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Angeklagter gelobt Besserung

Aus dem Schöffengericht Angeklagter gelobt Besserung

Ein umfassendes Geständnis bewahrte einen mehrfach vorbestraften 36-jährigen Dautphetaler vor einer Haftstrafe. Er wurde wegen unerlaubten Herstellens von Betäubungsmitteln in vier Fällen zu einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt.

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Wegen Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge wurde ein Mann zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Quelle: Angelika Warmuth

Marburg. Länger als ein Jahr lang züchtete der Hobby-Gärtner in 
seiner Wohnung mindestens 64 Cannabispflanzen, erntete mehr als 300 Gramm Marihuana, das er selbst konsumierte.

Kurz vor der vierten Ernte entdeckte die Polizei im April des vergangenen Jahres die Plantage bei einer Hausdurchsuchung.

Vor dem Marburger Schöffengericht gab der Angeklagte die Vorwürfe zu: „Das stimmt schon so“, erklärte er. Die Drogen habe er nicht für den Handel, sondern ausschließlich für den 
eigenen Konsum hergestellt, nachdem er nicht mehr in der Lage war, die Suchtmittel auf der Straße zu kaufen. „Ich konnte sie mir nicht mehr leisten.“

Fund ist keine „geringe Menge“ mehr

Problematisch war vor Gericht nicht nur seine Drogenvergangenheit – er kifft seit seiner Jugendzeit – sondern vor allem sein Vorstrafenregister. Insgesamt 18 Einträge füllen es, darunter gefährliche Körperverletzung, räuberische Erpressung, Betrug und Diebstahl. Zur Tatzeit stand der Mann unter Bewährung.

Wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz fiel er nur einmal auf. Besonders schwer wog jetzt die große Menge an Cannabis. In einem Fall handelte es sich bei den sichergestellten Drogen um eine „nicht geringe Menge“, also mehr als siebeneinhalb Gramm THC-Gehalt. Bei anderen blieb er „gerade noch so an der Grenze“, stellte Staatsanwalt Dr. Kurt Sippel fest.

Die Pflanzen zog der Mann in kleine Plastikgewächshäuser in seinem Schlafzimmer heran. Um dem Cannabisgeruch vorzubeugen stattete er die Zelte mit einem geschlossenen Belüftungssystem aus. Die Bewährungshelferin schöpfte bei mehreren Besuchen keinen Verdacht. Sie bescheinigte dem Angeklagten ein recht positives Bild. Nachdem seine Drogenküche aufflog hatte er Angst „nicht mehr konsumieren – nicht mehr funktionieren zu können“, so die Zeugin.

Richter: „Irgendwann ist dann auch mal 
Feierabend“

Trotz seiner Sucht und den finanziellen Problemen sei er nicht abgerutscht, halte sich mit Gelegenheitsarbeiten und Ein-Euro-Jobs über Wasser und gehe zur Schuldnerberatung. Zudem ist er seit Jahren nicht mehr wegen Gewaltdelikten auffällig. Die Bewährungshelferin sprach sich für eine Bewährung mit strengen Auflagen aus.

Dem stimmten sowohl Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung zu. Der Angeklagte 
gelobte Besserung, mittlerweile 
habe er seinen Konsum „sehr stark reduziert“, könnte es auch schaffen, ganz aufzuhören.

Als Bewährungsauflage brummte ihm das Schöffengericht neben 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit, fünf Drogenscreenings in den kommenden Monaten auf. „Und deren Ergebnisse müssen negativ sein“, stellte der Vorsitzende Richter Thomas Rohner klar. Der Angeklagte scheine „auf einem ganz guten Weg zu sein“. Mit einer weiteren Bewährung könne er nicht rechnen, „irgendwann ist dann auch mal 
Feierabend“, mahnte Rohner.

von Ina Tannert

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