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So schwäddst „Moiserisch Emil“

Mundart-Lesung So schwäddst „Moiserisch Emil“

Kurt Werner Sänger ist 
in seinen Heimatort zurückgekehrt: In der „Assmanns Mühle“ stellte der Mundart-Autor sein Werk „Moiserisch Emil“ vor.

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Hat viel zu erzählen: Kurt Werner Sänger (Dritter von links) im Gespräch mit Gästen seiner Lesung.

Quelle: Helga Peter

Gönnern. Der Abend im Alten- und Pflegeheim stand ganz im Zeichen der Hinterländer Mundart, speziell der aus Gönnern. Mundart-Autor Kurt Werner Sänger war in seinen ­Geburtsort zurückgekehrt und hatte etwas Besonderes im Gepäck.

Der „Moiserisch Emil“ wurde 1987 erstmals im Band „schwortswaise raaboche“ veröffentlicht. Mehr als 20 Jahre fristete dieses Mundartwerk sein Dasein in einer Schublade und damit in einem „Mauseloch“, bis es Sänger wieder an das Tageslicht hervorholte. Auf der Deutschen Buchmesse fand er in Leonore Poth eine Illustratorin für die neu bearbeitete Geschichte.

Den „Moiserisch Emil“, der zufrieden mit sich selbst und der Welt ist und ein sorgloses Mäuseleben verbringt, bekamen nun die rund 50 Zuhörer in Hinterländer Mundart geboten. Dabei wurden in einer Power-Point-Präsentation die Illustrationen gezeigt.

Zur Person

Kurt Werner Sänger wurde am 25. August 1950 in Gönnern geboren. Er arbeitet als freiberuflicher Journalist für eine Tageszeitung in der Wetterau. Seit vielen Jahren lebt er in Bad Vilbel, wo er sich kommunalpolitisch engagiert. Sänger gehört zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe „Odermennig“, die zu Beginn der 1980er-Jahre die Hinterländer Mundart bewusst einsetzte. Mehr Infos im Internet unter www.highmatt.de

Auf der Suche nach Vorräten für den Winter macht „Moiserisch Emil“ eine Begegnung mit einer arroganten Großstadtkatze. Fast aussichtslos scheint seine Lage, bis er ein Ass aus dem Ärmel zaubert und vorgibt, er könne zaubern. Sänger möchte dem „Mäuserisch Emil“ weitere Werke folgen lassen.

Den Abend vervollständigte der Film „Deheem – Odermennig und das Hinterland“. Er war 1987 unter der Regie von Wolfgang Würker gedreht und 1988 in der Reihe „Nachtlicht“ des Hessischen Rundfunks gesendet worden. Allein für diese Lesung hatte der Sender eine Lizenz erteilt. Die Musikaufnahmen der Band „Odermennig“ waren damals in der Hinterlandhalle in Friedensdorf und im Café Horch in Biedenkopf gemacht worden.

Nur rund 30 Jahre später ist der Filmstreifen Nostalgie pur. Brotback-Szenen und der aufsteigende Rauch aus dem Gönnern‘schen Backhaus sowie ein manueller Läutevorgang einer Küsterin mit den beiden Glockenseilen sind zu sehen. Dazu gibt es Szenen einer aufgegebenen Fabrikhalle. Eine Eisenbahnfahrt von Dillenburg nach Gönnern sorgt für eindrucksvolle Impressionen.

Diese Szenen sind letzte Filmdokumente der Steilstrecke zwischen Oberscheld und Gönnern. Erinnerungen an die in den 1980er-Jahren bundesweit agierende Musikgruppe „Odermennig“ mit Reiner Lenz (Gitarre, Jahrmarkt-Tröte, Bluesharp), Jürgen Krebber (Gitarre), Michael Neuner (Cello) und Kurt Werner Sänger (Text und Rezitation) wurden dabei wach.

Heiter, aber mit ernstem Hintergrund

„Dem Foks sain Duud“ stellte der Mundartdichter in drei Akten vor – genau wie „Reinekes Ende“ auf Hochdeutsch. In dieser Geschichte treten die Tauben als Intriganten auf und sorgen für das Ende des Fuchses.

Eines seiner ältesten Gedichte gab Sänger mit dem „Summergewirrer“ zum Besten. Gerade dieses Gedicht beschreibt das sehr vom Wetter abhängige Heumachen, die dabei durch drohende Gewitter ausgelöste Hektik und die Freude über die geglückte Heuernte in der Aussage: „Mir hu des Haa innerm Dach“ (Wir haben das Heu unterm Dach). Bemerkenswert ist bei allen Werken, wie es der Künstler versteht, seine Umwelt zu beobachten, Abläufe oftmals heiter vor ernstem Hintergrund darzustellen.

  • Das Bilderbuch „Moiserisch Emil“, Hardcover, 48 Seiten, ISBN 978-3-86314-333-6, ist erschienen im Co-Con Verlag Hanau, zweisprachig in 
Dialekt und Hochdeutsch, und zum Preis von 12,80 Euro erhältlich.

von Helga Peter

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