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Anwalt: „Er wird nicht wieder straffällig werden“

Aus dem Amtsgericht Anwalt: „Er wird nicht wieder straffällig werden“

Eine außerordentlich günstige Sozialprognose bewahrt einen wegen Drogenhandels angeklagten Bad Endbacher 
trotz mehrerer Vorstrafen vor dem ­Gefängnis.

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Das Schöffengericht ließ bei vorbestraftem Drogendealer Milde walten.

Quelle: Thorben Wengert / pixelio.de

Marburg. In der Wohnung des Angeklagten fanden Ermittler im August 2015 neben kleineren Mengen Betäubungsmittel etwa 80 Gramm Amphetamine. 
Außerdem lagerte er in einer Schublade im Schlafzimmer vier Patronen, eine davon Leuchtmunition, deren Besitz gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstößt.

Das Schöffengericht am Amtsgericht Marburg unter Vorsitz von Richter Dominik Best verurteilte ihn zu einem Jahr und zehn Monaten Haft. Die Strafe 
 wurde zur Bewährung ausgesetzt, obwohl der 29-Jährige, wenn auch nicht einschlägig, so doch mehrfach vorbestraft ist und auch schon Haftstrafen verbüßte.

Über seinen Verteidiger Thomas Strecker gestand der Angeklagte zu Beginn der Verhandlung die Taten. Der Anwalt legte dem Gericht zugleich Unterlagen vor, die zeigen sollten, dass sein Mandant grundlegend an seinem Leben etwas geändert hat. Demnach geht der 29-Jährige seit Jahren einer geregelten Arbeit nach, die er trotz Haft im offenen Vollzug ausübte.

Staatsanwalt stellt günstige Sozialprognose

Zudem wies der laut eigenen Angaben seit seinem 16. 
Lebensjahr Drogen nehmende 
Mann seit einem Jahr seine 
 Abstinenz, auch von Alkohol, bei unangemeldeten Tests nach und nimmt die Hilfe eines 
Psychologen zur Aufarbeitung 
seiner Drogenvergangenheit in 
 Anspruch. Zudem stehe laut Strecker die Familie voll hinter dem Bad Endbacher.

„Der Angeklagte ist gut vorbereitet und das ist nicht selbstverständlich, aber wünschenswert“, betonte Staatsanwalt 
Sebastian Brieden in seinem Plädoyer. Eine Bewährung sei daher tatsächlich möglich, weil neben der günstigen Sozialprognose aufgrund seines Verhaltens außergewöhnliche Umstände vorlägen.

Brieden betonte aber auch, dass es knapp für den Angeklagten war, denn wäre die Menge 
der gefundenen Drogen nur 
etwas höher und außer der 
Munition noch Waffen gefunden worden, hätte ­eine Mindeststrafe von fünf Jahren im Raum gestanden. So forderte der Anklagevertreter zwei Jahre.

„Die Vorstrafen sind natürlich negativ“, sagte Strecker, „aber sonst ist alles positiv, wie ich es als Strafverteidiger selten habe.“ Als Strafmaß schlug er 20 Monate vor, doch darauf komme es gar nicht so sehr an, „denn er wird nicht wieder straffällig werden“, ist sich der Anwalt sicher.

Alle Beteiligten erklärten Rechtsmittelverzicht, somit ist das Urteil rechtskräftig. Als Bewährungsauflage muss der Bad Endbacher 1500 Euro an die Eingliederungshilfe Marburg zahlen. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre. Daran komme das Gericht laut Best angesichts der Vorstrafen nicht vorbei. Ein Bewährungshelfer sei aber nicht nötig.

von Heiko Krause

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