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Angeklagter schickt Droh-SMS

Gericht Angeklagter schickt Droh-SMS

Weil er dem vermeintlichen neuen Partner seiner Ex-Freundin per Handy drohte und aus ihren Autoreifen Luft abgelassen haben soll, stand ein Mann vor Gericht. Das Urteil steht noch aus.

Der 51-jährige Angeklagte räumte ein, zwischen Juli 2011 und Juni 2012 elf Textnachrichten gesendet zu haben, in denen er den 42-jährigen Adressaten aufforderte, den Kontakt zu seiner 33-jährigen Ex-Freundin „für immer einzustellen“. Sollte der Empfänger nicht gehorchen, sei seine Existenz in Gefahr. Außerdem schrieb der Angeklagte: „Liebe ist vergänglich, dein Schicksal ist es auch“ oder „Ihr trefft euch zu oft. Schwarze böse Männer werden kommen“.

Verängstigt installierte der Bedrohte an seinem Haus Kameras und kontrollierte seinen Wagen vor jeder Fahrt. Der „massive“ Stress verschlimmerte zudem die Symptome einer chronischen Erkrankung.

„Ich habe die SMS verschickt“, sagte der Angeklagte und betonte, dass er erreichen wollte, dass seine Freundin zu ihm zurückkehre. Der Verlassene vermutete, dass sie eine Liebesbeziehung zum Geschädigten, den er nur aus ihren Erzählungen kannte, aufnehmen würde. Der Angeklagte war „total verletzt und am Boden zerstört“, denn: „Sie war die Liebe meines Lebens!“ Nach der Trennung sei er depressiv geworden, habe sich in einem Wahn befunden und einen Zwang verspürt, „immer wieder eine Nachricht senden zu müssen“.

Noch bis Ende 2011 standen die langjährigen Partner in Kontakt zueinander. Die Nummer des 42-jährigen Biedenkopfers hatte der Beschuldigte heimlich aus dem Handy seiner Ex-Freundin herausgeschrieben und sich, um unerkannt schreiben zu können, unter falschem Namen eine neue SIM-Karte besorgt. Vor Gericht bat der Angeklagte sein SMS-Opfer um Entschuldigung. Beide einigten sich auf einen Vergleich: Als Schmerzensgeld und für Anwaltsgebühren muss der 51-Jährige 500 Euro an den Geschädigten zahlen.

Richter Schulte unterbricht die Hauptverhandlung

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft war es ebenfalls der Angeklagte, der in der Nacht vom 3. zum 4. Dezember 2011 den Luftdruck aller vier Reifen am Auto seiner Ex-Freundin von 2,4 bar auf exakt 0,8 bar absenkte. Die 33-Jährige hatte den Pkw auf dem Innenhof eines Hilfsdienstes in Biedenkopf mehrere Tage abgestellt und war anschließend von dort zu Verwandten nach Stuttgart gefahren, wo die Manipulation erst auffiel. Schon in der Nacht hatte sie zwar bemerkt, dass der Wagen „schwimmt“, aber Schnee und Regen als Ursachen vermutet. Der Angeklagte bestreitet seine Schuld. Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage bisher nur auf das Video aus einer Überwachungskamera. Die Aufnahmen zeigen, wie ein Auto - Typ und Farbe wie der Wagen des Angeklagten - auf den Hof fährt, anhält und eine Person in der Dunkelheit in Richtung des Autos der Frau verschwindet. Aus der Finsternis leuchtet dreimal für wenige Sekunden ein kleines Licht auf. Zwar ist das Nummernschild auf den bewegten Bildern abgebildet. Doch ist die Qualität des Videos nicht ausreichend, um die Kombination erkennen zu können. Einerseits ist dem Richter der identische Druck-Wert aller Reifen ein Rätsel. Außerdem erlebte die Geschädigte weitere ungeklärte Ereignisse, die nicht auf den Angeklagten zurückgeführt werden können: Im August 2011 waren an ihrer Arbeitsstelle die Radmuttern an ihrem Auto und dem eines Praktikanten gelöst worden. Danach durchschlug der Schuss aus einem Luftgewehr ein Fenster des Dienstgebäudes, und im Oktober 2011 war vor ihrem Haus die Luft aus den Autoreifen gelassen worden. Zuletzt wurde im Juni 2012 die Beifahrerseite ihres Pkw zerkratzt. Mirko Schulte beschloss, die Hauptverhandlung zu unterbrechen und veranlasste die weitere Beweiserhebung. Er wolle aufklären, was es mit der Lichtquelle aus der Dunkelheit auf sich habe, einen Größenvergleich zwischen Angeklagtem und der Person auf dem Video anstellen und versuchen, die Qualität der Aufnahme von Spezialisten verbessern zu lassen, um möglicherweise das Nummernschild doch lesen zu können.

von Benedikt Bernshausen

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