Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Aus Japan nach Lohra auf Ideensuche

Dorfgemeinschaftshäuser Aus Japan nach Lohra auf Ideensuche

Ähnliche Einrichtungen, andere Probleme: Für die Kominkan-Häuser in ­Japan holte sich Professor Kazuki Tani Anregungen in der hessischen Provinz.

Voriger Artikel
Physiotherapie: Letzte Schüler verlassen Endbach
Nächster Artikel
Die Gemeinde gibt, ein Verein übernimmt

Ob an und im Bürgerhaus Lohra oder in Rollshausen: Alles wurde von Professor Kazuki Tani dokumentiert. Von Bürgermeister Georg Gaul ließ sich der Japaner alles erklären und auch die OP-Berichterstattung im Original interessierte den Professor.
Fotos: Fain/Pfeifer-Sternke

Lohra. Zwischenstopp auf dem Weg von Japan nach Hamburg: Kazuki Tani schaute vorige Woche nicht nur in der Südkreisgemeinde vorbei, seine Europareise diente der Feldforschung und bot auch Zeit für ein Gespräch in der Fachabteilung „Ländlicher Raum“ des Landratsamtes. Bei seinem Forschungsprojekt, dass er quasi im Fluggepäck mit sich führte, geht es um Bildungsarbeit und um Dorfgemeinschaftshäuser.

Genaugenommen befasst sich der Hochschullehrer der Tokyoter „University of Foreign Studies“ mit einem Forschungsprojekt über die „Verhältnisse zwischen der Stadtteil/Gemeinschaftentwicklung und der sozialen und kulturellen Arbeit für und von den Bewohnern“.

Sein Interesse gilt insbesondere der Rolle der Bürger- oder Gemeinschaftshäuser und davon gibt es in Hessen genug. Auf Lohra, und somit auch auf die dort anstehenden Umbrüche, wurde der 64-jährige Tani durch die OP-Berichterstattung aufmerksam, die er im Internet verfolgte.

Ein „unverhofftes Glück“ war für den Professor gar ein von der OP vermitteltes Gespräch mit Lohras Bürgermeister. Georg Gaul hatte sich trotz Terminnot kurzfristig bereiterklärt, den Gast aus Fernost zu empfangen. Er öffnete das Bürgerhaus, zeigte alle Räume, gab Erläuterungen zu Baujahr, Nutzung, und Sanierungsbedarf sowie der Kostensituation und beantwortete die vielen Fragen des Professors.

Im Gegenzug erfuhr Gaul, dass es in Japan seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ähnliche Einrichtungen gibt. Kominkan nennen sich dort die Häuser, die bisher - ähnlich der hiesigen Vhs - vornehmlich der Erwachsenenbildung allerdings mit dem Schwerpunkt der Gemeindewesenarbeit gewidmet sind. Auch die Dimensionen sind in Japan völlig anders. Ein durchschnittliches Haus hat eine Größe von rund 700 Quadratmetern, in Großstädten werden auch 3000 erreicht, erklärte Tani. Doch auch in Japan gibt es Probleme. Die Kominkan galten lange Zeit als altmodisch, und ein Drittel aller Häuser fristete schon ohne hauptamtliche Lehrkraft ihr Dasein. Doch zurzeit würden die Kominkan neu entdeckt und man wollte diese Entwicklung mit neuen Konzepten begleiten.

Im Anschluss an das Gespräch mit dem Bürgermeister folgte eine Fahrt durch die Gemeinde, bei der Professor Tani sich in Damm, Reimershausen, Rolls­hausen, Altenvers und Seelbach - wo sich die Ortsbewohner vom Dorfgemeinschaftshaus abgewandt und eine eigene Unterkunft geschaffen haben - ein Bild über die unterschiedlichen Haustypen machte und alle mit einem Fotoapparat dokumentierte.

von Gianfranco Fain

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr