dem Motto: „Beweg dich zuerst gut, bevor du dich oft bewegst.“ Nach Erkenntnissen des FMS-Tests trainieren derFC Bayern München, FC Chelsea, die NFL (amerikanische Football-Liga) und auch einige der Fußball-Nationalspieler. „Viele Menschen gehen regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung, bringen ihr Auto zum TÜV, aber um die Bewegungsmuster kümmern sie sich fast nie. Es reicht nicht aus, das Falsche zu vermeiden. Es gilt, das Richtige zu tun.“ Mit Cray-Crook-Band und Co. kommt Bewegung rein Deshalb hat sich Kleinert einen Plan überlegt, mit welchen Übungen meine Defizite am besten zu beheben sind. Zusätzlich zum Training mit Kleinert, gibt es für mich „Hausaufgaben“: einen Onlinetrainingsplan mit Videos. Seit dem FMS-Training haben sich bei mir körperliche Probleme erheblich verbessert - vor allem im Reitsport. Das Aufwärmprogramm im Garten zeigt, wie es derzeit um meine Beweglichkeit steht. Jede Ausweichbewegung wird von Kleinert erkannt und mit einem lockeren Spruch korrigiert.„Es geht für mich im Personaltraining darum, dass Menschen ihren Körper als etwas Wunderbares erfahren. Es ist zwar gut, Menschen an und über ihre Grenzen zu bringen, aber das ist noch lange nicht ausreichend. Ein Personaltrainer muss viele Qualitäten haben. Idealerweise kennt er sich in vielen Disziplinen aus“, sagt Kleinert. Damit zum Beispiel vernachlässigte Po-Muskeln trainiert werden, dienen zwei Minibands, eines wird über die Knie gezogen, eines bleibt an den Fußgelenken. Jetzt kommt Bewegung ins Freiluft-Training. Von der Terrasse bis zur Hecke und zurück geht’s erst quer zur Laufrichtung Schritt für Schritt und dann im Laufschritt so schnell es die mit Bändern verbundenen Beine erlauben. Langsam aber sicher kommt der Körper in Wallung, und die Hitze tut ihr Übriges, um alsbald eine Trinkpause einlegen zu müssen. Dann nimmt Kleinert ein sogenanntes Cray-Cook-Band, schlingt es um mein äußeres Knie und hält dagegen, während ich mit geradem Rücken in die Knie gehen muss. Dadurch sollen meine Muskeln-Gehirnverbindung verbessert werden. Rechts wie links klappt es gut und soll darauf vorbereiten, dass die Kniebeugen richtig ausgeführt werden. Nach dem Training gibt‘s eine Entspannungsmassage „Viele Menschen legen sich Gewichte auf die Schultern und machen Kniebeugen. Doch häufig gehen die Knie zusammen, der Rücken ist krumm oder die Sprunggelenke nicht mobil genug“, sagt er. Kaum fange ich an, die ruhigere Trainingsphase zu genießen, kramt der Trainer schon das nächste Trainingsgerät aus seiner großen Tasche: ein Gymstick. Der Trainingsstab wird über die Schultern gelegt, die Füße in die Schlaufen geführt. Während das linke Bein einen Schritt nach vorn macht, bleibt das rechte hinten stehen, der Körper macht eine Kniebeuge und der rechte Arm führt gleichzeitig den Stab nach vorne Richtung linkes Bein. Auch diese Übung muss wieder seitenverkehrt ausgeführt werden. Sieht leicht aus, ist es aber nicht.Mittlerweile spüre ich jeden Muskel in meinen Oberschenkeln und bin ziemlich k.o. Jede noch so kurze Pause wird dazu genutzt, einen großen Schluck Wasser zu trinken und vor allem, um Zeit zu schinden. Da meldet er sich auch schon: mein innerer Schweinehund. Eigentlich habe ich genug. Doch Kleinert hat was dagegen: „Es geht weiter.“ Es folgt eine Übung auf der Yogamatte, mit der Blockaden im ISG (Iliosacralgelenk: Darmbein-Kreuzbein-Gelenk) vorgebeugt werden sollen. Eine weitere Übung für die Rumpfmuskulatur folgt: Es ist nicht minder anstrengend, weil zusätzlich die Bauchmuskulatur beansprucht wird. Eigentlich fehlt mir schon die Kraft, doch Kleinert motiviert mich, mit den Fingerspitzen zumindest seine Handfläche ein wenig zu berühren. Mitunter kommt er mir mit der Hand sogar entgegen. Dann folgt eine Übung am Apfelbaum, die dazu dient, den großen Rückenmuskel zu trainieren. Der sogenannte Slingtrainer kommt zum Einsatz. Kleinert erklärt, dass man mehr als 300 Übungen damit machen kann. Einen Buchteil davon nutzen vor. „Wo spürst du es?“, fragt Kleinert. Ich zeige auf meinen Rücken. Dem Training folgt eine Massage zur Entspannung, die einige hypnotische Ansätze enthält. Um diesen Moment in vollen Zügen auszukosten, ist er eigentlich viel zu kurz.

OP-Redakteurin will im Selbstversuch 10 Kilogramm mit Sport und gesunder Ernährung abnehmen.

von Silke Pfeifer-Sternke

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