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„Billiger Mann“ tritt von der Bühne ab

Michaelismarkt Hartenrod „Billiger Mann“ tritt von der Bühne ab

Der Abwärtstrend der ­vergangenen Jahre beim traditionellen Michaelismarkt in Hartenrod hat sich fortgesetzt. Gerade einmal eine Handvoll Händler hatte in der Poststraße ihre Stände aufgebaut.

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Ortsvorsteher Hans-Jürgen Debus (links), Marktmeister Rüdiger Preisler (Dritter von links) und Hartenroder Marktbesucher verabschiedeten ihren „Billigen Mann“, Peter Schuchardt (Zweiter von links), der 48 Jahre lang als Marktbestücker in den Bad Endbacher Ortsteil gekommen war.

Quelle: Sascha Valentin

Hartenrod. Der Michaelismarkt sei zwar schon immer der kleinste der vier Märkte in Hartenrod gewesen, sagte Hermann Bamberger vom Kultur- und Förderverein Jeegels Hoob, aber „wir müssen uns eingestehen, dass wir ihn so auf Dauer nicht halten können“.

Weil die mehr als 350 Jahre währende Markttradition in Hartenrod jedoch erhalten bleiben soll, hat sich die im vergangenen Jahr ins Leben gerufene Marktkommission auch um die Zukunft des Michaelismarktes Gedanken gemacht. „Unsere Idee ist, ihn im kommenden Jahr auf den Samstag zu verlegen, an dem auch die Feuerwehr ihren Tag der offenen Tür hat“, berichtete Bamberger.

Dieser Termin biete zumindest das Potenzial für mehr Besucher, da an einem Samstag auch die unter der Woche Berufstätigen kommen können. „Die reinen Krammärkte ziehen jedenfalls nicht mehr“, stellte Bamberger fest. Es bedürfe schon eines gewissen Eventcharakters, um Besucher anzuziehen. Beim Fastnachtsmarkt sei das die Feuerwehr mit ihrem deftigen Mittagessen und dem Strohbären, und beim Johannis- und Adventsmarkt das bunte Programm. Auch der Michaelismarkt brauche ein solches zweites Zugpferd, sagte Bamberger. Trotz der geringen Zahl an Händlern war die Laune der Besucher in Hartenrod gut – zumal es auch etwas zu feiern gab.

Ernennung zum Hauptoberehrenmarktbeschicker

Nach 48 Jahren als Marktbestücker verabschiedete sich Peter Schuchardt in den Ruhestand – oder besser: Er wurde verabschiedet. Denn Ortsvorsteher Hans-Jürgen Debus hatte dem „Billigen Mann“, als der er auf den Hartenröder Märkten bekannt war, ein Abschiedsgeschenk mitgebracht.

„Jeder Marktbesucher kennt dich, und es gibt sicherlich keinen Händler, der die Entwicklung der Märkte besser beurteilen kann als du“, würdigte Debus die lange Zeit, die Schuchardt nach Hartenrod gekommen ist. In den 48 Jahren habe er stolze 192 Mal den Weg vom Westerwald ins Hinterland mit seinen Haushaltswaren und Geschenkartikeln angetreten. Wenn er seinen Job nun an den Nagel hängt, gehe den Menschen auch ein geschätzter Gesprächspartner verloren, sagte Debus. „Und als Ortsvorsteher habe ich das Recht, dich nun zum Hartenröder Urgestein zu ernennen.“

Den Glückwünschen schloss sich neben den anderen Marktbesuchern auch Bamberger an, der für Schuchardt ein Gedicht geschrieben hatte und ihm darin ebenfalls einen Ehrentitel verlieh: den des Hauptoberehrenmarktbeschickers. Auch wenn Peter Schuchardt künftig nicht mehr selbst nach Hartenrod kommt, müssen die regelmäßigen Marktkunden seine Waren nicht vermissen. Denn Schuchardts Bruder Werner wird den Betrieb weiterführen und auch die Märkte in Hartenrod bestücken.

von Sascha Valentin

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