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Aus "Wackelzähnen" werden starke Jungs

Kindergartenprojekt Aus "Wackelzähnen" werden starke Jungs

"Starke Jungs" heißt ein Projekt, mit dem sich die angehende Erzieherin Kerstin Justus zurzeit beschäftigt. Sie arbeitet im Anerkennungsjahr in der Kindertagesstätte "Sonnenschein" in Erdhausen.

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Gerade das Tauziehen vermittelt das Gefühl, gemeinsam stark zu sein. – Unter Anleitung von Michaelo Walter und Kerstin Justus trainierten die starken Jungs (kleines Bild, von links) Louis, Tim, Niklas, Cornelius, Fenn-Henri und Ben. Fotos: Hartmut Berge

Erdhausen. „Starke Jungs“ heißt ein Projekt, mit dem sich die angehende Erzieherin Kerstin Justus zurzeit beschäftigt. In ihrem dritten Ausbildungsjahr, dem Anerkennungsjahr, arbeitet sie in der Kindertagesstätte Sonnenschein in Erdhausen.

Ein eigenes Projekt gehöre verpflichtend zur Erzieherinnen-Ausbildung, erklärt die junge Gladenbacherin.

Und wie kam sie gerade auf dieses Thema? „Ich habe in der Gruppe der ,Wackelzähne´ - der künftigen Schulanfänger - beobachtet, dass bei vielen Jungs ein großes Bedürfnis besteht, sich zu bewegen, auch einmal die Kräfte miteinander zu messen“, sagt sie.

So sei das Konzept entstanden, diesen Bedürfnissen in kontrolliertem Rahmen entgegenzukommen. Mit sechs Jungs entwickelte sie allerlei Aktionen, machte unter anderem Kraft- und Ausdauerübungen.

Die Jungen durften auch mal miteinander raufen, stets kontrolliert und mit dem Wissen, dass es Grenzen und Regeln gibt. Das Bewusstsein der eigenen Stärke solle nicht darin münden, mit dieser zu protzen und sie gegenüber anderen auszuspielen, sondern Selbstbewusstsein vermitteln, betont Kerstin Justus.

Fairness und Rücksichtnahme sind daher wichtige Eckpfeiler des Projektes. Und am Ende stehe auch das Ziel, den Jungs zu vermitteln, dass der Zusammenhalt in der Gruppe wichtig sei, „man gemeinsam stark ist und so viel mehr erreichen kann als alleine“.

Beim Ideen-Sammeln für Aktionen sei der Vorschlag gekommen, mal miteinander Judo zu trainieren, berichtet die angehende Erzieherin. Weil Jungs aus der Gruppe bereits in der Judo-Abteilung des Turnvereins (TV) Gladenbach aktiv sind, war schnell der Kontakt zu Michaelo Walter geknüpft, dessen Sohn zu den „Wackelzähnen“ zählt. Walter ist TV-Vorsitzender und leitet die Judo-Abteilung. Er habe sogleich großes Interesse an der Zusammenarbeit gezeigt, sagt Kerstin Justus. Das hat seine Gründe: „Jungs haben heute wenig Möglichkeiten, in definiertem Umfeld die Kräfte miteinander zu messen“, erklärt Walter. Der Judosport biete inzwischen auch für junge Kinder eine Plattform, auf der man unter sozialen Gesichtspunkten und kontrollierten Bedingungen Kinder an den Sport heranführe.

„Judo spielend lernen“ ist der Titel einer Initiative des Deutschen Judo-Bundes, die für fünf- bis siebenjährige Mädchen und Jungs entwickelt wurde.

Die zweijährige - spielerisch aufgebauten - Ausbildungsphase habe mehrere Ziele, sie solle vor allem Kinder dazu motivieren, sich regelmäßig sportlich zu betätigen.

Michaelo Walter nennt wichtige Ziele des Trainings: die Förderung der Körperwahrnehmung und des Bewegungsempfindens sowie koordinativer und konditioneller Fähigkeiten, aber auch die Vermittlung von Werten für die eigene Sicherheit und der Erwerb von Kompetenzen zur Entfaltung der Persönlichkeit.

Die Projektziele von Kerstin Justus und das Judo-Angebot passten perfekt zusammen. Also packte Michaelo Walter Judo-Matten und -Anzüge ein und besuchte die „Wackelzähnen“ im Hort.

Gemeinsame Spiele und Übungen, zu denen auch Tauziehen zählte, machten den „starken Jungs“ sichtlich Spaß. Michaelo Walter nutzte die Gelegenheit, um Werbung für das Judo-Angebot des Vereins zu machen. Für interessierte Mädchen und Jungs im Alter von fünf bis sieben Jahren ist samstags von 14 bis 15.15 Uhr in der Grundschulsporthalle in Gladenbach Training. Wer Lust hat, kann einfach mal vorbeischauen.

Die Vorzüge regelmäßigen Trainings und die Erkenntnis, das eigene Fitness auch das Selbstbewusstsein stärkt, kennt Kerstin Justus nicht nur aus dem Lehrbuch. Sie ist von klein auf in der Gladenbacher DLRG-Ortsgruppe aktiv und bringt dort heute Kindern das Schwimmen bei.

Mit ihren „starken Jungs“ in der Kindertagesstätte Sonnenschein wird sie weiterhin arbeiten, und das Projekt wird auch Teil ihrer Abschlussarbeit sein.

von Hartmut Berge

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