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Baustelle „wandert“ mit Verzögerung

Ortsdurchfahrt Baustelle „wandert“ mit Verzögerung

Unterirdische Überraschungen haben die Bauarbeiten an der Gladenbacher Ortsdurchfahrt von der Marktstraße in die Gießener Straße um drei Wochen verzögert.

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Ein inzwischen vertrautes Bild für die Anlieger in der oberen Marktstraße und unteren Gießener Straße: Bagger vor der Haustür.

Quelle: Hartmut Berge

Gladenbach. Die Ursache für die Explosion am 17. August gegen 13 Uhr, bei der ein Stromverteilerkasten förmlich in die Luft flog, ist geklärt. Offenbar war eine Muffenverbindung undicht, Wasser sickerte in den Kasten, das führte zum Kurzschluss und schließlich zur Explosion. Dabei wurden Kunststoffteile der Abdeckung in alle Himmelsrichtungen katapultiert. In umliegenden Gebäuden fiel für einige Stunden der Strom aus.

„Energienetz Mitte“, ein Tochterunternehmen des Energie­versorgers EAM, hatte den Verteilerkasten recht schnell erneuert. Die Explosion zählt zu einer kleinen Serie von Pech und Pannen, die letztlich den Zeitplan durcheinander brachten.

Die Arbeiten sind in drei Bauabschnitte unterteilt. Der erste sei, all das betreffend, was in der Erde liege, weitgehend abgeschlossen, sagte am Freitag Bauamtsleiter Ulrich Weber auf Anfrage. Von Anliegern erfuhr die OP, dass in diesem Abschnitt am Montag noch die Hausanschlüsse erneuert werden, die Bagger also die Bürgersteige aufreißen, und die Trinkwasserzufuhr eine Weile abgestellt wird. Im Inlinerverfahren wurden bereits Teile des Abwasserkanals saniert.

Bauamtsleiter kritisiert Telekom

Der zweite Bauabschnitt ist im Gange. Versorgungskabel und Wasserleitungen sind verlegt. Die Firma Herzog fange nun mit dem Straßenaufbau an. Bordsteine werden gesetzt, Gehwege hergestellt, dann werde die Fahrbahn asphaltiert, zunächst nur die Tragschicht, beschreibt Weber. Zurzeit liege man etwa drei Wochen im Zeitplan zurück, berichtet er und erinnert an das Hauptproblem: zu hoch verlegte Versorgungskabel.

Die mussten tiefer gelegt werden. „Das musste zunächst mit den verschiedenen Versorgern koordiniert werden“, berichtete der Bauamtsleiter. Problematisch sei dies nur mit der Telekom gewesen. „Die haben uns mehr oder weniger sitzen lassen“, sagt er.

Neben der Koordination der Arbeiten habe man auch die Kostenfrage klären müssen. „Wir können nichts dafür“, beteuerte Weber und erklärte: „Wir haben in der Stadtverwaltung keine Pläne von den Versorgern, die zeigen, in welcher Tiefe Leitungen verlegt sind, allenfalls den einen oder anderen Kanal-Plan.“ Aber der Kanal sei nicht das Problem, der bleibe dort, wo er liege.

Dritter Bauabschnitt soll bald beginnen

Zu dem Ärger mit den Versorgungsleitungen kamen Pannen: Der Verteilerschrank explodierte. Darüber hinaus hatten Anlieger vier Tage lang keinen Telefon- und Internetanschluss. Kassen funktionierten nicht, Kunden konnten nicht mehr elektronisch zahlen.

Zudem fanden Bauarbeiter alte Kabel, die, wie sich bei näherer Überprüfung herausstellte, nicht mehr in Funktion waren. Entfernt werden mussten auch alte Fundamentreste. All das habe Zeit gekostet, sagt der Bauamtsleiter.

Am Freitag begann die Firma mit dem Bau einer neuen Stützmauer zum Lidl-Parkplatz. Das sei bisher nicht möglich gewesen, weil genau dort die zu hoch verlegten Leitungen verliefen, sagt Weber. Die längst abgetragene alte Stützmauer lag auf dem Grundstück des Marktes. Die Stadt hat einen Streifen erworben, um dort den bisher gefährlich schmalen Gehweg verbreitern zu können.

Wenn der zweite Abschnitt beendet ist, können einige Geschäftsinhaber aufatmen. Mit dem Beginn des Abschnitts drei kann auch der Lidl-Markt wieder von der Teichstraße aus angefahren werden.

Gefahrenstelle wird später noch entschärft

Weitergebaut wird dann in Richtung Erdhausen. „Wir müssen schauen, ob wir bezüglich zu hoch liegender Versorgungsleitungen die gleichen Probleme bekommen wie bisher. Das ist nicht auszuschließen“, gibt der Bauamtsleiter zu bedenken.

Im Zuge der Arbeiten auf der B 255 sollte auch die Grundlage für ein anderes Projekt realisiert werden: eine neue Anbindung der Haydnstraße an die Bundesstraße. Dort soll eine übersichtliche Kreuzung mit der Goethe­straße entstehen. Bisher besteht nur über die schmale Straße „Bockshecke“ eine Anbindung ins „Musikerviertel“.

Beim Abbiegen in die „Bockshecke“ kommt es immer wieder zu Auffahrunfällen. Die Einfahrt wird vom nachfolgenden Verkehr oft nicht wahrgenommen, weil der Gehweg dort optisch nicht unterbrochen ist. „Gegenüber der Goethestraße wird zunächst eine Zufahrt zehn Meter in den Hang gebaut, sonst müssen wir später die Straße wieder aufreißen“, erklärt Ulrich Weber.

Herr des gesamten Verfahrens ist Hessen Mobil, die Behörde plante und koordiniert den grundhaften Ausbau der Gießener Straße. Die Stadt Gladenbach ist für die sogenannten Nebenanlagen, wie der Bürgersteige, zuständig. Nun hoffen alle Beteiligten, dass es keinen frühen Wintereinbruch gibt und die Arbeiten rechtzeitig vor Weihnachten beendet werden können.

von Hartmut Berge

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