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Moiserisch schwäddst Hinnalenna Platt

Mundart-Buch von Kurt Werner Sänger Moiserisch schwäddst Hinnalenna Platt

Der Hinterländer Mäuserich Emil spricht platt und bekommt es mit einer arroganten Katze aus der Großstadt zu tun. Doch der Kleine gibt nicht klein bei und führt die Katze 
an der Nase herum.

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Mundart-Autor Kurt Werner Sänger hat mit der Illustratorin Leonore Poth das Kinderbuch „Moiserisch Emil“ veröffentlicht. Es ist auf Hinterländer Platt geschrieben und um eine hochdeutsche Übersetzung ergänzt.

Quelle: Tobias Hirsch

Gönnern. Der „Moiserisch Emil“ ist ein „Arme-Leute-Märchen, das ausnahmsweise mal ein Happy End hat“, sagt der Autor Kurt Werner Sänger. Der in Gönnern Geborene lebt mittlerweile in der Wetterau. Mit der Frankfurter Illustratorin Leonore Poth hat er die Geschichte einer klugen Hinterländer Maus Emil und einer hochnäsigen Großstadtkatze als Kinderbuch veröffentlicht – auf Hinterländer Platt mit hochdeutscher Übersetzung.

Im Moment der höchsten Not, als die Katze Emil fressen will, weil der „Weltplan“ bestimmt, dass Katzen eben Mäuse fressen, hinterfragt der Mäuserich: „Un wea beschdimmt da häi däi Beschdimmung?“ Mit seiner gewitzten Art gelingt es Emil, das „Lügenkonstrukt der Eitelkeit der Katze“, wie Sänger es beschreibt, zu zerlegen. Am Ende bringt Emil die Katze sogar dazu, seinen bislang kargen Wintervorrat aufzufüllen. „Hinter der Geschichte stecken höchstdemokratische, sehr politische Aussagen“, sagt Sänger.

Sprache dokumentieren und Wandel beachten

Den „Moiserisch Emil“ hat Sänger schon vor 30 Jahren geschrieben und nun aus der Schublade gezogen. Das Politische und Kritische gehöre für ihn selbstverständlich zu seiner Arbeit. Als junger Mann habe er eine Möglichkeit gesucht, sich auszudrücken. „Da habe ich automatisch Dialekt gesprochen, die Mundart-Dichtung war ­naheliegend.“ Es missfällt ihm, dass viele Mundart-Dichter und Brauchtumspfleger Politisches aus ihrer Arbeit fernhalten wollen und stattdessen lieber eine­ „Fiktion in der Retrospektive auf eine heile Welt“ aufrecht erhalten wollen. „Damit prägen sie einen skurrilen Heimatbegriff, der sich auf die Vergangenheit bezieht.“

Natürlich sei es wichtig, die ­alte Sprache zu dokumentieren, wie es die Brauchtumspfleger tun. Aber man müsse auch beachten, dass die Sprache stets im Wandel ist und man mit vielen alten Begriffen den heutigen Alltag nicht mehr bestreiten kann. „Es schmeißt aber auch niemand eine Schwälmer Tracht weg, nur weil man mit den sieben Röcken nicht in einen modernen Kleinwagen passt“, vergleicht Sänger. Wer den Dialekt so bewahren will, wie er früher war, leugnet diesen Wandel und schafft ein Sprachmuseum, ist Sänger überzeugt. „Das ist für mich ein Irrtum.“

Der Autor selbst schreibt in dem Dialekt, mit dem er in den 1950er-Jahren in Gönnern aufgewachsen ist. Seine Schreibweise ist auf die Lautsprache ausgelegt, auf der gegenüberliegenden Seite ist jeweils die hochdeutsche Übersetzung zu lesen. Die Illustrationen drücken das Machtgefüge zwischen der kleinen, detailreich gestalteten Maus und der großen, plumpen, klobigen Katze aus. „Leonore Poth hat die Geschichte auf Anhieb verstanden und auf die Sehgewohnheiten der Kinder umgesetzt.“

Auch moderne Worte fließen in Mundart ein

Zwischendurch wird die Katze­ „bies und goschdisch, groat­ su, wäi e aales, ufahoirotes Schöul­lehrasche (...), deam e Fläi ie‘s Huinkdeppsche gescheasse­ hat“. Also „böse und garstig, ­gerade so wie ein altes, unverheiratetes Schullehrerchen (...), dem eine Fliege ins Honigtöpfchen geschissen hat“. Metaphern wie diese können vermutlich die Großeltern den ­Enkeln am besten erklären.

„Das Buch richtet sich an Kinder von 4 bis etwa 80, 90 Jahre.“ Vielleicht können die Enkel dafür der älteren Generation erklären, was sie auf „Wäbsaire“ so alles „daunloare“ können. „Diese neuen Alltagsbegriffe sind längst dialektale Bestandteile, genauso wie Döner und Pizza“, erklärt Sänger und verdeutlicht die ­Veränderung des Dialekts. Bei allem Wandel, eines wird aus dem Hinterländer Platt wohl nicht verschwinden, ist sich der Gönnerner sicher: Das rollende, retroflexe „R“. „Sprachgewohnheiten legen sich auf Gaumen und Zungen nieder. Das kriegt man schlecht wieder raus. Da beugt sich das Gehirn der Zunge“, sagt Sänger.

In seiner Schublade hat der Autor noch einige Geschichten und Stoff für eine Novelle im Dialekt. Gemeinsam mit Illustratorin Leonore Poth sind zwei weitere Bücher geplant. Aus dem Moiserisch Emil wird Sänger Mitte Juni auch im Alten- und Pflegezentrum Assmanns Mühle in Gönnern lesen, der Termin wird noch bekannt gegeben. „Ich bin auf die Resonanz gespannt“, sagt Sänger.

  • Auf der Internetseite www.highmatt.de stellt Sänger seine bisherigen Werke vor.

von Philipp Lauer

Das Buch – Verlosung

Kurt Werner Sänger, Leonore Poth: „Moiserisch Emil“, Cocon-Verlag, 48 Seiten, 12,80 Euro.

Der Hinterländer Mäuserich Emil ist spät dran, seinen Vorrat für den Winter anzulegen. Und dann bekommt er es auch noch mit einer hochnäsigen Großstadtkatze zu tun, die ihn fressen will. Mit seiner gewitzten Art gelingt es ihm, die Katze auszutricksen und an der Nase herumzuführen.

Die OP verlost zwei Exemplare des Kinderbuchs. Um an der Verlosung teilzunehmen, verraten Sie uns ihr Lieblingswort aus dem Hinterländer Platt an gladenbach@op-marburg.de. Oder senden Sie eine Postkarte an die OP-Redaktion, Bahnhofstraße 1a, 35075 Gladenbach.

 
Gewinner

Mundart-Autor Werner Sänger hat das Kinderbuch „Moiserisch Emil“ veröffentlicht, das auf Hinterländer Platt geschrieben ist. Der Autor­ schreibt in dem Dialekt des ­Ortes, mit dem er in den 1950er-Jahren in Gönnern aufgewachsen ist.

Die OP verloste in Kooperation mit ihm zwei Exemplare. Die Teilnehmer mussten ihr Lieblingswort auf Platt an die Redaktion schicken. Gewonnen haben Margret Fink aus Lohra und Carina Hecker aus Gladenbach. Der Lieblingsausdruck von Margret Fink lautet „goschdisch“, der von Carina Hecker: „Wej aut“.
Die Bücher werden in Kürze an die Gewinnerinnen verschickt.

von Silke Pfeifer-Sternke

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Moiserisch Emil
Die OP hat zwei Bücher von Werner Sänger verlost. Archivfoto: Tobias Hirsch

Die OP verloste in Kooperation mit Werner Sänger zwei Exemplare des Kinderbuchs „Moiserisch Emil“.

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