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Aus der Region direkt auf den Tisch

Direktvermarkter Aus der Region direkt auf den Tisch

Frisch, unbehandelt und aus der Region haben es immer mehr Verbraucher am liebsten: Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt und das Bewusstsein für die Herkunft der Waren wächst.

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Auf dem Marburger Wochenmarkt in der Frankfurter Straße bietet Harry Kull seine frischen
Erzeugnisse an.

Quelle: Thorsten Richter

Hinterland. Im Landkreis werden viele Bio-Produkte von Landwirten angebaut oder hergestellt und verkauft. Ohne weite Wege gelangen die Bio-Produkte vom Erzeuger auf den Tisch der Verbraucher. Der Erfolg steht und fällt allerdings aufgrund oft fehlender Vertriebswege mit der Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Vermarktung erfolgt über

  • Hofläden
  • Wochenmärkte
  • Selbsternte
  • Lieferdienste

Vor allem junge Familien mit Kindern oder Rentner zählen zu den Kunden im Hofladen von Ludwig Klingelhöfer in Großseelheim, der zudem Vorsitzender des Vereins Landwirtschaftlicher Direktvermarkter Marburg-Biedenkopf ist. Die Frische und die Qualität der Produkte bei Direktvermarktern seien zwar auf der Positivseite zu vermerken, aber oftmals hätten heimische Anbieter das Nachsehen gegenüber Supermärkten aufgrund des Preises und weil die Hofläden nicht durchgehend geöffnet haben.

Bioprodukte-Umsatz lag 2014 bei 8 Millionen Euro

Vor allem in den Sommermonaten, wenn Direktvermarkter noch auf dem Feld arbeiten müssen, blieben die Läden in den Mittagsstunden geschlossen - ein Nachteil, sagt Klingelhöfer.

Mit der Direktvermarktung bessern sich einige Anbieter als Nebenerwerbslandwirte ihr Einkommen auf oder bauen aus Überzeugung ausschließlich Bio-Produkte an. Damit liegen sie im Trend. 2014 betrug der Umsatz auf dem Bio-Markt in Deutschland 8 Milliarden Euro.

Im gesamten Bundesgebiet wurden 6,4 Prozent der Flächen für Ökolandbau genutzt, in Hessen waren es 10,9 Prozent der Fläche. Nach dem Willen der Bundesregierung soll diese Öko-Landbaufläche deutschlandweit auf 20 Prozent ansteigen, weil ökologischer Landbau als besonders ressourcenschonend und umweltverträglich gilt.

Die Direktvermarktung hat eine lange Tradition. Angefangen hat alles damit, dass die Biobauern wegen der fehlenden Absatzwege die Vermarktung ihrer Produkte selbst in die Hand nahmen.

Auch Klingelhöfers haben vor 60 Jahren mit der Direktvermarktung angefangen - erst die Großeltern, dann die Eltern und jetzt führt der Sohn die Tradition fort, passt sich aber den geänderten Bedingungen an und treibt auch die Internetpräsenz voran.

Jeder entscheidet selbst, wo wer einkauft

Auf der Homepage www.regionale-entdeckungen.de präsentiert sich der Verein der Direktvermarkter mit seinen Mitgliedsbetrieben. Es braucht dennoch viel mehr, um das Interesse der Kunden zu wecken, weiß der Vorsitzende aus Erfahrung. Klingelhöfers öffnen deshalb zum Beispiel ihre Ställe während eines Tages der offenen Tür und potenzielle Kunden, die wissen wollen, wie die Tiere, deren Fleisch auf ihrem Grill landet, gehalten werden, werden gern über den Hof geführt.

„Jeder entscheidet selbst, wo er einkauft. Nur wenige fahren 20 Kilometer mit dem Auto, um eine rote Wurst zu kaufen“, sagt Klingelhöfer. Direktvermarkter unterscheiden sich vor allem dadurch, dass sie Frische und saisonale Produkte anbieten.

„Manchmal ist das Nachge­fragte einfach nicht da, wie zum Beispiel geräucherter Schinken, der nur im Winter hergestellt wird“, sagt Klingelhöfer. Supermärkte hingegen böten Vielfalt und alles zu jeder Jahreszeit an. Doch auch dort gibt es Nischen für Bioprodukte. So hat sich die Marke „Landmarkt“ der Vereinigung der Hessischen Direktvermarkter (VHD), bei der 22 Betriebe aus dem Landkreis und bundesweit 350 vertreten sind, in Rewe-Märkten etabliert. Die Vermarktungsinitiative besteht seit zehn Jahren.

Heute beliefern rund 160 Betriebe in etwa 4000 Lieferbeziehungen und mit rund 3000 Artikeln mehr als 200 Rewe-Märkte der Region Mitte.

Der Vorsitzende der VHD, ­Oswald Henkel, sieht das Konzept der Zusammenführung von Handel und Verbrauchern aufgrund der steigenden Nachfrage als Erfolg an. Dieser Absatzweg bringt laut Klingelhöfer für alle Beteiligten Vorteile: den Direktvermarktern, den Marktbetreibern und den Kunden.

Konsumentenwunsch: artgerechte Tierhaltung

Die Förderung von Direktvermarktern hat sich auch der Verein Region Lahn-Dill-Bergland auf die Fahnen geschrieben. Der Verein will mit der Vermarktung regionaler Produkte die regionale Identität fördern und ein Gefühl von Heimat schaffen.

Der Verein bestätigt, dass Hofläden sowie die Belieferung der Kunden mit Gemüsekisten im Trend liegt, ebenso wie der Verkauf von Bioprodukten über Automaten wie bei der Familie Jung in Bellnhausen, die 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche frische Eier ihrer Campinghühner verkaufen sowie andere Produkte wie Käse, Kartoffeln oder Wurst von anderen regionalen Anbietern.

Seit 2009 bietet der Verein selbst das „Landpaket“ an, das mit diversen heimischen Produkten bestückt ist und über die Blaumühle in Erdhausen vertrieben wird.

„Die steigende Nachfrage nach regionalen Produkten trägt dem Wunsch der Konsumenten Rechnung, auf eine umweltschonende Wirtschaftsweise und artgerechte Tierhaltung zu achten. Der Kauf von regionalen Produkten wird als aktiver Naturschutz wahrgenommen. Er fördert die Identifikation mit der Heimat und dient dem Erhalt der Biodiversität“, sagt Marion Klein vom Naturpark Lahn-Dill-Bergland. Im Landkreis gibt es eine Vielzahl von Direktvermarktern. Die OP stellt sie in ­einer neuen Serie vor.

von Silke Pfeifer-Sternke

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