Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Amtsrichter verurteilt zwei Schläger

Amtsgericht Amtsrichter verurteilt zwei Schläger

Eigentlich wollte ein 18-jähriger Biedenkopfer einen aufflammenden Konflikt verhindern, wurde dann aber selbst zum Opfer. Gegen den Haupttäter verhängte das Amtsgericht eine Haftstrafe.

Biedenkopf. Angeklagt waren drei Hinterländer - ein 28-Jähriger, ein 30-Jähriger und ein 33-Jähriger - einen 18-Jährigen, der als Nebenkläger auftrat, vor einem Pub in Biedenkopf „gemeinschaftlich körperlich misshandelt“ zu haben.

Am Ende der Beweisaufnahme stand fest, dass der 30-Jährige nicht Täter war, sondern schlichten wollte - er wurde von Amtsgerichtsdirektor Mirko Schulte vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen. Gegen den 33-jährigen und den 28-jährigen Angeklagten erhärtete sich zwar der Verdacht der schweren Körperverletzung nicht. Allerdings wurden beide der einfachen Körperverletzung schuldig gesprochen.

Nach Mitternacht am 19. Mai 2012 entflammte zunächst in einem Pub ein Streit zwischen dem 33-Jährigen und einem Freund des Opfers, der daraufhin das Wirtshaus verlassen musste. Eine Freundin begleitete ihn nach draußen, während der Geschädigte sein Bier austrank. Durch die Fenster provozierte der Verwiesene mit der „Halsabschneide“-Geste seinen stark betrunkenen Kontrahenten, der an der Seite der Mitangeklagten auf die Straße eilte, um das Problem „klären“ zu können. Der Geschädigte schritt ein, weil er fürchtete, seiner zwischen den Streitparteien stehenden guten Freundin - die vom Hauptverdächtigten beleidigt wurde - könne etwas zustoßen.

„Ich wollte sie beschützen“, erklärte er Richter Mirko Schulte. Der 18-Jährige wurde zum Opfer, weil er den Streit schlichten wollte. „Eigentlich hat es der Falsche abgekriegt“, sagte der 33-Jährige, der nur wusste, dass er den Geschädigten in den Hintern getreten hatte. Der angeklagte 28-Jährige erinnerte sich an die Rangelei. Auch er war betrunken und wollte auf Schultes Nachfrage „nicht ausschließen zwei, drei Mal“ nach dem Opfer getreten zu haben, was sich mit dessen Aussage deckte.

Hauptakteur ist „Schläger der übelsten Sorte“

Allerdings habe der 33-Jährige ihn auch gegen Kopf und Rücken geschlagen und dabei verletzt, erläuterte der Nebenkläger. Als sein Angreifer ihn tretend und prügelnd durch die Hainstraße trieb, traf ein Tritt die linke Hand des Opfers, an der ein Finger brach. Kurz nach der Tat habe er Bedenken gehabt, abends in die Stadt zu gehen. Heute aber nicht mehr.

Die Entschuldigung beider Täter hatte der 18-Jährige angenommen und schloss mit dem Haupttäter während des Prozesses einen Vergleich, in dem dieser die Zahlung von 600 Euro Schmerzensgeld zusicherte.

In seinem Plädoyer charakterisierte Oberstaatsanwalt Holger Willanzheimer den Hauptakteur, dessen Tritte für die Verletzungen ursächlich waren, als „einen Schläger übelster Sorte“. Er ist einschlägig vorbestraft und wurde zuletzt im Dezember wegen Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Weil sich die Tat aber vor der letzten Verurteilung ereignete und die Sozialprognose des jungen Vaters positiv ist - was dessen Bewährungshelfer bestätigte - forderte Willanzheimer eine sechsmonatige Haftstrafe letztmalig zur Bewährung auszusetzen.

Für den Mittäter forderte Willanzheimer eine Geldstrafe von 1500 Euro. In seinem Urteil stimmte Schulte beiden Anträgen zu. Dem Haupttäter erteilte er unter anderem die Auflage, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Und er warnte ihn: „Bei der nächsten klitzekleinen Kleinigkeit gibt es keine Spielräume mehr. Dann kann man nicht mehr helfen und ist die Bevölkerung vor Ihnen zu schützen.“

Auch gegen den 30-Jährigen sprach Mirko Schulte ein Urteil. Über den Körperverletzungs-Vorwurf hinaus, von dem er freigesprochen worden war, war er angeklagt, am 1. Juli 2012 unter Einfluss berauschender Mittel einen Motorroller ohne Führerschein gefahren zu haben, was der 30-Jährige vor Gericht bereute. Verteidiger Thomas Biek erkannte in seinem Mandanten einen Mann, in dessen Leben „alles schiefläuft“.

30-Jähriger kommt mit „letztem Warnschuss“ davon

Er sei arbeitssuchend und leide unter Depressionen. Er ist polizeilich kein unbeschriebenes Blatt: Fahren ohne Fahrerlaubnis, Diebstahl, Unterschlagung und zuletzt 14-facher Einbruch in einen Imbiss füllen seine Strafakte. Für die Rollerfahrt beantragte Willanzheimer den 30-Jährigen als „letzten Warnschuss“ zu einer Geldstrafe von 675 Euro zu verurteilen.

Schulte setzte das Strafmaß in seinem Urteil auf zwei Monate Haft zur Bewährung fest. Der Richter legte ihm zudem 40 Arbeitsstunden und eine Psychotherapie auf. Schulte versprach: „Wenn Sie nicht mitmachen, dann rechne ich damit, dass Sie im Sommer nicht mehr in Freiheit sind.“

von Benedikt Bernshausen

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland