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Aus dem Futtertrog in die Psychiatrie

Amtsgericht Aus dem Futtertrog in die Psychiatrie

Für ihre Fahrt im Vollrausch wurde eine 45-Jährige zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 12 Euro verurteilt. Außerdem wurde ihr die Fahrerlaubnis entzogen und für weitere vier Monate gesperrt.

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Nach einer Unfallfahrt fanden Polizisten die Fahrerin in der Futterkrippe einer Schafskoppel. Sie war barfüßig, verlangsamt in ­
Sprache und Bewegung und konnte sich an nichts erinnern.

Quelle: Nadine Weigel/Montage: Hirsch

Biedenkopf. Wie sich die Abläufe in der Nacht beziehungsweise den frühen Morgenstunden des 10. April dieses Jahres abspielten, daran konnte sich eine 45-jährige Hinterländerin nicht mehr erinnern.

Die Frau hatte sich am Dienstag vor dem Amtsgericht Biedenkopf zu verantworten, da es in der Gemarkung Dautphetal am 10. April in der Zeit von 4.50 Uhr bis 6.50 Uhr zu einem Unfall gekommen war, bei dem die Frau mit ihrem Auto gegen einen Baum fuhr und später von der Polizei in einer Futterkrippe einer Schafskoppel liegend aufgefunden wurde. Auffallend gewesen seien laut Polizeibericht die bloßen Füße und die verlangsamte Sprache beziehungsweise Bewegung der Unfallfahrerin.

Amtsanwältin Julia Schmidt von der Staatsanwaltschaft Marburg legte der 45-Jährigen in der Anklageschrift fahrlässige Trunkenheit im Straßenverkehr durch berauschende Mittel zur Last.

Richter Mirko Schulte befragte die Angeklagte, die nach einem Telefonat mit ihrem Verlobten gegen 23 Uhr von der Einnahme einer Schlaftablette berichtete, wonach sie anschließend zu Bett gegangen sei. An das, was danach passierte, könne sie sich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Erst in der Psychiatrie sei sie wieder zu sich gekommen. Ihr Verlobter habe ihr von den Vorkommnissen erzählt.

Schulte fragte die Angeklagte, ob sie damals großen Kummer hatte und gar sterben wollte. Das verneinte die Angeklagte. Daraufhin verlas der Richter Werte des forensischen Gutachtens, wonach bei der Frau 3400 Mikrogramm dieses Medikamentes pro Liter Blut festgestellt wurden. Dies sei als eine toxische Menge anzusehen. „Wie erklären sie sich, wie das in ihr Blut gelangte?“ Die Frau berichtete darauf hin, auch von der Einnahme des Medikamentes als Mittel für ihr ADHS-Syndrom. Dieses Medikament, das sie zweimal am Tage benötige, schleiche sich jedoch nach etwa fünf Stunden wieder aus dem Körper. Das Medikament steigere bei ihr die Konzentration und vermittele ein Gefühl der „Frische“.

Wodkaflasche vom Freund angebrochen

Die Frau beteuerte, dass sie nicht alkoholabhängig sei, obwohl aus ihrem Umfeld angegeben wurde, dass sie eine Eigenentziehung betrieben habe. Zu der in ihrem Schlafzimmer vorgefundenen angebrochenen Wodka-Flasche, nach der Schulte fragte, ordnete die Angeklagte diese ihrem Verlobten zu. „Hatten sie die Tabletten mit Wodka genommen?“, fragte der Richter nach. Die Angeklagte verneinte dies ebenfalls.

Die Vorgänge in der Unfallnacht seien durchaus mit der Medikamenteneinnahme in Zusammenhang zu bringen, erklärte der Verteidiger der Angeklagten. Das Gericht legte Fotos vom Unfallort vor und gab den Blutalkoholgehalt als negativ an.

Die Staatsanwältin sah in ihrem Plädoyer den Vorwurf als erwiesen an und führte aus, dass die Angeklagte eine massive Dosis eingenommen haben müsse weil sie sich an nichts mehr erinnern könne. Sie beantragte eine Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu je 15 Euro sowie den Einzug des Führerscheins und eine weitere sechsmonatige Sperre. Der Verteidiger befürwortete als Strafmaß ein Monatsgehalt und das Fahrverbot auf drei Monate herabzusetzen.

Richter Schulte verurteilte die nicht vorbestrafte Angeklagte wegen des fahrlässigen Fahrens im Vollrausch zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 12 Euro, den Entzug des Führerscheins und eine Sperre desselben für weitere vier Monate sowie die Übernahme der Verfahrenskosten. „Im Zweifelsfalle für den Angeklagten“, argumentierte der Richter, der auch aufgrund der psychiatrischen Behandlung der Angeklagten davon ausgeht, dass diese mittlerweile auf einem guten Weg sei.

von Helga Peter

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