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Badeverbot im Perfstausee

Mangelhafte Wasserqualität Badeverbot im Perfstausee

Aufgrund von massiven Verunreinigungen durch Coli-Bakterien und Algen bleibt der nach der Hochwasser-Katastrophe von 1984 angelegte Perfstausee in dieser Badesaison für Gäste geschlossen.

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Trotz des Badeverbots im See können Touristen die Wander- wege und die Gastronomie rund um das Hochwasser-Rückhaltebecken nutzen.

Quelle: Landkreis Marburg-Biedenkopf

Breidenstein. Der Perfstausee bleibt weiterhin für den Badebetrieb geschlossen. Die Anforderungen an die geforderte Badewasserqualität konnten gemäß EU- und Landesrecht nicht erfüllt werden. Das erklärte der Landkreis Marburg Biedenkopf und die Perfstausee-Betreiber-Gesellschaft.

„Wir müssen deshalb den Badebetrieb einstellen“, sagt Landrätin Kirsten Fründt. Für den Landkreis, den Wasserverband Oberes Lahngebiet und die Betreiber-Gesellschaft steht der Perfstausee in erster Linie als Hochwasser-Rückhaltebecken im Vordergrund.

Ein Labor muss die Qualität jedoch regelmäßig überprüfen, da der See auch als Badegewässer genutzt wird. Diese Kontrollen müssen unter dem Standard der EU-Badegewässerverordnung und den Bestimmungen des Landes Hessen stattfinden. In den vergangenen Jahren kam es oft zu einer starken Überschreitung der Grenzwerte für Coli-Bakterien, daher auch die Bewertung der Qualität in diesem Jahr als „mangelhaft“. Die Mitgliedsstaaten der EU haben zu gewährleisten, dass die Badegewässer mindestens die „ausreichende“ Qualität haben, daher auch die Schließung des Perfstausees.

„Diese sprunghaften Ausschläge bei den Wasserwerten führen erneut zu einer Einstufung ‚mangelhaft‘ für den Perf-stausee, erklärt der Geschäftsführer der Perfstausee-Betreiber GmbH, Volker Haupt. Entsprechende Hinweise und Absperrungen sind an den Liegewiesen angebracht. Die Gründe für die starken Verunreinigungen sind nicht vollständig geklärt, es gibt jedoch viele Theorien.

Diverse Gründe für Verunreinigung des Sees

Keime aus der Kanalisation könnten nach starken Regenfällen in die Perf gelangt sein. Auch eine Verunreinigung durch Vogelkot auf den angrenzenden Wiesen oder Belastungen aus der Landwirtschaft sind nicht auszuschließen. Ob und wann der Perfstausee wieder für Besucher und Badegäste geöffnet wird, ist momentan nicht absehbar. Bis auf weiteres wird kein Badebetrieb in Breidenstein stattfinden.

Nach der Hochwasser-Katastrophe vom Februar 1984 wurde der Perfstausee erbaut. Intensive und andauernde Niederschläge verursachten damals ein extremes Ansteigen des Wasserspiegels in der Lahn und ihrer Zuflüsse. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wurde im Landkreis Marburg-Biedenkopf der Katastrophenalarm ausgerufen. In Marburg konnte das Überfluten der Innenstadt nur durch das Erhöhen der Deiche durch Sandsäcke verhindert werden.

Die Schadenshöhe erreichte dreistellige Millionenbeträge, auch weil viele kleinere Orte im Lahntal überflutet wurden. Die Fluten der Perf unterspülten einen Damm nördlich von Breidenbach, die Nebenbahn Dillenburg-Wallau verlief dort. Eine Diesellokomotive sackte ins Wasser, was zur Folge hatte, dass die Strecke tagelang unterbrochen wurde. Konkrete Pläne für den See gab es schon Jahre vor der Katastrophe. Der „Grundstein“ für den Bau des Rückhaltebeckens wurde noch im Jahr des Desasters gelegt, die Bundesstraße 253 wurde höhergelegt. Am 18. September 1993 wurde der Stausee offiziell in Betrieb genommen.

Durch diese Hauptfunktion als Rückhaltebecken sehen sich weder der Landkreis noch Betreiber-Gesellschaft und Wasserverband gezwungen, Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität einzuleiten, da diese für die Funktion keine Rolle spielt.

von Jannis Kuhl

 
Hintergrund
Der Stausee bietet noch andere Möglichkeiten für Touristen. Spazier- und Wander­wege sind in großer Vielfalt vorhanden, auch die Gastronomie nutzen viele Besucher. Für das Baden in den Sommermonaten können Freibäder der umliegenden Kommunen genutzt werden.
 
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