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Auf der Suche nach dem richtigen Rezept

Podiumsdiskussion zum Ärztemangel Auf der Suche nach dem richtigen Rezept

Die Zentralisierung von Notdienstzentralen und die ärztliche Versorgung in ländlichen Gebieten haben im Kreis zuletzt für Diskussionen gesorgt. Die CDU will sich des Themas diesen Freitag, 12. Juni, mit einer Podiumsdiskussion annehmen.

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Ein Rezept wechselt den Besitzer. Auf der Suche nach dem passenden Rezept gegen den Ärztemangel auf dem Land sind auch die Gesundheitsexperten aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Quelle: Archivfoto

Bad Endbach. Die ärztliche Versorgung auf dem Land und der Ärztliche Bereitschaftsdienst in Marburg und Umgebung sind Themen des Gesundheitsforums des CDU-Kreisverbands diesen Freitag, 12. Juni, ab 19 Uhr in der Hessischen Berglandklinik (Landstraße 4) in Bad Endbach.

Finanzminister Dr. Thomas Schäfer und der CDU-Kreistagsfraktionschef Werner Waßmuth diskutieren auf dem Podium mit den Fachleuten Willy Welsch, Vorstandsvorsitzender des DRK-Kreisverbandes Biedenkopf, Dr. Hardo Lingad, dem Chefarzt der Berglandklinik, und Carsten Lotz, Abteilungsleiter bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Ebenfalls dort vertreten ist der Sprecher der heimischen Ärztegenossenschaft „Prima“, der Stadtallendorfer Allgemeinmediziner Dr. Ortwin Schuchardt.

Experten sind sich einig

Dass Arztpraxen auf den Dörfern verschwinden, weil es immer seltener gelingt, junge Ärzte für die Übernahme zu gewinnen, ist keine neue Erkenntnis. Steuert man dort aber nicht gegen, wird sich dies sehr negativ auf die Attraktivität vieler Dörfer im Landkreis auswirken. Darin sind sich alle Experten einig. Im regionalen Gesundheitsreport 2014 skizzierten das Hessische Sozialministerium und die Kassenärztliche Vereinigung Hessen im vergangenen Jahr die voraussichtliche Entwicklung in den kommenden Jahren.

Für die niedergelassenen heimischen Ärzte hat das Zögern vieler junger Ärzte, sich abseits des Oberzentrums Marburg als Arzt niederzulassen, auch mit der sinkenden Reputation des Berufsstandes zu tun. Die Politik sei daran mitschuldig, sagt Prima-Sprecher Dr. Ortwin Schuchardt. In der politischen Diskussion habe man es immer wieder geschafft, „die Ärzte im schlechten Licht dastehen zu lassen“. Die Strahlkraft des Arztberufs habe demnach bei den jungen Menschen nachgelassen.

Problem Bereitschaftsdienst

Der medizinische Nachwuchs habe heute auch andere Vorstellungen vom Umfang seiner Aufgabe. In ländlichen Gebieten, wo ein niedergelassener Arzt bisweilen alle drei Tage Bereitschaftsdienst hatte, sei es fast unmöglich geworden, einen Nachfolger zu finden, so Schuchardt. Dazu sei niemand mehr bereit, wenn er es als Klinikarzt oder in einer Stadtpraxis leichter haben könne. Dort gebe es auch nicht das unternehmerische Risiko, das mit dem Führen einer Praxis verbunden ist, so der Prima-Arzt.

Die oft kritisierte Veränderung der Strukturen im Ärztlichen Bereitschaftsdienst, die die niedergelassenen Ärzte außerhalb der üblichen Praxenöffnungszeiten entlasten, sei ein Versuch, darauf zu reagieren, sagt Schuchardt. Aus Patientensicht verstehe er die Kritik, aus Sicht der Ärzte sei es ein notwendiger Schritt. Und das werde beim Ärztenachwuchs auch zunehmend positiv wahrgenommen, so Schuchardt - auch wenn es eine zu kurze Zeit sei, um den Effekt endgültig zu beurteilen.

Schwer machten den niedergelassenen Ärzten das Leben auch Versuche von Klinikskonzernen, „alles aus einer Hand“ anzubieten, so der Prima-Arzt.

Zu wenig Studienplätze

Dr. Paul Otto Nowak, Vorsitzender der Bezirksärztekammer Marburg, verweist wie Schuchardt auf den generellen Ärztemangel: „Die Ärztinnen und Ärzte können sich die für sie attraktivsten Angebote aussuchen. In den 1980er Jahren bewarben sich auf eine Stelle 100 Ärzte, heute ist das Verhältnis umgekehrt.“ Weder die Ärztekammer noch Berufsverbände könnten dieses Problem lösen, sagt Nowak: „Hier ist die Politik gefragt. Die Zahl der Medizin-Studienanfänger ist im Vergleich zu den Zahlen vor 1989 zu heute drastisch reduziert worden. Es gibt zwar heute im Vergleich zu früher mehr praktizierende Ärzte, aber davon arbeiten gerade Ärztinnen oft nur in Teilzeit.“

Dr. Schuchardt bestätigt das: „Man darf in der Diskussion nicht nur die Zahl der Ärzte sehen, sondern die Zahl der geleisteten Arztstunden.“

Beide plädieren deshalb dafür, dass die Politik mehr Studienplätze schafft. Heute gebe es in Deutschland mit 10.600 Studienplätzen knapp 5000 weniger als vor der Wiedervereinigung, rechnet Nowak vor. Zudem fordert das langjährige Landespräsidiumsmitglied des Marburger Bundes, dass die sogenannten Teilstudienplätze sofort abgeschafft werden sollten. Hintergrund: Bewerber auf einen Studienplatz Medizin, die nicht den Numerus clausus erfüllen, können an Universitäten einen Studienplatz einklagen, haben allerdings nur Anspruch auf einen Teilstudienplatz für den vorklinischen Abschnitt bis zum Physikum. So können Bewerber trotz hervorragenden Leistungen im Physikum wegen fehlender Studienplätze möglicherweise nicht weiter studieren.

von Michael Agricola

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