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An der Schwelle zur Normalität

Flüchtlingsunterkunft An der Schwelle zur Normalität

Der Landkreis will Anfang 2016 bis zu 100 Flüchtlinge im Verwaltungsgebäude von Oranier unterbringen. Am Dienstagabend informierte Vize-Landrat Marian Zachow rund 300 Bürger in Weidenhausen.

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Rund 300 Bürger aus Weidenhausen und der Umgebung kamen am Dienstagabend ins Gemeindehaus der Freien evangelischen ­Gemeinde, um sich über die Flüchtlingsunterbringung im Ort zu informieren.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Weidenhausen. Immer mehr Flüchtlinge suchen in Deutschland eine neue Heimat. Bis zum Ende des Jahres werden im Landkreis aller Voraussicht nach 2 400 Menschen aufgenommen, 2013 waren es nur 424. Und der Strom reißt nicht ab. 80 bis 100 sollen Anfang des Jahres in das bis dahin umgebaute Verwaltungsgebäude der Firma Oranier im Weidenhäuser Industriegebiet einziehen. Übernächste Woche werden 16 unbegleitete Minderjährige in der  Bildungsstätte des Vereins bsj im Gladenbacher Stadtteil Weidenhausen untergebracht. 25 Flüchtlinge leben schon seit einem Jahr in dem Hinterland-Ort.

Gelände soll nicht zu einer Firmenruine werden

Wenn die Investorengruppe als Eigentümer der leerstehenden Industriefläche der Firma Oranier dem Projekt zur Unterbringung von Flüchtlingen auf ihrem Gelände zustimmt, dann ziehen dort bis zu 100 Personen in das Verwaltungsgebäude ein, darunter Familien und Singles unterschiedlicher Herkunft. Für sechs bis acht Wochen soll Weidenhausen zu ihrer neuen Heimat werden.

„Das Gelände soll nicht zu einer Industrieruine werden“, sagte Nikolaus Fleischhacker, Geschäftsführer der Oranier ­Unternehmensgruppe, vor einem Auditorium von rund 300 überwiegend Weidenhäuser Bürgern. Der Landkreis hatte zu einer Informationsveranstaltung geladen, um über die Planungen aufzuklären und um die Sorgen und Ängsten der Bürger ernst zu nehmen.

Es seien Anstrengungen unternommen worden, um das Gelände zu vermarkten – bisher ohne Erfolg. Die Unternehmensgruppe stehe aber dafür gerade, dass das Gelände nicht peu à peu vernachlässige, bestätigte Fleischhacker. Auch in Zukunft solle das Gelände in einem ordentlichen Zustand sein.

Die Ordnung und die steigende Zahl der Asylbewerber in dem mehr als 2 500 Einwohner zählenden Gladenbacher Stadtteil trieb eine Zuhörerin um. Die falsche Mülltrennung und der Lärm seien Probleme, mit denen sich die Weidenhäuser in Zukunft vermehrt konfrontiert sähen. Ob die Asylbewerber denn auch Bewegungsfreiheit hätten?, wollte ein anderer Zuhörer wissen.

„Klar, wie jeder hier“, antwortete Zachow. Er verhehlte nicht, dass es auch unter den Flüchtlingen schwarze Schafe gebe. Aber Hinweise auf vermehrte Straftaten, wie Übergriffe auf Kinder oder Einheimische, seien polizeilich nicht belegt, stellte Zachow klar.

Sozialarbeiter soll Büro in Unterkunft erhalten

Das Thema Mülltrennung griff Denise Ulbrich, Fachdienstleiterin Stabstelle Ausländermigration und Flüchtlinge, noch einmal auf erläuterte: „Das müssen wir erklären.“ Aufgrund von Sprachbarrieren greifen die Sozialarbeiter deshalb auf Piktogramme zurück und erläutern so, wie der Müll zu trennen ist.

Für Weidenhausen plant der Landkreis einen Sozialarbeiter für die Unterkunft abzustellen, der im Verwaltungsgebäude auch ein Büro beziehen soll. Er soll den Flüchtlingen unterstützend zur Seite stehen. Zeitnah soll den Personen ein Sprachkurs angeboten werden und die Anzahl der Unterrichtsstunden von 100 auf 300 erhöht werden.

„Integration funktioniert aber auch über die Teilhabe an den Vereinsaktivitäten im Ort und  für Familien über die Kindergärten und Schulen“, sagte Zachow. Damit die Integration funktioniert, „helfen Sie uns mit“, forderte der Vize-Landrat die Zuhörer auf. Carmen Pflug von der Gladenbacher Flüchtlingshilfe lud indes ein: „Kommen Sie und lernen Sie die Menschen kennen. “

Den Abbau von Vorurteilen über den Kontakt zu den Flüchtlingen stellte sie als wesentlichen Punkt eines guten Miteinanders heraus. Denn auch die Angst vor Terroristen und steigende Strafdelikte wie Diebstahl waren Themen, die einige Zuhörer in die Diskussion einbrachten. Mit der Flüchtlingsunterbringung auf dem Firmengrundstück werden zwei Ziele verfolgt: das Leben auf dem Gelände zu erhalten und den Flüchtlingen eine menschenwürdige Unterbringung zu bieten. Die Personen, die dort einziehen werden, sollen sich wohlfühlen. Und es soll so sein, dass die Flüchtlingsunterkunft nicht zu einem Fremdkörper wird, sondern Normalität.

Hintergrund
Das Asylrecht für politisch Verfolgte ist in Deutschland ein im Grundgesetz verankertes Grundrecht. Das zunächst schrankenlos gewährte Asylrecht wurde 1993 und 2015 in wesentlichen Punkten überarbeitet und eingeschränkt.
 Quelle: Wikipedia

von Silke Pfeifer-Sternke

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