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Angeklagter geht doch 
noch über „goldene Brücke“

Aus dem Landgericht Angeklagter geht doch 
noch über „goldene Brücke“

Gegen Geldauflagen hat das Marburger Landgericht ein Betrugsverfahren gegen einen 55-jährigen Gladenbacher vorläufig eingestellt.

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Ein angeklagter Online-Händler ging schließlich auf doch noch auf das Angebot des Richters ein.

Quelle: Arno Burgi

Marburg. Das Amtsgericht Biedenkopf hatte den mehrfach einschlägig vorbestraften Mann noch zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten und zwei Wochen verurteilt.

Die Strafe war zur Bewährung ausgesetzt worden. Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass der Angeklagte optische Geräte verkauft hatte, die er nie besaß.

Zunächst versuchte der Vorsitzende der Berufungskammer, Richter Marco Herzog, vergeblich, dem Angeklagten „eine 
goldene Brücke zu bauen“. Er machte das Angebot, die Zustimmung der Staatsanwaltschaft voraussetzend, das Verfahren einzustellen, wenn ein Geschädigter sein Geld zurückbekommt und eine gemeinnützige Organisation bedacht wird. Wie vor dem Amtsgericht betonte der Mann, kein Schuldeingeständnis zu machen. Er habe stets über die Ware verfügt.

Angeklagter: Habe Beleg nicht aufgehoben

Konkret ging es um zwei Verkäufe von hochwertigen Ferngläsern über Internetportale im Jahr 2012. Einmal sei eine Anzahlung von 100 Euro vereinbart worden, sagten Angeklagter und später der Zeuge übereinstimmend. Dieser habe nicht genug Geld gehabt, wollte später weitere 400 Euro zahlen, woraufhin die Ware versandt werden sollte.

Der Angeklagte sagte, der Käufer habe sich nicht mehr gemeldet. Der erklärte hingegen, er habe den Angeklagten nicht mehr erreicht und auch auf Aufforderung zunächst die 100 Euro nicht zurücküberwiesen bekommen. Vor der erstinstanzlichen Verhandlung sei dies aber erfolgt, ergänzte der Richter.

Ein weiterer Zeuge aus Österreich berichtete, er habe ein Fernglas für 415 Euro gekauft, das trotz mehrfacher Nachfrage nicht geliefert worden sei. Der Gladenbacher sagte dazu, er habe die Ware verschickt.

Dass sie nicht versichert war, habe er nicht gewusst. Einen Beleg konnte der Angeklagte nicht nachweisen. Der Richter verwies darauf, dass der Angeklagte bei Vorverurteilungen in ähnlichen Fällen versprochen habe, Belege aufzubewahren.

Nach der Beweisaufnahme stimmte der Angeklagte dem Vorschlag des Kammervorsitzenden doch noch zu. Mit seinem Einverständnis und dem der Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren vorläufig eingestellt. Endgültig ist es erledigt, wenn der 55-Jährige binnen drei Monaten die 415 Euro an den Österreicher zahlt sowie innerhalb von sechs Monaten 300 Euro an die Jugendkonflikthilfe Marburg.

von Heiko Krause

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