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Rathaussaal bleibt für Vereine tabu

Stadtverwaltung Rathaussaal bleibt für Vereine tabu

Wer darf den Rathaussaal wofür nutzen? Manche Biedenkopfer Vereine sind verunsichert. Früher gab es Konzerte oder Empfänge im Saal. Früher. Gibt es heute also keine Kultur mehr im Rathaussaal?

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Im denkmalgeschützten Rathaussaal in Biedenkopf finden nur noch städtische Veranstaltungen statt. Vereine können den Saal nicht mehr für ihre Veranstaltungen mieten.

Quelle: Susan Abbe

Biedenkopf. Örtliche Vereine erhalten Absagen von der Stadt, wenn sie den Rathaussaal für ihre Veranstaltungen mieten wollen: „...müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass eine Nutzung des großen Sitzungssaales im Rathaus Biedenkopf für ­eine derartige Veranstaltung nicht möglich ist“, heißt es etwa in einem Antwortschreiben, das ein Verein im Jahre 2014 erhielt.

Neu sind solche Absagen an Vereine also nicht. Verwunderung lösen sie dennoch bei manchem Biedenkopfer aus. Denn die Leute erinnern sich gut, dass Vereine den Rathaussaal früher sehr wohl für Konzerte, Empfänge oder Ähnliches nutzen konnten.

Das bestätigt auch Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD). Bis 2011/12 haben demnach externe – also nichtstädtische – Veranstalter den Saal für Diavorträge, Firmen- und Vereinsjubiläen, Schulveranstaltungen, Weihnachtsfeiern oder private Feiern genutzt. Pro Jahr dürfte „eine mittlere zweistellige Zahl“ solcher Veranstaltungen im Rathaussaal stattgefunden haben, sagt Thiemig auf Nachfrage.

Bedingung: Stadt 
muss mit im Boot sein

Inzwischen lehnt die Stadt solche Veranstaltungen jedoch ab. Und das führt zu Unsicherheiten. Ein Mitglied der Werbe­gemeinschaft Treffpunkt etwa fragt sich, was aus ihrem Neujahrsempfang werden soll. Und auch das Gerücht, dass das traditionelle Flügelschlagkonzert im Rathaussaal in Gefahr sei, geht um. Zumal Kulturreferentin Birgit­ Simmler, die das Konzert mitorganisiert, Biedenkopf im Herbst verlässt.

Der Bürgermeister beruhigt diesbezüglich. Weder der Neujahrsempfang, zu dem der Treffpunkt und die Stadt gemeinsam einladen, noch das Flügelschlagkonzert sei in Gefahr. Auch hieran ist die Stadt beteiligt. Und die Grundregel lautet laut Thiemig: Für städtische Veranstaltungen steht der Saal nach wie vor zur Verfügung.

Richtig ist laut Bürgermeister aber, dass Veranstaltungen, an denen die Stadt nicht beteiligt ist, nicht mehr im Rathaussaal stattfinden – und zwar schon seit einigen Jahren. Thiemig erklärt dazu, dass es vor seinem Amtsantritt 2011 „keine klaren Regelungen bezüglich der Nutzung“ des Saals gegeben habe. Zugleich habe die Belegung durch externe Veranstalter in dieser Zeit aber zugenommen.

„Diese intensive Nutzung des – übrigens denkmalgeschützten – großen Sitzungssaales führte­ zu starkem Verschleiß und ­Beschädigungen“, sagt Thiemig. Gerade der Fußboden habe unter den vielen Veranstaltungen gelitten. Und: Die externen Nutzer hätten Saal und Toiletten nicht immer sauber hinterlassen. „Mitunter gab es am nächsten Tag daher unschöne Überraschungen“, erklärt Thiemig weiter. Überdies musste die Stadt abends Personal zum Auf- und Abschließen bereitstellen.

Thiemig: Keine Sorge um Flügelschlagkonzert

Und dann sind da noch die beiden Flügel im Saal, die Privatleute als Leihgaben zur Verfügung gestellt haben. Auch diese beiden wertvollen Instrumente sprechen laut Thiemig gegen die öffentliche Vermietung des Saals.

Um alle Interessenten gleich zu behandeln, sei schließlich festgelegt worden, den Saal externen Veranstaltern nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Einziges Kriterium, damit eine Veranstaltung im Rathaussaal stattfinden kann, ist seither, dass die Stadt Mitveranstalter ist. „Dies entspricht der Zweckbestimmung des großen Sitzungssaals. Eines formalen Beschlusses bedurfte es dazu nicht“, sagt Thiemig.

Dass die Entscheidung „nicht überall Freude auslöst“, sei ihm bewusst. Er könne gut verstehen, dass Vereine den Saal mit seinem Ambiente gern nutzen würden. Zugleich bittet Thiemig um Verständnis.

Dem Gerücht, die Stadt sperre­ Vereine aus dem Rathaussaal aus, damit das Biedenkopfer Bürgerhaus häufiger gemietet wird, erteilt Thiemig auf Nachfrage eine Absage. Mit dem Bürgerhaus-Pächter gebe es keine derartige Vereinbarung.

Die Sorge, dass der Weggang der Kulturreferentin das Aus für das Flügelschlagkonzert bedeutet, teilt Thiemig nicht. Die Suche nach einem neuen Referenten laufe, derzeit fänden Vorstellungsgespräche statt. Zudem sei das Konzert vom Wechsel auf der Referentenstelle gar nicht abhängig. Thiemig: „Die Stadt ist jedenfalls an einer Fortführung des Flügelschlagkonzertes interessiert.“

von Susan Abbe

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