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Behinderten-WG startet im August

Verein FiB Behinderten-WG startet im August

In Gladenbach entsteht zentrumsnah eine Behinderten-WG, um Menschen mit Beeinträchtigungen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Unscheinbar inmitten von diversen Verkaufsangeboten hing in einem Gladenbacher Supermarkt eine Anzeige, die sich an Menschen mit Behinderungen richtete. Gesucht wurden Bewohner für eine Wohngemeinschaft.

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Tanzlehrer Ingo Prasse (links) korrigiert bei einem Tanzworkshop für Behinderte in Wiesbaden die Haltung von Sabina und Michael. Tanzen gehört auch zu einem selbstbestimmten Leben. Ein solches in den eigenen vier Wänden will der Verein FiB Behinderten in ­Gladenbach ermöglichen.

Quelle: Arne Dedert / dpa

Gladenbach. Ab Mai wollte der Marburger Verein FiB (Verein zur Förderung und Inklusion behinderter Menschen) ein neues Wohnprojekt starten und suchte Bewohner für ein Haus in der Adolf-Theis-Straße in zentraler Innenstadtlage.

Jetzt steht aber fest, dass der Einzugstermin nicht zu halten ist. Das große Wohnhaus muss noch umgebaut werden. Frühstens im Juli/August ist damit zu rechnen, dass die Bewohner einziehen können.

Das Haus bietet fünf Personen mit Behinderungen Platz. Im Dachgeschoss kann jemand einziehen, der nicht allein leben möchte, dennoch aber seine Privatsphäre benötigt. Dort wird es eine Küchenzeile und ein Bad geben. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss können vier Personen einziehen. Dort werden sich zwei Bäder, Gemeinschaftsräume sowie die Einzelzimmer für die Bewohner befinden.

Die Hilfen werden individuell angepasst

Leben können dort Menschen mit körperlichen und kognitiven Einschränkungen. Aber auch Menschen mit wenig Unterstützungsbedarf könnten dort ihren Lebensmittelpunkt finden. Das Kooperationsprojekt von privaten Förderern und dem Verein FiB bietet den WG-Bewohnern ein „Unterstütztes Wohnen“ an.

Sie erhalten psychosoziale und pädagogische Hilfen und die Assistenz wie Pflege, Mobilität und Alltagshilfen wird koordiniert. Hinter der pädagogischen Hilfe verbirgt sich unter anderem die Unterstützung bei der Persönlichkeitsstärkung und die Hilfe bei der Bewältigung von Krisen. Vor allem das gesellschaftliche Teilhaben an allen Lebensbereichen soll möglich gemacht werden.

Die Formen der individuellen Hilfe sind auf den jeweiligen Bedarf angepasst, sodass eine vielfältige Betreuung ermöglicht werden kann. Eine Betreuung der WG-Bewohner ist bis zu 24 Stunden möglich. Die Dauer richtet sich nach dem jeweiligen Hilfebedarf.

Alle Bewohner sollen protifieren

Das Besondere an der WG-Idee ist die erhoffte Vielfalt in der Wohngemeinschaft. Ein offenes und nachbarschaftliches Verhältnis soll geschaffen werden, um den Bewohnern zu ermöglichen, ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten in den Alltag zu integrieren.

Aus diesem Grund sollen auch Menschen einziehen, die nur wenig Hilfe brauchen. Die Grundidee ist also, dass jeder Bewohner von den anderen profitiert und dazu beiträgt, dass ­eine ganz normale Wohngemeinschaft entsteht.

„Das fördert den Gedanken der Inklusion“, sagt Assistenz-Koordinator Christoph Repp, Voraussetzung sei natürlich, dass sich die Bewohner untereinander gut verstehen. Bevor die Bewohner ins Haus einziehen, ist deshalb ein Kennenlerntreffen geplant. Erfahrungen mit Behinderten-WGs hat der Verein bereits gesammelt: in Stadtallendorf und in Marburg. Auf diese greifen die Gladenbacher Koordinatoren zurück, um ein möglichst harmonisches Miteinander zu erreichen.

„Für uns ist es erst einmal Neuland. Wir profitieren aber von den Erfahrungen unserer Kollegen“, sagt Repp. Für ihn ist bei dem Gladenbacher Projekt vor allem eines wichtig: „Jeder Bewohner soll sich wohlfühlen, sich weiterentwickeln und selbstbestimmt leben.“ Um dies zu erreichen wird auch eine pädagogische Fachkraft in der WG eingesetzt und es wird einen regelmäßiger Austausch mit den Assistenz-Koordinatoren geben.

Probewohnen möglich

„Wir müssen alle an einem Strang ziehen“, sagt Repp. Eine solche Wohngemeinschaft ist für viele Menschen mit Beeinträchtigungen eine Alternative, die durch die guten Ausgangsbedingungen im Gladenbacher Haus verwirklicht werden kann. Die großen Zimmer, die auf verschiedenen Etagen gelegen sind, bieten den Bewohnern Rückzugsmöglichkeiten und Privatsphäre.

Die Anwesenheit der Betreuer ermöglicht allerdings auch die Chance, Kontakte im Umfeld zu knüpfen. Wer sich nicht sicher ist, ob er WG-geeignet ist, kann im Haus probewohnen. Möglich ist auch, dass dort ein Bewohner ohne jegliche Behinderung einzieht.

Die Finanzierung der benötigten Pflege der Bewohner kann durch diverse Möglichkeiten erfolgen. „Es kommt auf die Pflegestufen des Bewohners an“, sagt Repp. Wenn der Bewohner die Kosten nicht aus seinem Vermögen zahlen kann, werde er neben der Leistung aus der Pflegekasse mit Sozialhilfeleistungen unterstützt. Mittlerweile gibt es schon einige Anfragen für die erste Gladenbacher Behinderten-WG. Es sind aber noch nicht alle Plätze vergeben.

  • Kontakt und weitere Informationen: Christoph Repp, Telefon 06462/91698-12 oder bei Stefanie Ingiulla, Telefon 06462/91698-21.

von Jannis Kuhl und Silke Pfeifer-Sternke

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