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Anwälte sehen Widersprüche

Landgericht: Kindesmissbrauch Anwälte sehen Widersprüche

Im Missbrauchsprozess gegen einen 56-Jährigen aus einer Südkreisgemeinde belastete eine weitere Zeugin den Angeklagten. Die Verteidigung wertet ihre Aussage als „äußerst unglaubwürdig“.

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Vor dem Amtsgericht in Marburg muss sich ein 56-jähriger Mann aus einer Südkreisgemeinde wegen sexuellen Missbrauchs verantworten.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Angeklagt ist der Mann unter anderem, weil er seine Tochter als Zwölfjährige sexuell missbraucht haben soll. Weitere Verwandte – seine Stiefschwester, seinen Sohn, sowie die Cousine seiner Ehefrau – haben ebenfalls schwere Vorwürfe erhoben, diese Taten wären jedoch verjährt.

Bereits vor zwölf Jahren hatte ich einen Verdacht“, sagte eine 60-Jährige, die mit der Ehefrau des Angeklagten befreundet war. „Im Dorf wurde geredet“, sagte sie. Grund seien exhibitionistische Handlungen des Mannes vor ihr und auch vor anderen gewesen.

Derartige Vorwürfe ziehen sich durch den ganzen Prozess. Angeklagt ist der 56-Jährige jedoch nur wegen Exhibitionismus vor seiner Stiefschwester. Diese hatte ausgesagt, in der Familie habe er den Spitznamen „Treppenwichser“, weil er sich praktisch dort vor allen entblöße.

Vor drei Jahren, so berichtete die jetzige Zeugin, habe sie dann erfahren, dass sich der 56-Jährige an seiner Tochter vergangen habe. „Er kann machen, was er will, aber an Kindern, das geht gar nicht“, habe sie gesagt und auf Anzeige gedrängt; erst recht, als sie von den anderen Vorfällen gehört habe.

Zeugin: Therapie wichtiger als Gefängnis

Mit den mutmaßlichen Opfern hat es laut Aussage der Zeugin zwei Treffen gegeben, wobei sie sich nicht mehr detailliert erinnern konnte, wer jeweils genau dabei war. Bei einem seien zwei Mitarbeiter des Opferschutzvereins „Weißer Ring“ anwesend gewesen. Einer habe gesagt, dass ein Täter, der so lange aktiv ist, nicht aufhört.

„Das geht über Jahrzehnte, für meine Begriffe ist er krank und braucht eine Therapie“. Das sei ihr wichtiger als Gefängnis, beteuerte die Frau. Die Verteidigung sah jedoch „eine massive Belastungstendenz“. Zudem widerspreche sich die Aussage vor Gericht in wesentlichen Punkten von Angaben bei der Polizei. Jetzt sagte sie unter anderem, sie habe nie Details erfahren, „ich wollte das gar nicht hören“. Die Verteidiger hielten ihr vor, dass zumindest der Sohn ins Detail gegangen ist, wenn ihre Angaben auf der Polizeistation stimmten.

Ein Polizist, der bei der Hausdurchsuchung anwesend war, berichtete, dass dort mehrere Computer an einem Netzwerk angeschlossen waren. Angeklagt ist der Mann auch wegen Besitzes von Kinderpornografie, die auf seinem Rechner gefunden wurde. Wie der Vorsitzende Richter Dr. Thomas Wolf betonte, könne viel davon abhängen, ob darüber jeder im Haus Zugriff auf alle Computer hatte.

  • Der Prozess wird am 7. Juli fortgesetzt.

von Heiko Krause

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