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Die Silphie macht Bienen glücklich

Schlierbacher Imker Paul Gerhardt Die Silphie macht Bienen glücklich

Die Sonne hat den letzten Schnee vertrieben und nun fliegen sie wieder, die Bienen. Um sie zu fördern, hat ein Imker aus Schlierbach einen Acker mit der bienenfreundlichen Silphie bepflanzt.

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Der Schlierbacher Imker Paul Gerhardt – an seinen Bienen-­Beuten stehend – hat auf seinem eigenen Acker 6000 Silphien-Setzlinge gepflanzt.

Quelle: Peter Piplies

Schlierbach. Paul Gerhardt macht sich große Sorgen um seine Bienen. In der aufgeräumten Landschaft fänden die Insekten immer weniger Blüten, aus denen sie Nektar und Pollen sammeln können, sagt der Imker. Ernährung und Fortpflanzung der für die Bestäubung von Kulturpflanzen so wichtigen Bienen seien damit gefährdet.

Vor allem die industrialisierte Landwirtschaft stellt Gerhardt zufolge ein Problem dar. Der Imker nennt insbesondere den Anbau von Futtermais als Monokultur auf großen Flächen als Ursache. Die Maisäcker würden mit gefährlichen Chemikalien gespritzt. Die verwendeten Pflanzen- und Insektengifte seien tödlich für die Bienen. Für die Insekten wäre es dem Imker zufolge wichtig, zu einer kleinteiligen, umweltfreundlichen Landschaft zurückzukehren.

Die aus Nordamerika stammende Silphie bezeichnet Gerhardt hierbei als sehr gute Alternative zum Mais. Denn die mehrjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler eigne sich nicht nur als Futter- und Silage­pflanze, sondern könne aufgrund ihrer großen Biomasseproduktion auch als Energiepflanze angebaut werden. Und: Die Silphie gilt als gute Bienenweide, sagt Gerhardt. Sie blüht demnach von Juni bis September und damit in einer Zeit, in der Honigbienen nicht mehr allzu viel Nektar finden.

Leider gebe es von staatlichen Stellen keine Unterstützung für das Anlegen von Bienenfutterflächen, bedauert der Imker. Er selbst hat sich dennoch entschlossen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Und so hat der Schlierbacher Bienenexperte seinen eigenen 1400 Quadratmeter großen Acker mit der bienenfreundlichen Silphie bepflanzt.

Gerhardt: Umstellung rechnet sich langfristig

Eigenhändig hat er 6000 Setzlinge in den Boden gebracht. Die nötige Handarbeit sei vermutlich auch das Problem, vor dem die größeren landwirtschaftlichen Betriebe zurückschrecken, vermutet Gerhardt. Denn Handarbeit sei kostenintensiv; der Mehraufwand lasse sich bei den aktuellen Lebensmittelpreisen in Deutschland kaum an den Verbraucher weitergeben.

Gerhardt ist dennoch überzeugt: Längerfristig würde sich die Umstellung von Mais auf die bienenfreundliche Silphie wirtschaftlich rechnen. Denn die Futter- und Energiepflanze benötige ab dem zweiten Jahr keine weitere Behandlung und im Gegensatz zum Mais müsse die ursprüngliche Wildpflanze auch nicht mit chemischen Giften gegen Unkräuter behandelt werden.

Um einen Ernteausfall im ersten Jahr auszugleichen – die Silphie braucht etwa ein Jahr, um vom Setzling zur vollen Pflanzen heranzuwachsen – könne die Silphie zusammen mit Mais ausgesät werden, sagt Gerhardt. Einmal angewachsen und am Standort etabliert, bringe sie dann jahrzehntelang gleichbleibende Erträge.

Wenn Gerhardts Silphienfeld, das oberhalb von Schlierbach liegt, im Sommer dann in voller Blüte steht, werden Bienen aus Bottenhorn und dem Hülshof, Hartenrod und Bad Endbach zu diesem „Futterplatz“ kommen können.

von Peter Piplies

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