Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 4 ° Sprühregen

Navigation:
Schönste Belohnung: strahlende Kindergesichter

Afrika-Hilfsaktion Schönste Belohnung: strahlende Kindergesichter

„Ich bin dann mal zwei Wochen im Urlaub.“ Was André Kaiser aus Hartenrod am Telefon sagt, ist nur die halbe Wahrheit. Dem Filialleiter des Fronhäuser Rewe-Marktes stehen anstrengende Tage bevor.

Voriger Artikel
Für Zahlenwerk, gegen Ausschussbericht
Nächster Artikel
Sprengungen schüren Ängste

Zur Gesundheitsvorsorge für Kinder in Kenia gehört es auch, dass ehrenamtliche Helfer wie André Kaiser aus Hartenrod beim
Verabreichen der Mittel helfen.

Quelle: Privat

Bad Endbach. Am Samstag brachen Kaiser und vier Mitstreiter nach Kenia auf. In dem ostafrikanischen Land warten 220 Kinder in der Mirisa-Academy auf die Besucher aus dem Hinterland. Diese verteilen nicht nur Spenden, sondern reparieren auch Dachrinnen, bereiten ein Essen fürs Schulfest vor, zimmern Hühnerställe und vieles mehr.

Den Kindergarten und die Schule am Rande der Stadt Nakuru betreibt der Koblenzer Verein „Friedenskinder“, der pro Monat rund 3000 Euro für die laufenden Kosten - für den Projektleiter, acht Lehrer, fünf Köche und Küchenhelfer, zwei Gärtner, den Hausmeister sowie zwei Wachleute - benötigt.

Für viele arme Mädchen und Jungen der Mirisa-Academy haben die Mahlzeiten in Kindergarten und Grundschule einen hohen Stellenwert. Um Geld zu sparen, wird beispielsweise Gemüse im eigenen Garten angebaut. Dazu werden die Gärtner und die Küchenhelfer gebraucht, die die Mahlzeiten täglich frisch zubereiten.

Im Fitnessclub wächst Interesse an Projekt

Das Projekt begann im Jahr 2007 mit ersten Gebäuden für den Kindergarten. Diese übernehmen in Kenia die Funktion einer Vorschule. In den Vor­klassen lernt der Nachwuchs Englisch, eine der beiden Amts­sprachen. Neben der zweiten Amtssprache Kisuaheli beherrschen die Kenianer noch die Sprache ihrer jeweiligen Volksgruppe.

Inzwischen gehört zu dem Projekt auch eine Grundschule mit den Klassen 1 bis 4. Geplant sind weitere Gebäude für Schüler der Klassen 5 bis 8.

Seit fünf Jahren unterstützt André Kaiser die Mirisa-Academy. Kaiser legt schon seit langem großen Wert auf soziales En­gage­ment. Mit seinem Lebensmittelmarkt unterstützt er die Marburger Tafel, er verkauft Kaffee der „Gemeinschaft in Kehna“ und verschenkt nicht verkauftes Obst und Gemüse an Landwirte der Umgebung. Als er in einem Gladenbacher Fitnessstudio auf George Taita Mitei traf und dieser ihm von dem Projekt aus seiner alten Heimat erzählte, war er sofort begeistert.

Die Mirisa-Academy geht auf die Initiative des Bad End­bachers Norbert Rink zurück. Der Berufsschullehrer flog 2005 mit sieben Schüler sowie dem Lehrlingswart der Handwerks­kammer Koblenz nach Kenia, um einen 50000 Liter fassenden Wassertank zu bauen.

Ein Jahr später verlegte er mit 25 Jugendlichen eine 4,5 Kilometer lange Wasserleitung, was die Versorgung mit Trinkwasser für 20000 Menschen im Randbezirk sicherte. Zuvor holten die Menschen das Wasser mit Kanistern aus einem Fluss, wozu sie eine Stunde zu Fuß unterwegs waren.

Durch Vermittlung und Mitarbeit von Mitei und weiteren Einheimischen entstanden Anfang 2007 die ersten Gebäude für die Mirisa-Academy. George Taita Mitei übernahm die Leitung. Während der bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zum Jahreswechsel 2007/2008 jedoch floh er. Im September 2008 führte ihn die Liebe nach Bad Endbach, wo er mit seiner Frau Petra lebt und als „singender Busfahrer“ einen neuen Job fand. Die Leitung des Projekts übergab er seinem Bruder Paul Mitei. George Taita Mitei fliegt regelmäßig in seine alte Heimat und sammelt unermüdlich Geld und wirbt Unter­stützer für die Mirisa-Academy.

Zu deren Förderern gehört nun André Kaiser. Nach seinem ersten Besuch in dem ostafrikanischen Land wusste er: „Das ist mein Projekt für die nächsten Jahre.“ Denn ein Hilfsprojekt - am besten in Afrika -, bei dem Spendengelder nicht von einer großen Verwaltung aufgefressen werden, bei dem er auch selbst mitarbeiten und etwas direkt vor Ort bewirken kann, war schon lange sein Traum.

Kaiser ist nicht gläubig, aber er ist überzeugt, dass jeder Mensch die Welt verbessern kann - und das auch tun sollte, damit sie besser und lebenswerter wird. Er geht mit gutem Beispiel voran und ermuntert Mitarbeiter, Kollegen und Kunden zum Mitmachen. Mit Gleichgesinnten gründete er den „Förderverein Nakuru“, dessen mehr als 100 Mitglieder unter anderem die Gesundheitsvorsorge in der Mirisa-Academy finanzieren. Sechs Euro koste eine medizinische Vorsorgeuntersuchung inklusive Impfung und Wurmkur für ein Kind in Kenia, erklärt Kaiser.

Daniela Schneider erklärt Kindern die Zahnpflege

Während die „Friedenskinder“ die laufenden Kosten für Kindergarten und Schule übernehmen und den weiteren Ausbau organisieren, kümmern sich Kaiser und sein Verein um die „Kleinigkeiten“. Dazu gehört die Unterstützung einer Gemeindeschwester, die im Außenbezirk von Nakuru oft die Aufgaben eines Arztes übernimmt und sich in Erster Hilfe genauso auskennt wie in Geburtshilfe.

Dieses Mal werden auch die Feuerwehrleute vor Ort bedacht: Ein befreundeter Lagerleiter aus Breuna organisierte gebrauchte Schutzkleidung. Der Bezirk Nakuru mit seinen knapp 400000 Einwohnern verfügt nämlich nur über 30 Berufsfeuerwehrleute mit zwei Einsatzfahrzeugen, erläutert Kaiser.

Wer mit ihm zusammen nach Kenia fliegt, muss sich beim Fluggepäck einschränken, denn der zweite Koffer ist stets für Spenden - diesmal die Feuerwehrbekleidung - reserviert.

Zu der fünfköpfigen Gruppe gehört diesmal auch eine Zahnarzthelferin: Daniela Schneider aus Bad Endbach. Ihr Chef in Gladenbach, Dr. Robert Stodtko, stellte sie für eine Woche von ihrer Arbeit frei, damit sie Kindern in der Mirisa-Academy eine intensive Einführung in die Zahnpflege gibt.

Eigentlich seien Hilfsbereitschaft und soziales Engagement eine sehr egoistische Angelegenheit, sagt Kaiser. Denn für andere Menschen etwas Gutes zu tun, gebe einem große Befriedigung. Und „strahlende Kindergesichter sind überhaupt die schönste Belohnung.“

von Peter Piplies

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr