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Bei Geld hört die Freundschaft auf

Premiere Bei Geld hört die Freundschaft auf

Das Musical "Der Postraub" vereint alle Elemente, damit das Drama das Publikum berührt: Professionalität, beeindruckende Kulisse und Livemusik.

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Gegen die Zahlung von Geld und mit dem Versprechen der Anonymität liefert die Hinterländer Bevölkerung die Männer, die die Postkutsche in der Subach überfallen haben, den Ordnungshütern ans Messer.

Quelle: Michael Hoffsteter

Biedenkopf. Das Musical „Der Postraub“ spiegelt die Kluft zwischen Arm und Reich in eindrücklicher Weise wider und lässt das Publikum mit Bauern und Tagelöhnern fühlen, die Hunger und Not satt haben. Der Überfall auf die Postkutsche in einem Hohlweg in der Subach bei Mornshausen/S. ist der logische Schluss, um sich und den Seinen ein besseres Leben zu ermöglichen. Letztlich wird der Griff nach den Sternen einer ganzen Familie und Freunden zum Verhängnis. Der Traum vom besseren Leben zerplatzt wie eine Seifenblase, die Täter werden von Freunden und Nachbarn enttarnt.

Musical Postraub Biedenkopf : Foto / Michael Hoffsteter

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Während in der Realität nur Jost Wege aus Wolfgruben aus dem Gefängnis fliehen konnte, wurden die anderen fünf Posträuber exekutiert. Das Musical entlässt das Publikum aber nicht mit dieser traurigen Szene. Vielmehr findet Regisseurin Birgit Simmler ein versöhnliches Ende. Das Musical, das am Wochenende im Innenhof des Biedenkopfer Schlosses Premiere feierte, ist kein Stück von der Stange. Simmler machte sich das historische Ereignis des Postraubs in der Subach am 19. Mai 1822 zwar zu eigen, strickte aber daraus ein Sozialdrama, das die Herzen berührt und die Schwermütigkeit des Lebens in Armut vergessen lässt. Simmer bedient sich der faszinierenden Kulisse des in den Abendstunden samtwarm illuminierten Biedenkopfer Landgrafenschlosses, des zweifellos in Musical-Stoff verliebten Komponisten Paul Graham Brown und des vielseitigen amerikanischen Choreografen Tim Zimmermann.

Die Kombination von Profis und Laien auf der Bühne verschmilzt zu einem Gesamtkunstwerk. Der Innenhof des Schlosses ist eingebettet in das Bühnengeschehen, der Zuschauer mitten im Geschehen. Die Darsteller kommen mit einer Handvoll Requisiten aus, und dennoch ist das Bühnenbild stets stimmig. In dem Drama um Liebe und Geld wird der authentisch dargestellte Criminal-Inspektor Danz (Carsten Wenzel) zu einer schillernden Figur. Der Gießener hat wenig Sinn für die Bauerntölpel und sehnt sich zurück an seinen Schreibtisch. Mit List und Tücke gelingt es ihm, den Überfall auf die Postkutsche aufzuklären.

Humoristische Texte und Lieder, die den Ernst des Stücks zur rechten Zeit in den Hintergrund schieben, und die mitunter auch das Wesen und die Eigenart des „Hinterländers“ auf die Schippe nehmen, werden zum Markenzeichen des Inspektors und wirken besänftigend auf die drohende Tragödie. Unter den Laiendarstellern nimmt auch Birgit Klinkert aus Breidenstein, sowohl Ehefrau als auch Mutter der Räuber, mit ihrer überspitzten Mimik dem Stück die schwellende Kraft der Dramatik.

Die Professionalität der Bühnenprofis färbt im gesamten Stück ab auf das zusammengewürfelte Ensemble, das unter dem strengen Auge der Betrachter Leid und Schmerz ebenso nachempfinden lässt wie Freude und Sorglosigkeit. Am Ende verabschiedet das Ensemble - trotz der Hinrichtung der mit Liebenswürdigkeit nachgezeichneten Charaktere der Posträuber - die Zuschauer mit einem guten Gefühl. Die Musik der Liveband macht den Musical-Abend perfekt.

Das Premieren-Wochenende war ausverkauft. Die nächste der sechs Aufführungen ist am Freitag, 19. August. 2015 war das Musical so erfolgreich, das die Neuauflage für das Kreativ-Team ein Muss war.

von Silke Pfeifer-Sternke

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