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Wanderkarte statt Kaffeemaschine

Naturpark Lahn-Dill-Bergland Wanderkarte statt Kaffeemaschine

Kultur, Astrophysik oder vielleicht doch Tourismus? Was Vera Langfeld aus Liverpool einmal studieren möchte, weiß sie noch nicht genau. Sie hat ein Praktikum im Hinterland zur Orientierung genutzt.

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Markus Scheidt (von links), Vera Langfeld, Friderike Hegener und Markus Wege sehen nach, wo sie ihre Tour noch hinführt und welche Wanderungen sich darüber hinaus anbieten.

Quelle: Manuela Jung

Bad Endbach. Nur eine Woche dauerte das Hineinschnuppern. Anders lässt es das britische Schulsystem nicht zu. Und dennoch: „Ich kann einige Erfahrungen mitnehmen“, sagt Vera Langfeld. Ihr Praktikum machte die Schülerin aus Liverpool in der Geschäftsstelle des Naturparks Lahn-Dill-Bergland in Bad Endbach – und dort sorgten die Kollegen dafür, dass die Schülerin keinesfalls nur für das Kaffee kochen zuständig war. Denn wer dort in die Arbeit ­
hineinschnuppern will, der muss auch seinen Schwerpunkt kennenlernen: das Wandern.

Insgesamt verfügt der Naturpark über 19 Touren und den bekannten Lahn-Dill-Bergland-Pfad – rund 350 Kilometer Premiumwanderweg sind das. Für Vera Langfeld und ihre Mitwanderer sollte es die Burgentour über 11,3 Kilometer sein – bei 30 Grad im Schatten eine gelungene Abwechslung vom Büroalltag. Das fand auch Friderike Hegener, die im Tourismus-Management arbeitet und die Liverpoolerin betreut hat.

Ebenfalls dabei: Markus Scheidt von Hessen Forst, er kennt sich bestens auf den Wanderrouten aus, und Markus Wege, er ist Koordinator an der Gladenbacher Europaschule und hat Langfeld das Praktikum organisiert. „Wir wollen Vera unsere Region nicht nur auf der Karte zeigen“, sagt Hegener, „Vera soll das Produkt unserer Arbeit hautnah ­erfahren.“ Eine Idee, die bei der 17-Jährigen auf Begeisterung stieß: „Wandermöglichkeiten gibt es bei Liverpool nicht so viele“, weiß sie, „die Leute gehen eher an den Strand oder einkaufen.“

„Etwas ganz anderes entgegen der Großstadt“

Hegener freut sich, dass Vera die Rundwanderung von der Schutzhütte in Großaltenstädten entlang von Bächen, durch Wälder und über das Feld gefallen hat. Als Mitarbeiterin­ hofft sie natürlich, dass die Schülerin, zurück in ihrer Heimat Liverpool, Werbung für die Wanderstrecken des Naturparks machen wird.

Vera Langfeld ist eine von dreien, die an dem Austausch zwischen den Schulen in Gladenbach und West Kirby teilgenommen haben. Den gibt es bereits seit 37 Jahren und ermöglicht Schülern ein Praktikum im ­europäischsprachigen Ausland. Dabei ist der Liverpoolerin Deutschland nicht unbekannt, es ist sogar ihre Heimat: „Wir sind ausgewandert, als ich sechs Jahre alt war“, erzählt sie. Das Praktikum habe ihr dennoch viele neue Eindrücke vermittelt.

Ob sie dann tatsächlich Tourismus studiert, bleibt abzuwarten; die Lust an Wanderungen in Deutschland wird sie aber wohl nicht mehr verlieren: „Es ist schön hier und etwas ganz anderes entgegen der Großstadt, in der ich zu Hause bin.“

Zwei weitere Gastschüler aus Großbritannien absolvierten ebenfalls ein Praktikum im Hinterland – im evangelischen und katholischen Kindergarten in Gladenbach. Im Gegenzug werden im April drei Jugendliche aus der Gladenbacher Europaschule nach England reisen und dort ein zweiwöchiges Praktikum machen.

von Manuela Jung

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