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Bad Endbach Spitzenreiter bei Zuschüssen

Kurort kommt teuer zu stehen Bad Endbach Spitzenreiter bei Zuschüssen

Für einigen Wirbel sorgte in Bad Endbach der 
Fingerzeig des Hessischen Rechnungshofes, künftig mehr zu sparen und eventuell auf das Prädikat „Bad“ zu verzichten.

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In der Konzertmuschel im Kurpark in Bad Endbach finden in den Sommermonaten Konzerte und Aufführungen statt.

Quelle: Archivfoto: Benedikt Bernshausen

Bad Endbach. Der Hessische Rechnungshof schlägt vor, die Kurorte in Hessen zu reduzieren. Davon betroffen wäre auch Bad Endbach. Die Gemeinde fällt unter
„die nicht tragfähigen Kurbetriebe“.

  Den Kurgemeinden schlägt der Hessische Rechnungshof vor, öfter mal den Taschenrechner zu zücken, um langfristige Defizite zu vermeiden. Präsident Walter Wallmann sieht die Gefahr, dass Kommunen in einem nicht wirtschaftlichen Kurbetrieb verharren – so wie Bad Endbach.

Für die einzige Kurgemeinde im Landkreis wurde ein Spitzenzuschusswert ermittelt: 95,50 Euro soll die Kommune eine Übernachtung pro Kurgast kosten, Gersfeld zahlt nur 3,45 Euro (Stand 2015). Bad Endbachs Bürgermeister Markus Schäfer hält die zugrunde gelegten Zahlen für völlig falsch, zudem habe sich der Rechnungshof schlichtweg um 600 000 Euro verrechnet.

Der Gemeinde sei außerdem vorgeschlagen worden, 22 Mitarbeiter zu entlassen, was die Einnahmen um 2 Millionen Euro reduziert. Die Therme müsste laut Schäfer schließen.

„Der Kurbetrieb ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Wenn wir nicht mehr Kurort sind, können wir einpacken“, sagte Schäfer.
Wallmann Forderung lautet: Erstellung eines Kurorte-Bedarfsplan, um die Anzahl zu reduzieren. Das Land Hessen soll Aussteigern aus der Kur finanzielle Hilfen anzubieten.

Der Hessische Heilbäderverband kritisiert Wallmanns Vorstoß. Der  Verband geht von 10 Millionen Übernachtungen, 40 000 Arbeitsplätzen und 2,2 Millionen Bruttoumsatz der Heilbäder und Kurorte aus.

Wallmann möchte Zahl der Kurorte verringern

„Ohne Kurbetrieb sind wir Niemandsland“, sagte Bürgermeister Markus Schäfer. Denn dazu fordert Rechnungshof-Präsident Walter Wallmann auf: darüber nachzudenken, ob sich Kommunen auf Dauer die „Kur“ noch leisten können.

Im Kommunalbericht spricht er von Fehlanreizen durch die Landesregierung zur Förderung der Kurorte in Hessen. Bad Endbach hat vor zwei Jahren 34 800 Euro vom Land erhalten, ein Jahr später 80 000 Euro mehr, weil die Verteilung der Mittel geändert wurden.

Den heimischen Kurort zieht der Rechnungshof als Beispiel heran, um darzustellen, dass der Kurbetrieb „unwirtschaftlich und nicht tragfähig“ ist. Es wird vorgerechnet: Je Übernachtung eines Kurgastes soll die Kommune 95,50 Euro zuschießen, Gersfeld nur 3,45 Euro (Stand 2015). Wallmann liebäugelt damit, die Anzahl der hessischen Kurorte zu verringern, weil die Defizite aus dem Kurbetrieb die Spielräume für kommunalen Leistungen verringern.

Für Bad Endbach wurde ein Verbesserungspotenzial von 1,7 Millionen Euro ­ermittelt. Laut Bürgermeister Schäfer hat sich das Rechnungsamt allerdings verrechnet, um 600 000 Euro. Der Betrag liege nur bei 1,12 Millionen Euro und außerdem hält Schäfer das ermittelte Potenzial für „totalen Unsinn.“

Das Prüfverfahren sei mehr als fragwürdig, sagte Schäfer. Es sei völlig außer Acht gelassen worden, dass auch Einnahmen erzielt werden. Wenn Bad Endbach sein Verbesserungspotenzial ausschöpfen möchte, ­
hieße dies, 22 Mitarbeiter zu entlassen.

„Dann kann die Therme nicht mehr betrieben werden und Einnahmen von 2 Millionen Euro fallen weg“, sagt Schäfer. Grundsätzlich: Folgt die Gemeinde dem Vorschlag des Rechnungshofes erhöhe sich das Minus um 1 Million Euro.

Wallman fordert Kurorte-Bedarfsplan

Die Gemeinde habe trotz sinkender Personalkosten andere Kosten zu tragen: zum Beispiel müsse trotz Schließung das Darlehen für die Lahn-Dill-Bergland-Therme weiter bedient werden, auch seien Gebäude- und Energiekosten zu zahlen.

Die Auswirkungen auf den Tourismussektor seien zudem erheblich, wenn die Wertschöpfung aus diesem Sektor wegfällt. Davon betroffen seien dann ­unter anderen Gesundheitseinrichtungen, Gasthäuser, Cafés, Tankstellen und der Einzelhandel. Bad Endbach hat erst Mitte des Jahres das zusätzliche Prädikat „Heilbad“ erhalten.

Die Anforderungen daran seien hoch, berichtet Schäfer. Diese Prädikatisierung führt aber laut Wallmann automatisch zu einer Förderung durch das Land. Aus Wallmanns Sicht müsse eingestellt werden, dass die Anerkennung durch einen privaten Verein bewirke, dass das Land Hessen eine Prädikatisierung ausspricht.

„Das Land sollte einen ­Kurorte-Bedarfsplan erstellen.Wesentliche Kriterien sollten Kuraufent­halte, medizinische Notwendigkeiten, Infrastruktur und Leistungsangebot sowie die räumliche Verteilung der Kurorte in Hessen sein“, sagt er.

40 000 Arbeitsplätze

Der Hessische Heilbäderverband als eingetragener Verein macht deutlich, dass die Prädikatisierung beim Fachausschuss für Kurorte sowie
 Erholungs- und Tourismusorte beim Regierungspräsidium Kassel liegt. Für den Verband gilt: „Nur wo Bad drauf steht, ist auch Bad drin.“

Die Wichtigkeit der Heilbäder und Kurorte in Hessen macht der Verband an folgenden Zahlen fest: zehn Millionen Übernachtungen pro Jahr, 2,2 Millionen Bruttoumsatz und 40 000 Arbeitsplätze.

Bürgermeister Markus Schäfer hält das Vorgehen des Hessischen Rechnungshofes für absolut falsch. Wolle Wallmann die Anzahl der Kurorte reduzieren, dann soll er doch sagen: „Macht das Buch zu und wir siedeln euch um!“

von Silke Pfeifer-Sternke

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