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Backpfeifen oder Kopfnüsse?

Amtsgericht Backpfeifen oder Kopfnüsse?

Folgen einer Schlägerei vor einer Discothek in Niederasphe: Ein 31-Jähriger muss 1000 Euro Schmerzensgeld für die von ihm verabreichten Ohrfeigen an einen 18-Jährigen zahlen.

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Folgen einer Schlägerei vor einer Discothek in Niederasphe: Ein 31-Jähriger muss 1000 Euro Schmerzensgeld für die von ihm verabreichten Ohrfeigen an einen 18-Jährigen zahlen. Dazu verurteilte ihn das Biedenkopfer Amtsgericht.

Quelle: Archiv

Biedenkopf. Waren es „Kopfnüsse“ oder doch „Ohrfeigen“, was war der Grund für eine Auseinandersetzung während eines Discobesuches? Dies wurde am Dienstag während einer Gerichtsverhandlung vor Richter Mirko Schulte im Amtsgericht Biedenkopf aufgerollt. Amtsanwältin Julia Schmidt von der Staatsanwaltschaft in Marburg legte einem 31-Jährigen zur Last, am 7. September im Münchhäuser Ortsteil Niederasphe vor einer Diskothek einen 18-Jährigen misshandelt zu haben, sodass dieser nach zwei Kopfstößen ein Schädelhirntrauma, eine Zahnabsplitterung, Platzwunden und eine Jochbeinprellung davon trug.

Gegenüber dem Richter berichtete der Angeklagte von einer Fußballfeier mit viel Spaß und reichlich Alkohol, an die sich ein Diskobesuch mit Bekannten und seinem späteren Kontrahenten anschloss. Dieser habe zu ihm gesagt: „Du Russe, jetzt kannst du weiter saufen.“ Daraufhin habe er entgegnet: „Halte dich mit Äußerungen zurück, wir kennen uns nicht.“

Gegen 2.15 Uhr habe er den jungen Mann angesprochen: „Was ist los mit dir?“. Dieser antwortete: „Lass mich in Ruhe, du Drecksrusse“ und sagte auch etwas über seine Mutter, was er jedoch aufgrund der Lautstärke nicht verstanden habe.

Aus Fäusten wurden später Kopfnüsse als „Tatwaffe“

Vor der Tür habe er dem 18-Jährigen zwei Ohrfeigen verpasst und gegen 4 Uhr die Disko verlassen. Eine Frau habe ihn mit „Drecks-Assi-Pack“ beschimpft, und dann sei die Polizei gekommen. Was er so alles getrunken habe, wollte Richter Schulte wissen, der dem jungen Mann 1,44 Promille vorhielt.

Zum Tathergang sagte der Angeklagte, er sei Linkshänder, worauf der Richter die Hand auf eventuelle Verletzungen in Augenschein nahm. „Wie können Sie sich erklären, dass der Geschädigte nach den Ohrfeigen eine Zahnabsprengung hatte“, fragte Schulte und bezog sich auf Zeugen, die von zwei „Kopfnüssen“ berichteten. Dies führte der Angeklagte auf das aufgeregte Verhalten der Mutter des 18-jährigen zurück, die ihn als „Assi-Pack“ tituliert und von ihm noch am Abend schon hohes Schmerzensgeld forderte.

Der Anwalt des Angeklagten machte das Gericht darauf aufmerksam, dass unmittelbar nach der Tat von einer „Faust“ gesprochen wurde und nach 1,5 Monaten zum ersten Mal die „Kopfnuss“ auftauchte. Der Richter hielt dem Angeklagten vor, er solle geäußert haben, er habe Lust jemanden zu schlagen. Was dieser jedoch verneinte und berichtete, dass er sich danach bei dem 18-Jährigen mehrmals entschuldigte.

Richter untersucht Handy

Schulte nahm während der Verhandlung auch das Handy des Angeklagten in Augenschein und dabei das Simsen zwischen der Freundin des Geschädigten und dem Angeklagten, mit den Hinweisen auf die von der Mutter des 18-Jährigen gewünschte Falschaussage. Die als Zeugin gehörte Freundin gab später an, dass sie die „Kopfnüsse“ nicht gesehen habe. Der 18-Jährige gab an, dass es vermutlich durch die Lautstärke in der Disko zu einem Missverständnis mit den späteren Folgen gekommen sei. Seine Verletzungen seien attestiert worden. Er erwarte ein gerechtes Urteil. Die Frage des Richters nach Schmerzensgeld bejahte er. Für ihn seien es nicht Schläge in das Gesicht, sondern „Kopfstöße“ gewesen, worauf Richter Schulte sowohl den Angeklagten als auch den Geschädigten gegenüberstellte.

Ein weiterer Zeuge gab an, dass er an dem Abend zwischen den beiden vermitteln wollte, sich dazwischen gestellt habe, aber nicht verhindern konnte, dass der Geschädigte zwei „Backpfeifen“ erhielt. Den Arm habe er im Gesicht gespürt.

In einem Vergleich einigten sich die Beteiligten auf die Zahlung von 1000 Euro Schmerzensgeld unter Ausschluss aller weiteren Ansprüche.

von Helga Peter

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