Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Angeblicher Brief des Angeklagten liegt Gericht vor

Amtsgericht Biedenkopf Angeblicher Brief des Angeklagten liegt Gericht vor

Das Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs gegen einen Mann aus Offenbach dauert an.

Marburg . Dem 36-Jährigen wird vorgeworfen, von 1999 bis 2003 mehrere Töchter einer Familie im Hinterland, bei der er lebte, sexuell missbraucht zu haben. Dabei soll es unter anderem jahrelang zu Anal- und Oralverkehr mit der damals elfjährigen Geschädigten gekommen sein (die OP berichtete).

Eine der Schwestern der Hauptgeschädigten, die Ende Februar als Zeugin aussagte, meldete sich erneut bei Gericht mit einem der Briefe, die der Angeklagte der Geschädigten geschrieben haben soll. In diesem stehe, dass er sich bei ihr entschuldigt und sie bittet, über einen - nicht näher beschriebenen - Vorfall am Vorabend nicht zu sprechen.

Der Angeklagte bestreitet, diesen Brief geschrieben zu haben. Ob der Brief eine Fälschung ist, war nicht zu klären. Als Vergleich übergab die Zeugin dem Gericht einen Brief, den der Beschuldigte ihr nach seinem Auszug geschrieben hatte. Auf die Frage warum sie dem Mann, der sie sexuell belästigt hatte, auf dessen Briefe antwortete, sagte sie, dass dieser ein Bekannter ihres Freundes sei und die heutigen Vorwürfe nicht herauskommen sollten. Der Angeklagte soll sie mehrmals unsittlich berührt und belästigt haben, sagte sie erneut vor Gericht. „Ich sollte ihm helfen erwachsener zu werden“, so die Zeugin. Sie schwieg wie ihre Schwester aus Scham jahrelang.

Desweiteren bestätigte die Betreuungshelferin des Jugendamtes die katastrophalen hygienischen und lieblosen Verhältnisse, in denen die fünf Schwestern aufwuchsen. „Es ging über alle Grenzen.“ Mithilfe der Betreuung und Unterstützung habe sich die Situation nur zeitweise gebessert, so die Sozialarbeiterin. Der Mutter wurde wegen Vernachlässigung mehrmals das Sorgerecht entzogen.

Den Angeklagten traf sie bei ihren Besuchen selten an und habe nicht gewusst, dass er bei der Familie lebte. Zudem seien die Kinder nicht verhaltensauffällig gewesen. Sie hätten eher ihre Angst geäußert, wieder umziehen zu müssen oder aus der Familie genommen zu werden.

Schließlich sagte die Mutter des Angeklagten aus. „Mein Sohn war immer ein fröhliches und offenes Kind“, gab sie an. Nach Jahren ohne Kontakt lebt der Beschuldigte seit 2006 wieder bei ihr. Während dieser Zeit sei die Geschädigte zweimal zu Besuch da gewesen, so die Mutter. Mit einem weiteren Bekannten hätten sie zusammengesessen, sich gut verstanden und seien über Nacht geblieben.

Die Mutter der Geschädigten wurde auch gestern nicht als Zeugin vernommen. Aufgrund einer schweren Erkrankung befindet sie sich in einer Klinik und ist nach Meinung der Ärzte nicht vernehmungsfähig. Richter Dr. Wolf regte an, auf ihre Zeugenaussage zu verzichten, da nicht sicher sei, ob sie demnächst überhaupt gehört werden könne. Die Verteidigung des Angeklagten besteht jedoch darauf. Die Verhandlung wird Ende Februar fortgesetzt.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland