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Angeklagter kommt bekifft zur Berufungsverhandlung

Aus dem Landgericht Angeklagter kommt bekifft zur Berufungsverhandlung

Ein positiver Drogentest während der laufenden Verhandlung hat vor dem Marburger Landgericht der Hoffnung eines 22-jährigen Gladenbachers auf eine mildere Strafe einen Strich durch die Rechnung gemacht.

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Ein 22-jähriger Dealer wollte in der Berufungsverhandlung ein milderes Urteil erreichen. Sein eigener Drogenkonsum wurde ihm aber zum Verhängnis.

Quelle: Boris Roessler

Marburg. Wegen des Besitzes von Drogen in 282 Fällen und Handeltreibens in 6 Fällen hatte das Marburger Amtsgericht den 22-Jährigen zu einer sechsmonatigen Jugendstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Anders als das Gericht vertrat Verteidiger Alexander Pfaff damals die Auffassung, dass 
eine richterliche Weisung an den Gladenbacher, sich einer Therapie zu unterziehen, ausreichend sei. Sogenannte schädliche Neigungen, die für die Jugendstrafe nötig sind, seien nicht vorhanden.

Entsprechend legte der Angeklagte Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil ein, beschränkte diese aber auf das Strafmaß. Deshalb stand vor der Berufungskammer der eigentliche Sachverhalt der Taten schon fest. Demnach hat der junge Mann zwischen 2012 und Anfang 2014 bei unterschiedlichen Dealern jeweils ein bis zwei Gramm Marihuana für den Eigenkonsum gekauft. In einigen Fällen hat er größere Mengen bis zu 50 Gramm gekauft und einen Teil davon weiterverkauft, um den eigenen Konsum zu finanzieren.

Seit der damaligen Verhandlung konsumiere er nicht mehr, beteuerte der Angeklagte vor Gericht. „Drogen nehme ich überhaupt nicht, trinke auch keinen Alkohol.“ Zu seinen ehemaligen Freunden habe er auch keinen Kontakt mehr. Geschafft habe er das durch bloßen Willen, lediglich anfangs habe ihn sein Hausarzt mit Schlaftabletten unterstützt. Dem wollte die Kammer unter Vorsitz von Richterin Heike Schneider nicht so einfach Glauben schenken.

Richterin: Sie machen sich was vor

Ihr reichte auch ein Drogentest aus dem Januar nicht aus, den der Angeklagte vorlegte und der keine Auffälligkeiten zeigte. Richterin Heike Schneider regte nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt in Marburg an, dass der 22-jährige Gladenbacher sich dort sofort einem Schnelltest unterziehen sollte, womit er sich einverstanden erklärte.

Das Ergebnis: positiv. „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, resümierte die Vorsitzende der Berufungskammer. „Sie haben uns hier belogen, was schlimm genug ist, aber was schlimmer ist, Sie machen sich selbst etwas vor“, sagte die Richterin.

Er solle sein Problem jetzt angehen, alleine schaffe er es nicht. Durch die Rücknahme der Berufung sind auch die Bewährungsauflagen rechtskräftig, die eine Therapie vorsehen. Darüber hinaus muss der Mann als Geldauflage 1000 Euro an das Diakonische Werk Biedenkopf-Gladenbach zahlen.

Abschließend riet Richterin Heike Schneider dem Mann, sich Hobbys zu suchen. Nur Arbeiten, Essen und Schlafen, wie er es geschildert hatte, könne nicht alles sein. „Da war es nicht überraschend, dass Sie wieder kiffen.“

von Heiko Krause

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