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Aufwind für Windkraft am Hemmerich

Neuanfang Aufwind für Windkraft am Hemmerich

Lange Zeit war es ruhig um die Windpark-Pläne 
in der Gemeinde Lohra. Doch nun weht eine neue Brise aus dem Tal der Salzböde bis zum Hemmerich empor.

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Ein Dreierbund prüft und plant die Errichtung von Windrädern auf Lohraer und auch Gladenbacher Gebiet.

Quelle: Q.pictures / pixelio.de

Lohra. Von der Öffentlichkeit unbemerkt arbeiteten die Interessenten an ihrem Vorhaben, schmiedeten neue Allianzen und führten Gespräche mit Grundstückseigentümern.

Publik wurde das am Dienstag am Ende der Sitzung des Bauausschusses. Da verkündete Bürgermeister Georg Gaul, dass es ein Gespräch mit Vertretern der Bürgerwind und der Firmen Axma sowie Enercon gab. Diese wollen hinsichtlich der Windkraftnutzung in der Gemeinde Lohra eng zusammenarbeiten und zwei Messstationen aufstellen, berichtete der parteilose Bürgermeister.

Die Interessenten seien aufgefordert worden, ihre bisherigen Anträge zusammenzufassen, damit gegebenenfalls über einen Wegevertrag verhandelt werden könne. Über weitere Einzelheiten wie die beabsichtigte Anzahl der Windräder oder der vorgesehenen Standorte vermochte Gaul keine Auskunft zu geben.

Genaue Zahlen kann auch Jürgen Wierlemann, einer der Geschäftsführer der „BürgerWind Gladenbach“, noch nicht nennen. Man stehe praktisch wieder am Anfang. Die Firmen 
„Axma-Wind“, ein Tochterunternehmen 
des Windradherstellers Ener­con, sowie „BürgerWind“ haben eine Zusammenarbeit vereinbart. Deren Ziel sei, die Kosten beim Wege- und Anlagenbau sowie dem Netzanschluss und nicht zuletzt auch bei der Projektierung zu senken. Vor zwei Monaten wurde auch dazu und zur rechtlichen Abgrenzung eine Gesellschaft namens „BürgerWind Lohra“ gegründet. Dieser seien Axma und Enercon auch in der Bürgerbeteiligung entgegengekommen.

Jede Anlage braucht eigene Genehmigung

Praktisch am Anfang stehe man auch, weil die Gutachten aus den Jahren vor 2015 erneut erstellt werden müssen. Zudem verlangen die Banken für eine Kreditvergabe mittlerweile, dass Windgutachten auf einer einjährigen Messung basieren. Laut Wierlemann wollen die Interessenten die Windmessungen und auch die Auswertungen hinsichtlich des Naturschutzes so bald wie möglich in Auftrag 
geben, damit Ende 2017 
alle nötigen Unterlagen beisammen sind, um einen Baugenehmigung zu beantragen.

Denn obwohl die Flächen im neuen Teilregionalplan Energie (siehe Karte unten) enthalten sind, muss jede Anlage eine Genehmigung nach dem Bundesimmissionschutzgesetz erlangen. Liegt die Genehmigung vor, wird für die Projektierer im Jahr 2018 aber, im Gegensatz zu bisher, die Sache noch nicht in trockenen Tüchern sein. Um an eine EEG-Zulage zu kommen, müssen sie eine „Ausschreibung“ vornehmen, in der sie die Höhe der benötigten EEG-Zulage auf 20 Jahre kalkulieren. „Danach erhält man den Zuschlag, oder auch nicht“, erklärt Wierlemann.

Wenn gebaut werden könne, werde es voraussichtlich auch bei den Enercon-Windkraftanlagen des Typs E 115 bleiben. Diese haben eine Nabenhöhe von 149 und einen Rotordurchmesser von 115,7 Metern. Eine viermonatige 
Windmessung auf der mit 474 Meter höchsten Erhöhung des Altkreises Marburg hatte ergeben, dass mit Windstärken von mehr als 6,5 Metern pro Sekunde zu rechnen sei. Zudem sähen die bisherigen Gutachten günstig aus, sagte Wierlemann damals.

Für Rachelshausen wird Erlebnis erwartet

Deshalb möchten die Gesellschaften an den bisher genannten Standorten auf dem Hemmerich bei Rodenhausen festhalten, „sofern sie den 1000-Meter-
 Abstand zu den Ortschaften einhalten“. Bei den bisherigen Präsentationen war von möglichen fünf Anlagen, zwei auf Gladenbacher und drei auf Lohraer Gemarkung, die Rede. Allerdings würde 
eine Anlage im 1000-Meter-
Radius den Ortsausgang Rodenhausens in Richtung Erdhausen erfassen. Die Bürgerwind-Geschäftsführer versicherten stets, dies nicht gegen den Bürger­willen durchsetzen zu wollen.

Bei einer Bürgerversammlung bekannte zudem ein Vertreter der „Axma Wind GmbH“, schon Pachtverträge abgeschlossen zu haben, um beim rund 300 Meter hohen Teufelsberg bei Seelbach vier Windkraftanlagen zu errichten. Das Projekt ist schon seit 2012 im Gespräch. Damals ließen die Stadtwerke Marburg das Gebiet prüfen, stiegen aber 2015 nach Wirtschaftlichkeitsberechnungen aus, da der Hemmerich „nur sehr schwierig und aufwendig zu erschließen“ sei.

Zuversichtlich ist Wierlemann für das Windparkprojekt „Am Landratskreuz“. Für rund 16 Millionen will die „BürgerWind“ Gladenbach in der Gemarkung Rachelshausen und Römershausen drei Windräder errichten. „Die Nachforderungen als Ergebnis des Erörterungstermins sind in Arbeit. Wir hoffen, dass wir noch dieses Jahr die Genehmigung erhalten und 2017 mit dem Bau beginnen können“, sagt Wierlemann zu diesem Projekt, das ebenfalls schon seit Jahren „im Werden“ ist.

von Gianfranco Fain

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