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Begleichung „alter Rechnung“ kommt vor Gericht

Amtsgericht Begleichung „alter Rechnung“ kommt vor Gericht

Wegen gefährlicher Körperverletzung wurde ein 22-jähriger Auszubildender zu 7 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und dessen Freund zu einer Geldstrafe von 1.500 Euro verurteilt.

Biedenkopf. Spaß, Freude und Unterhaltung sollte ein Straßenfest am 18. Juli des vergangenen Jahres in einer Hinterlandgemeinde nach Aussage eines als Zeugen geladenen Mitveranstalters bieten.

Alkoholgenuss, die Klärung einer alten „Rechnung“, resultierend aus einem Vorverfahren, sowie eine Schlägerei haben für ein schwerwiegendes Delikt gesorgt, das ein Gerichtsverfahren vor dem Amtsgericht nach sich zog, bei dem sich ein Angeklagter geständig zeigte.

Seitens der Staatsanwaltschaft, vertreten durch Thorsten Schlier, wurde den beiden 22-jährigen Angeklagten vorgeworfen, dass diese am 18. Juli gegen 0.15 Uhr einen ebenfalls 22-Jährigen seine Notdurft verrichteten Mann angegriffen hätten, wobei einer der Beteiligten dessen Hals umfasste und der andere auf den Mann einschlug.

In einem Rechtsgespräch stellte Richter Mirco Schulte den beiden Angeklagten ausführlich deren Rechtslage und auch die möglichen Strafen dar und legte den beiden nahe, über die Prozessziele nachzudenken.

Einer der Angeklagten blieb dabei und beteuerte vehement, dass er den 22-Jährigen nicht geschlagen, sondern ihn nur verbal attackiert habe.

In der anschließenden Beweisaufnahme und der Vernehmung der Zeugen kristallisierte sich jedoch heraus, dass beide Angeklagten aufgrund ihres Verhaltens aufgefordert wurden, das Straßenfest zu verlassen.

Der Geschädigte berichtete, dass einer der Angeklagten ihn gewürgt und der andere zugeschlagen habe, sodass er ein Hämatom am Auge, eine blutende Nase sowie Atemnot und Schluckbeschwerden davongetragen habe. Er habe sich losreißen können und sei zurück zu dem Straßenfest gelaufen. Danach sei ein weiterer Zwist zwischen Straßenfestbesuchern und den beiden Angeklagten aufgetreten. Dazu äußerten sich diese widersprüchlich in der Befragung durch Richter Schulte.

Der Staatsanwalt sah die Angeklagten aufgrund der Zeugenaussagen als überführt und gemeinsam handelnd an.

Er beantragte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten zur Bewährung auf zwei Jahre.

Richter Schulte verurteilte den 22-jährigen Auszubildenden zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten zur Bewährung auf zwei Jahre und einer Schadenswiedergutmachung von 150 Euro sowie dessen Freund im minderschweren Fall zu einer Geldstrafe von 1.500 Euro.

Richter Schulte hielt den Geschädigten, der als Zeugen auftrat, für glaubwürdig und hielt den beiden Angeklagten vor, dass diese sich schon bei der polizeilichen Vernehmung und auch vor Gericht in Widersprüche verwickelt hätten. Es sei auch lebensfern und für ihn käme dabei auch eventuell verletzter Stolz ins Spiel, wenn derjenige, der keine offene Rechnung habe, zuschlage, während der andere, der zudem nicht geständig sei, Vorstrafen aufweise, alkoholisiert gewesen sei und dabei ganz unbeteiligt gewesen sein wolle.

von Helga Peter

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