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Amani Gospelchor initiiert und fördert Ausbildungsbetrieb für Straßenkinder

Schulprojekt Amani Gospelchor initiiert und fördert Ausbildungsbetrieb für Straßenkinder

Sie singen mit Freude und Leidenschaft Lieder in afrikanischen Sprachen, in Englisch und Deutsch. Mit dem gleichen Eifer betreiben die Mitglieder des Amani Gospelchors ein Projekt in Tansania.

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Sie freuen sich über die gut laufende Ausbildungsstätte (von links): Der Runzhäuser Lee Cosmas Ndeiy, sein Sohn und Schreinereileiter Christopher und der Freund der Familie, Eberhard Ströder. Der Schreiner aus dem Westerwaldkreis unterstützt das Projekt seit Jahren.

Quelle: Hartmut Berge

Niedereisenhausen. Seit September 1995 tritt der Amani Gospelchor mit seiner nicht alltäglichen, vorwiegend afrikanischen Gospelmusik in Gottesdiensten und Konzerten auf, im Landkreis Marburg-Biedenkopf, in Hessen und über die Landesgrenzen hinaus.

Der Amani Gospelchor mit Sitz in Niedereisenhausen hat in Tansania eine Lehrwerkstatt initiiert, die er heute noch maßgeblich unterstützt.

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Die Gründung des Gospelchors geht auf die Idee des Ehepaars Antje und Helmut Thielmann aus Niederhörlen zurück. Nachdem Antje Thielmann ein halbes Jahr lang in Tansania gelebt hatte, wurde sie durch den dortigen Musikstil angeregt, sie brachte die Begeisterung und den Spaß daran mit nach Deutschland. Vor 20 Jahren besuchte eine kleine Gruppe um die Thielmanns aus dem Raum Steffenberg den Kirchentag. Auch dort war afrikanische Gospelmusik zu hören. Das war die Initialzündung zur Gründung eines eigenen Chores.

Freude an afrikanischer Musik

Bosco ist stellvertretender Werkstattleiter und lernte dort als einer der ersten Schüler das Schreinerhandwerk.

Quelle:

Zunächst stand Gospelmusik allgemein im Mittelpunkt, unter Chorleiter Lee Cosmas Ndeiy aus Runzhausen fanden immer mehr Fans afrikanischer Musik zusammen. In seine Heimatstadt Korogwe - am Fuß der Usambara-Berge - reist Ndeiy regelmäßig, um zuvorderst ein vom Amani Chor 1997 angeschobenes Projekt weiterzubegleiten: In einer dort aufgebauten Ausbildungsstätte werden Jugendliche kostenlos zu Schreinern und Näherinnen ausgebildet.

Auch von der hiesigen evangelischen Kirche und vom Land Hessen gab es finanzielle Unterstützung. Doch dann drohte das Projekt zu scheitern: 2004 musste die Ausbildungswerkstatt, wie viele andere Gebäude in Korogwe, abgerissen werden, die Regierung ließ quer durch die Stadt einen Highway bauen.

Projekt droht früh zu scheitern

Gespendete Maschinen landeten zum größten Teil wieder im Überseecontainer, indem sie nach Tansania verschifft wurden - aber nur vorübergehend. Denn wieder waren es die Chormitglieder um Lee Cosmas Ndeiy, die mit Einnahmen aus Auftritten und Spendengeldern für einen Neuaufbau sorgten. „Die Regierung hatte zwar den Abriss der Halle veranlasst, stellte aber neues Gelände zur Verfügung“, berichtet Ndeiy. Auf dem gepachteten Grundstück entstanden neue Gebäude.

Holte die Projektleitung zu Anfang die Kinder buchstäblich von der Straße, so wurde 2013 ein wichtiger Meilenstein gesetzt: Das „Amani Training and Social Center“ wurde vom städtischen Sozialamt und dem Schulamt offiziell als Berufsschule anerkannt.

Auch EDV zählt zur Ausbildung

Mustafa, auch Moses genannt, zählt noch zu den Lehrlingen.

Quelle:

Vom Schulamt bestellte Lehrer unterrichten dort Englisch, EDV und Holzbearbeitung. Am Ende ihrer dreijährigen Ausbildung erhalten die Jugendlichen ein Zertifikat. Durch den Verkauf der hergestellten Produkte und andere Dienstleistungen werden die Ausbildungskosten finanziert.

„Mittlerweile können auch Jugendliche aus wohlhabenderen Familien bei uns ihre Lehre absolvieren, sie zahlen dafür und tragen so zur Finanzierung des Gesamtprojektes bei“, erklärt Lee Cosmas Ndeiy. Neben der Näherei und Schreinerei gibt es einen Computerraum und einen weiteren Raum für theoretischen Unterricht. Die Maschinen sind allesamt Spenden aus Deutschland. Selbst gespendete Fahrzeuge wurden nach Korogwe gebracht. Die Erweiterung und Umgestaltung der Ausbildungsstätte ist in vollem Gange. Bei allen baulichen Veränderungen und Neuanschaffungen sei man nach wie vor auf Hilfe aus Deutschland angewiesen, betont Ndeiy.

Gesellen finden ihr Auskommen

Er freut sich, dass viele Absolventen in ihren Berufen ein Auskommen gefunden haben. Fast alle arbeiten selbstständig als Schreiner, Zimmermänner und Näherinnen. Die Unterstützung der Straßenkinder sei von großer Bedeutung, sagt der Runzhäuser und erklärt: „In Tansania muss man Schulgeld zahlen, um Bildung zu erlangen.“ Schlecht gestellte Familien könnten dies nicht finanzieren.

Wer mit Spenden Projekte fördern oder durch seine Mitwirkung im Chor helfen möchte, wendet sich an die Vorsitzende Ursula Werner, Telefon 0 64 68 / 70 58, E-Mail: 45ursula@web.de oder Chorleiter Lee Cosmas Ndeiy, Telefon 0 64 62 / 32 37, E-Mail: ndeiylee@aol.com.

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