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Angeklagter schweigt zu Vorwürfen

Missbrauchsprozess Angeklagter schweigt zu Vorwürfen

Der 56-jährige Angeklagte aus dem Südkreis machte vor dem Marburger Landgericht zu den erhobenen Missbrauchsvorwürfen bisher noch keine Angaben.

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Vor dem Landgericht in Marburg muss sich ein 56-jähriger Mann aus dem Südkreis wegen des Vorwurfs des Missbrauchs verantworten.

Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter

Marburg . Die Ermittlungsrichterin Isabelle Rojahn berichtete von „rudimentären Angaben“ ihr gegenüber, bei denen der Angeklagte jedoch kein Unrechtsbewusstsein gezeigt habe. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann unter anderem vor, 2004 seine damals zwölfjährige Tochter missbraucht zu haben. Ihr gegenüber, so Richterin Rojahn, habe er - mit dem Vorwurf konfrontiert - berichtet, dass es bei einem Gespräch über die Schule auch auf das Thema Sexualität gekommen sei.

„Im Rahmen einer aufgeklärten Erziehung ist es die elterliche Pflicht, das männliche Glied anfassen zu lassen; es war eine aufklärerische Erziehungsmaßnahme, mehr nicht“, habe er gesagt. Das mutmaßliche Opfer hatte berichtet, er habe nach der Anzeige zu ihr gesagt: „Ich habe das machen müssen, sonst hätte es jemand anders machen müssen.“

Zugegeben habe der Mann auch, exhibitionistische Handlungen vor seiner Stiefschwester vorgenommen zu haben, so die Richterin. Allerdings sei sie damit einverstanden gewesen, habe sogar einen entsprechenden Bildkalender mit ihm gestaltet. „Wir teilen gemeinsam diese Neigung, sie lebt das nur nicht so offen aus“, war seine Begründung der Richterin gegenüber.

Die inzwischen 48-Jährige hatte bei der Polizei noch weitergehende Vorwürfe erhoben, ebenso wie der Sohn des Angeklagten und die Cousine seiner Ehefrau. Alle hatten ausgesagt, in ihrer Kindheit missbraucht worden zu sein. Diese Fälle wären jedoch verjährt. Die Staatsanwaltschaft hat sie allerdings im Fall des Missbrauchs der Tochter als strafverschärfend angeführt.

Stiefschwester belastet den 56-jährigen Angeklagten

Nach der Aussage des mutmaßlichen Opfers hatte die Kammer, wie auch die Verteidigung, Zweifel an der Glaubwürdigkeit der 23-Jährigen angemeldet. Deshalb soll ein aussagepsychologisches Gutachten erstellt werden.

Wie der Vorsitzende Richter Thomas Wolf betonte, gedenke die Kammer, die weiteren Zeugen zunächst nicht zu den in der weiteren Vergangenheit liegenden Vorfällen zu befragen, weil dies im Falle eines negativen Gutachtens überflüssig sei. Vernommen wurden zu deren Aussagen aber Rojahn und ermittelnde Polizeibeamte.

"Thema wurde totgeschwiegen"

Laut einem Polizisten hat die Stiefschwester etwa angegeben, bereits im Alter von zwölf Jahren von dem Angeklagten das erste Mal vergewaltigt worden zu sein. Dabei habe dessen Ehefrau geholfen und sie festgehalten. Genauer, so der Zeuge, erinnerte sich die Frau noch an einen weiteren Missbrauch im Badezimmer, und bis zu ihrem 16. Geburtstag sei das dann fast wöchentlich passiert.

Dann habe sie sich ihrer Mutter offenbart, ihr Stiefbruder und seine Frau hätten jedoch alles abgestritten. „Seitdem wird das Thema totgeschwiegen.“ In der Folge sei es zwar zu keinen Übergriffen mehr gekommen, „aber er hat jede Gelegenheit genutzt, sich vor mir onanierend zu präsentieren“, habe die Frau gesagt.

Stiefschwester betont: "Er ist pädophil, kein Zweifel"

Wie bereits einer Polizistin, die am vorherigen Verhandlungstag berichtete, habe die Cousine der Ehefrau von Übergriffen bis hin zum Geschlechtsverkehr berichtet, die der Mann zwischen ihrem fünften und zwölften Lebensjahr an ihr begangen habe, so der Beamte weiter. Beide Frauen hätten als Motiv für die späte Anzeige den Missbrauch der Tochter angegeben, von dem sie erfahren hätten, sowie Angst, dass weitere Kinder Opfer werden könnten.

„Ich denke, dass er krank ist. Er ist pädophil, kein Zweifel“, habe die Stiefschwester betont.

Die Verhandlung wird am kommenden Mittwoch, 15. April, im Saal 104 am Landgericht Marburg fortgesetzt.

von Heiko Krause

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