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Baustelle unter stetiger Beobachtung

Windpark Hilsberg Baustelle unter stetiger Beobachtung

Wasserabsenkung, Ausmaße der Rodungsfläche, Sprengungen? Die Standortgegner der Windkraftanlagen auf dem Hilsberg hatten angekündigt, schon die Baustelle kritisch zu begleiten. Das geschieht auch, bisher jedoch folgenlos.

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Der Wasserspiegel am Biotop „Schwarzer Stein“ ist gesunken (Absatz über Wasserkante). Die Standortgegner sehen einen Zusammenhang mit Bauarbeiten am Windrad-Standort 2), wo Grundwasser ausgetreten sei. Das RP vermutet Verdunstung aufgrund der warmen März-Witterung.

Quelle: Gianfranco Fain

Holzhausen. Fast zwei Monate sind vergangen, seitdem der Verwaltungsgerichtshof in Kassel über die Beschwerde im Eilverfahren gegen den klagenden Vogelschutzverein Holzhausen entschied und somit der Gemeinde Bad Endbach auf dem Hilsberg freie Bahn für ihr Windparkprojekt gab. Kaum war die Entscheidung gefallen, setzte die Gemeinde die Rodungen an den vier vorgesehenen Standorten fort, kurze Zeit später begannen die am nachträglich beantragten Standort 6. Die Gemeinde ist im Zeitdruck, weil der Windpark noch dieses Jahr ans Netz gehen soll, um die derzeit noch hohe Einspeisevergütung zu sichern.

Während die Arbeiten schnell fortschritten, wirkten die Standortgegner zeitweise wie gelähmt, fingen sich aber wieder und kündigten an, das Bauvorhaben und den eventuellen späteren Betrieb kritisch zu begleiten. Zwei Kritikpunkte brachten sie schon beim Regierungspräsidium Gießen (RP) vor, erhielten nach eigenen Angaben aber von der Behörde, die für die Bauüberwachung zuständig ist, noch keine Antwort auf ihre Eingaben:

nFür die Arbeiten sei wesentlich mehr Waldfläche gerodet worden, als genehmigt ist;

nDie Arbeiten am Windkraftstandort 2 hätten Auswirkungen auf das Biotop „Schwarzer Stein“, weil dort der Wasserspiegel gesunken ist.

Andreas Knoll hatte dies am Biotop beobachtet, wo sich seinen Angaben zufolge Eisvogel und Uferschwalbe aufhalten, und sich ans RP gewandt, da der Wasserspiegel „täglich um Zentimeter“ sinke und am Standort 2 der Eintritt von Grundwasser zu beobachten sei.

Dazu erklärt Ina Velte, Sprecherin des RP, dass die Behörde bei Eingang der Meldung am 10. März „umgehend“ gehandelt habe. Vier Tage später seien Experten des Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) und Vertreter der Oberen Wasserbehörde des RP vor Ort gewesen, um eine hydrogeologische Bewertung vorzunehmen.

RP zu Schwarzer Stein: Wasser verdunstet

Das am 19. März vorgelegte Ergebnis lautet laut Velte: „Eine hydraulische Verbindung zwischen dem Biotop und der rund 300 Meter entfernten Baugrube der WEA 2 und der rund 600 Meter entfernten Baugrube der WEA 1 ist aufgrund der Entfernung und der unterschiedlichen Lithologie unwahrscheinlich. Für das Biotop „Schwarzer Stein“ ist nach Einschätzung des HLUG von einer erhöhten Verdunstungsrate von der Seeoberfläche aufgrund der ungewöhnlich warmen Witterung Mitte März auszugehen“, erklärt Velte.

Noch nicht vollständig geklärt ist dagegen, wie es sich mit der Größe der Rodungsfläche verhält. Mitte Februar hatten die Standortgegner beim RP Abweichungen moniert, am vergangenen Wochenende waren sie auf dem Hilsberg, um nachzumessen.

Auf „wesentlich mehr“ als die genehmigten 40000 Quadratmeter sei man gekommen, erklärt Reinhold Leinweber. Der Vorsitzende der BI gibt die gemessene Zahl mit 63000 Quadratmetern an, darin sei all das enthalten, was für die Arbeiten als Fläche beansprucht werde, also zum Beispiel auch Flächen die mit Abraum überschüttet worden sind. Auch das RP hat Messungen veranlasst. Die Gemeinde Bad Endbach wurde verpflichtet, einen unabhängigen amtlichen Vermesser mit Nachmessungen zu beauftragen, erklärt Velte. „Dies ist inzwischen geschehen, wir erwarten täglich die Ergebnisse.“ Sie gibt aber auch zu erkennen, dass Ortstermine verschiedener Behördenvertreter und Experten dafür sprechen, dass „keine großflächigen Überschreitungen der genehmigten Rodungsfläche zu erwarten sind“.

Eine weitere Vermutung der Standortgegner entkräftet Velte ebenfalls: Ein Baukontrolleur des RP sei mit einem Sprengstoffexperten vor Ort gewesen. „Beide gehen nicht davon aus, dass am besagten Standort Sprengungen stattgefunden haben, zum einen, weil dies aufgrund der Bodenbeschaffenheit nicht erforderlich war und zum anderen, weil auch keine anderen Anhaltspunkte für Sprengungen gefunden werden konnten.“

Montag beginnen die Arbeiten an Fundamenten

Unbestritten ist dagegen, dass die Gemeinde Bad Endbach mit ihren Arbeiten sehr gut im Zeitplan liegt, unter anderem wegen der günstigen Witterung. Am Montag beginnt eine Spezialfirma mit dem Gießen der Fundamente - eine Woche früher als geplant, zwei wären sogar möglich gewesen, doch dazu reichten die Kapazitäten des Unternehmens nicht.

Zwei Teams eines vom Windradersteller Enercon beauftragten Unternehmens aus dem Ruhrgebiet werden mit zwei Schalungssystemen zeitgleich an zwei Standorten arbeiten, sodass Enercon nach Aushärtung des Betons Anfang Mai beginnen könne, die Windräder aufzustellen, erklärt Bad Endbachs Bauamtsleiter Thomas Reuter.

von Gianfranco Fain

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