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Auch starke Männer werden ruhiger

Treffen der Motorradfreunde Auch starke Männer werden ruhiger

Auch harte Männer werden älter und kehren zu den Wurzeln zurück. Für das Motorradtreffen in Lohra bedeutete dies den Wandel vom Großereignis zum familiären Treffen.

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Andreas Skopko aus Launsbach bei Gießen kam vor drei Jahren mit seiner Honda Gold Wing wieder zum Motorradtreffen nach Lohra.

Quelle: Archivfoto

Lohra. An diesem Samstag setzen die Motorradfreunde Lohra mit dem 31. Motorradtreffen ihre Tradition fort.

Auf dem Grillplatz an der Speckbrücke erwarten sie bis zu 300 Biker aus ganz Deutschland und vielleicht auch einige aus dem restlichen Europa. Gäste aus Ländern wie Belgien, Niederlande oder 
Irland waren früher regelmäßig auf dem Bikerfest anzutreffen. Die Veranstaltung hatte sich seit dem Start im Jahr 1986 einen guten Ruf aufgebaut, die Gäste kamen gern und bekamen auch etwas geboten.

Ob nun Lastwagenziehen – bei dem Vierer-Teams einen 38-Tonnen-Sattelzug 15 Meter in möglichst kurzer Zeit weit ziehen mussten –, Bankdrücken, Rock-Livekonzerte, Zurschaustellung der Chromgespickten Zweiräder, Ausfahrten im Konvoi oder ausschweifende Feiern samt Stripshows – das Programm bot alles, um die Klischees rund um die Zweiradliebhaber, rund um harte Jungs und leichte Mädchen zu erfüllen. Ehrungen für die Gäste mit der weitesten Anreise, die ausgefallenste Kleidung oder für die ältesten Teilnehmer taten ihr Übriges, um die Beliebtheit des Treffens zu steigern.

„Es war eine absolut schöne Zeit“, erinnert sich Kurt Schwald, der 17 Jahre lang Vorsitzender des Vereins war. Das Fest wurde immer größer, dauerte bis zu drei Tagen, an denen 1000 und mehr Gäste gezählt wurden. Dazu zählten auch die vielen Besucher, die aus dem Landkreis nach Lohra strömten, um die fast schon legendären Live-Rock-Konzerte zu erleben. Bands wie die „Jailbreakers“ ( Archivfoto) oder „Thunderstruck“ kamen oft und gern nach Lohra.

Und wenn zu später Stunde die damals als beste AC/DC-Coverband geltenden Jailbreakers Highway to Hell erklingen ließen oder bei Hells Bells eine Glocke dumpf dröhnte, war die Stimmung in der Nacht auf dem Höhepunkt. In irgendeinem Jahr, erinnert sich Schwald, zapften die Mitglieder des rund 80-köpfigen Vereins 21 Hekto­liter Bier für ihre Gäste.

Am erstaunlichsten findet es Schwald aber immer noch, dass „die Lohraer das so klaglos mitgemacht haben“. Das lag sicherlich auch daran, dass sie stets vorab informiert und eingeladen wurden, aber sicherlich auch daran, dass die ­Treffen immer ­friedlich ­abliefen. „Natürlich war auch immer wieder mal Polizei da“, erzählt Gerhard Gessner, der später auch Vorsitzender des Vereins war. Aber seien immer nur gekommen, um „nach dem Rechten zu sehen“ ohne jemals eingreifen zu müssen.

Klar kam es in alkoholgeschwängerter Luft auch zu Streitereien unter den harten Jungs, aber die wurden im Keim erstickt und die Kontrahenten beruhigten sich schnell. „Da waren alle sehr diszipliniert“, meint Gessner.

Der Umschwung setzte ein, er kam schleichend und an ihm wirkten viele Faktoren mit, meinen die ehemaligen Vorsitzenden. Da war der immer größer werdende Aufwand für das Treffen, den oftmals nur der harte Kern des Vereins stemmte, auch die Bands steigerten ihre Ansprüche – die Gagen stiegen und der technische Aufwand wurde größer – und bei den Besuchern setzte der Trend zur Selbstverpflegung ein, weil das Geld nicht mehr so locker saß.

Nach erstem Verlust Strategie gewechselt

Der Wendepunkt war dann das Jahr, als das Fest mit einem Verlust von 1000 Euro endete. Das war das Ende der Großveranstaltungen an der Speckbrücke. „Back to the roots“ lautete vor etwa zehn Jahren die Parole, erinnert sich Gessner.

Die Vereinsmitglieder verringerten den Aufwand für das Fest, zudem lösten sich die Verbindungen durch gegenseitige Club-Besuche im In- und Ausland allmählich auf, was auch dazu führte, dass weniger Gäste 
kamen. Und letztlich kämpfen auch die Motorradfreunde Lohra mit denselben Problem wie andere Vereine. Der Nachwuchs bleibt aus, der Altersdurchschnitt steigt. Mittlerweile tendieren wir auf die 60er-Marke zu.

So ändert sich auch das Vereinsleben.
 Familiärer ist es geworden, umschreibt es Gessner. Seit zwei Jahren gibt es einen regelmäßigen Stammtisch, einmal im 
Monat bieten die Motorradfreunde für sich und andere Interessierte geführte Ausfahrten am jeweils zweiten Sonntag im 
Monat an und das Motorradtreffen ist auf zwei Tage reduziert. Das 31. Treffen geht 
über zwei Tage.

von Gianfranco Fain

 
Das Programm
Das 31. Motorradtreffen an der Speckbrücke in Lohra beginnt an diesem Samstag um die Mittagszeit. Grill und Theke sind dann in Betrieb, Kaffee- und Kuchengenießer kommen ab 14.30 Uhr auf ihre Kosten. Um 15 Uhr starten die Biker zu einer geführten Ausfahrt durchs Lahn-Dill-Bergland. Am Abend legt DJ David „Rock-Spe­cials“ aus fünf Jahrzehnten auf. Das Treffen endet am Sonntag mit einem zünftigen Biker-Frühstück.
 
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